Kleine und mittelständische Unternehmen haben eine andere Kultur als Konzerne – das liegt in der Natur der Sache. Strategie, Aufbau, Führung und Personalarbeit sind häufig grundsätzlich anders strukturiert als im grossen Konzern. Doch egal wie gross oder klein, agil oder starr eine Organisation ist: Notwendiger, nachhaltiger Change kann nur gelingen, wenn das Unternehmen als System erkannt und verstanden wird. Dazu braucht es Kenntnis über die zentralen Elemente der Organisationsentwicklung (OE) und wie man diese im Prozess berücksichtigt.
Systemischer Weitblick nötig
Organisationen sind Systeme, in denen alles mit allem verbunden ist. Treten Probleme auf, sind das oft erste Anzeichen für systemischen Verbesserungsbedarf. Reagiert wird nicht selten isoliert. Was es braucht, um die komplexe Lage zu verbessern, ist ein Experte für Organisationsentwicklung, der systemisch auf den Gesamtkomplex einwirkt. Er verändert die Kultur, schafft Grundlagen für flüssigere Kommunikation und unterstützt agile Transformation. Er optimiert Strukturen, Prozesse und sorgt für einen gemeinsamen Geist im Unternehmen.
Viele Unternehmen haben Bedarf und Nutzen verstanden und holen sich OE-Berater ins Haus – leider temporär und nach einer Weile tritt neuer Bedarf auf. Erfolgreiche KMU müssen heute so dynamisch sein wie der Markt und das wirtschaftliche Umfeld, in dem sie sich bewegen. OE ist keine Instant-Massnahme von ewiger Haltbarkeit. Die Wirkung eines einmaligen Rucks durchs Unternehmen geht so mittelfristig wieder verloren.
Culture first
«Culture eats strategy for breakfast», formulierte Managementexperte Peter F. Drucker seine Erkenntnis über den Wert der Kultur in Unternehmen. Etwas verkürzt und eingedeutscht kann der Leitspruch so verstanden werden: «Struktur folgt Kultur.» Bis vor einigen Jahren – und in manchen Companys bis heute – lag der Fokus der Unternehmenslenker auf der Strategie. Daraus wurden die Produkte, die Zielmärkte, die Auswahl der Mitarbeiter und idealerweise die Massnahmen der Personalentwicklung abgeleitet. Doch häufig setzen Unternehmen die Missions- und Visionsbilder nicht oder nur zu kleinen Teilen nachhaltig um. So wird Geld versenkt und Frustration aufgebaut.
Organisationsentwicklung kann nur erfolgreich sein, wenn sie alle zentralen Unternehmensaspekte gleichermassen im Auge behält. Denn was ist, wenn sich der renommierte Management-Guru Peter Drucker geirrt hat und nicht ausschliesslich die «Culture» der Nährboden für eine erfolgreiche Organisationsentwicklung ist? Wie so oft wird die Wahrheit in der Mitte liegen und der Fokus der Unternehmenslenker auf allen relevanten Unternehmensaspekten aufbauen.
Das 7-S-Model
Tom J. Peters und Robert H. Waterman jr. haben ein Modell entwickelt, das die zentralen Gestaltungselemente der Organisationsentwicklung benennt. Die 7-S (auch McKinsey 7-S-Model):
1. Strategy (Strategie)
2. Structure (Struktur)
3. Systems (Prozesse)
4. Shared Values (Werte)
5. Style of Leadership (Führung)
6. Skills (Fähigkeiten)
7. Staff (Mitarbeiter)
Die ersten drei Elemente gelten als die «harten» Faktoren und werden seit Jahrzehnten von Beratern beackert. Aspekte vier bis sieben zählen zu den «weichen» Faktoren und bekommen erst seit wenigen Jahren angemessene Aufmerksamkeit. Hier braucht es Organisationsentwickler – und keine Unternehmensberater. Schauen wir uns die Elemente im Detail an.
Strategie
Unter «Strategie» wird verstanden, welche langfristigen Ziele und Visionen das Unternehmen ansteuert und welche konkreten Massnahmen ergriffen werden, um nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu generieren. Hier geht es vor allem darum, wie dieses Unternehmensleitbild im Alltag ausformuliert und wodurch es für alle Beteiligten und Betroffenen sichtbar wird. Kennzahlen helfen dabei, den Status quo und den Fortschritt der Zielerreichung transparent nachzuhalten.