Eine sich ständig, oft auch unerwartet verändernde Umwelt stellt Unternehmen heute vor unbekannte Herausforderungen. Unwägbarkeiten gab es schon immer. Neu sind jedoch die grosse Anzahl, die Geschwindigkeit, die Reichweite oder die Heftigkeit ihres Auftretens. Bei näherer Betrachtung sind, wie die Finanzkrise erkennen lässt, die Herausforderungen zumindest teilweise sogar «hausgemacht» und die unerwartete oder unterbewertete Konsequenz eines als richtig erachteten unternehmerischen Handelns.
Neue Herausforderungen
Als eine Folge von Reaktionen, deren Auslöser oft weit in der Vergangenheit liegt, basieren sie auf unseren gängigen Annahmen, die unser routiniertes Handeln geprägt haben und es daher bestimmen. Die Unsicherheit im Umgang mit solchen Ereignissen ist besonders hoch. Wir können oft nicht erkennen oder benennen, was genau die Unsicherheiten sind, denen wir ausgesetzt sind, oder wie die einzelnen Faktoren interagieren. Selbst Experten fühlen sich oft überfordert, in einer solchen Situation Entscheidungen zu treffen. Auch spüren wir, dass wir uns eventuell von unseren lieb gewonnenen Gewohnheiten verabschieden müssten und ein neues Patentrezept für die Zukunft fehlt.
Dies betrifft häufig unternehmerische Ziele, die gleich bedeutsam scheinen und deshalb gleichzeitig erreicht werden sollen wie z.B. kurzfristiger Erfolg und langfristige, nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit, basierend auf Innovation. Solche Ziele stehen oft im Wettbewerb um die gleichen knappen Ressourcen. Es ist dann oft nicht mehr möglich, alle Ziele optimal zu erreichen, und Entscheider stehen unter Zeitdruck einer Dilemma-Situation ohne eindeutige Lösung gegenüber. Zielkonflikte, sogenannte «Trade-offs», die heute Alltag in Unternehmen sind, laufen leicht Gefahr, einem einseitigen – da schnell verfügbaren - Lösungsmuster zu unterliegen. Was nach einer schnellen Lösung aussieht, ist oft sogar eine Ursache künftiger Probleme.
Unser Denken und Handeln ist bisher meist darauf ausgerichtet, Zusammenhänge im Sinne eines «je mehr (oder weniger), desto besser» vereinfacht und isoliert zu betrachten. Daraus lassen sich klare Handlungsanweisungen ableiten. Das Ergebnis dieser Maxime ruft im Umgang mit sich widersprechenden Zielen jedoch Einseitigkeiten hervor. Die Nichtbeachtung wesentlicher weiterer Parameter in Entscheidungen führt zwangsläufig dazu, dass sich dauerhaft unberücksichtigte Risiken aufschaukeln und krisenartig entladen. Oft gilt es dann nur noch, entstandene «Flächenbrände» zu löschen, wobei ein proaktives, gezieltes Handeln weiter verunmöglicht wird. Längerfristig wird ein erfolgreicher Umgang mit Mehrdeutigkeiten im Rahmen einer nachhaltigen Unternehmensführung jedoch wettbewerbsentscheidend sein. Schon heute spiegelt sich ein nachhaltigkeitsorientiertes Management im kontinuierlichen Wachstum von Unternehmen wider, das langfristige ökonomische Erfolge in einer abhängigen Beziehung zu ökologischer und sozialer Ausgewogenheit betrachtet. Was verbirgt sich hinter einer nachhaltigen Unternehmensführung?
Nachhaltigkeit
Bisher wird mit Nachhaltigkeit vor allem ein ökologieorientiertes, «grünes» Verhalten verbunden. Sie ist erheblich mehr. Sie setzt bei einer Grundhaltung an, wonach aktuelle Lösungen nicht zulasten einer künftigen Handlungsfähigkeit gehen dürfen, und schlägt sich in grundsätzlichen Denk- und Verhaltensweisen von Individuen, Unternehmen und Gesellschaften nieder. Es geht im Kern um den bewussten, längerfristigen Umgang mit knappen (z.T. auch nicht erneuerbaren) Ressourcen jeglicher Art. Nachhaltigkeit steht damit für verantwortungsvolles Handeln, das auf den langfristigen Erhalt von Ressourcen und Systemen setzt, anstelle sich an einer kurzfristigen Nutzung zu orientieren: «…[Nachhaltigkeit ist der] Zustand eines Systems, das sich so verhält, dass es über unbeschränkte Zeiträume […] existenzfähig bleibt […]].» (Meadows et. al., 1992).
Während Nachhaltigkeit bei vielen Grossunternehmen deutlich sichtbar in die bestehenden Geschäftsmodelle integriert wird, sind Klein- und Mittelständische Unternehmen noch zögerlicher in der Argumentation und Dokumentation ihres Verständnisses. Auch zeigen sich Fälle, in denen Nachhaltigkeit von Unternehmen z.B. auf der Website oder in einem Nachhaltigkeitsbericht etc. bereits kommuniziert wird, aber die Unternehmen mit einer echten Umsetzung, diese auch zu leben, noch deutliche Mühe haben.
Zahlreiche Faktoren deuten darauf hin, dass Nachhaltigkeit daher kein kurzlebiges Modethema ist, sondern die Gesellschaft und auch die unternehmerische Realität in Zukunft selbstverständlich und von Grund auf prägen wird. Durch die Neuigkeit des Themas bedarf es aber auch noch der Schärfung des eigenen Verständnisses von Nachhaltigkeit, der eigentlichen Positionierung gegenüber dem Thema und der Anerkennung seiner tiefgreifenden Bedeutung für Entscheidungsfindung, mögliche Handlungen und die Abschätzung von Folgen. Dies betrifft gerade solche Entscheidungen und Dilemmata, die durch gewohnheitsmässiges Denken und Handeln nicht mehr angemessen lösbar sind. Um welche Konflikte geht es dabei im Einzelnen?
