«Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, gerne möchte ich Ihnen nun unser Jahresergebnis vorstellen samt der Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr.» So oder ähnlich beginnen viele Vorträge, in denen Zahlen präsentiert werden. Der Effekt: Das Publikum ist gelangweilt, die Gedanken schweifen ab. Um sich die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu sichern, muss bereits mit den ersten Sätzen die Neugier geweckt werden. Ein starker Einstieg ist, dem Publikum Rätsel aufzugeben. Zum Beispiel so: «Liebe Kolleginnen und Kollegen, bei der Analyse des Jahresergebnisses ist uns eine in dieser Höhe unerwartete und beunruhigend stark gestiegene Kostenposition aufgefallen. Was das für Auswirkungen auf unser Geschäft im kommenden Jahr hat und wie wir diese Kosten wieder in den Griff bekommen können, stelle ich Ihnen nun vor.»
Zahlen sichtbar machen
Die Aufmerksamkeit ist geweckt. Nun gilt es, die Inhalte verständlich und leicht merkbar zu präsentieren. Aber Zahlen sind leider abstrakt. Und der für abstraktes Denken zuständige Hirnbereich ist ziemlich klein. Das bedeutet: Menschen erfassen reine Zahlen nur sehr langsam und mit hoher Konzentration. Wer also zu viel über die zu präsentierenden Zahlen redet, wird einen grossen Teil seines oder ihres Publikums früher oder später verlieren.
Besser ist es, Zahlen in Präsentationen zu visualisieren. Denn jener Bereich im Gehirn, welcher für visuelles Denken verantwortlich ist, ist viel grösser als der für abstraktes Denken. Charts und Grafiken sind ein gutes Hilfsmittel, um die Zahlen sichtbar zu machen. So können Diagramme etwa nützlich sein, wenn wir Umsatzdaten vergleichen oder eine Entwicklung zeigen wollen. Das Gehirn vermag die Grösse der verschiedenen Balken mühelos zu erfassen.
Doch es gibt noch weitere Möglichkeiten. So können auch Fotos eingesetzt werden, um Aussagen zu veranschaulichen. Ein Beispiel: Die Controllerin einer Gartenbaufirma will ihre Kollegen für den stark veralteten Fuhrpark des Unternehmens sensibilisieren, der ständig steigende Reparaturkosten verursacht. Anstatt ein Chart vorzuführen, das die Entwicklung des durchschnittlichen Alters des Fuhrparks über die letzten zehn Jahre darstellt, zeigt sie ein Foto eines völlig verrosteten, am Strassenrand liegen gebliebenen Kleintransporters, der vor Jahrzehnten in einer unwirtlichen Gegend seinem Schicksal überlassen wurde. Dieses Foto, und damit ihre Aussage, wird allen im Gedächtnis bleiben.
Vergleiche heranziehen
Bilder zu zeigen, erfordert übrigens kein Powerpoint. Sie können diese auch in den Köpfen des Publikums entstehen lassen. Die wirksamsten Bilder entspringen der Fantasie des Betrachters. Die zu präsentierenden Zahlen sind viel leichter erfassbar, wenn sie mit bekannten Gegenständen in Verbindung gebracht werden. Wie dramatisch ist die Situation einer Brauerei etwa, die durch den Lockdown im vergangenen Jahr einen Verkaufsrückgang von 10 000 Liter Bier hinnehmen musste? Diese Menge ist schwer vorstellbar. Wird das Bier abgefüllt und in Form von Bierkästen aufeinandergestapelt, ergibt das einen 300 Meter hohen Bierkastenturm. Das entspricht der Höhe des Eiffelturms.
Bei der Suche nach passenden Bildern ist es jedoch wichtig, sich vor Augen zu halten, dass ein Vergleich immer subjektiv ist. Eine Zahl an sich ist neutral, aber sobald man Vergleiche heranzieht, interpretiert und bewertet man sie. 10000 Liter Bier erscheinen mit dem Vergleichsbild Eiffelturm viel. Kippt man diese Menge hingegen in ein olympisches Schwimmbecken, ist der Boden nur knapp einen Zentimeter hoch bedeckt – so schlimm scheint es die Brauerei also doch nicht getroffen zu haben. Präsentierende sollten sich der Subjektivität und Deutungsmacht bei Vergleichen immer bewusst sein.
Mit Emotionen arbeiten
Manche Präsentierenden provozieren ganz bewusst mit starken Bildern. Wie etwa die Controllerin der Gartenbaufirma. Mit ihrem Foto des Rostautos hat sie sich sicher nicht bei allen beliebt gemacht. Eines ist ihr jedoch damit gelungen: Sie hat Emotionen hervorgerufen. Sei es Überraschung, Erheiterung oder auch Empörung, die Wirkung ist garantiert: Damit bleibt ihre Aussage im Gedächtnis ihrer Zuhörer haften.
Mit Emotionen zu spielen oder sie gar selbst zu zeigen, wird von vielen allerdings als unprofessionell empfunden. Gesprächspartner aus dem beruflichen Umfeld wollen vermeintlich mit rationalen Argumenten überzeugt werden – vor allem wenn es um Controlling und Finanzen geht. Doch wissenschaftliche Studien zeigen, dass wir Informationen, die wir mit starken Emotionen verbinden, deutlich besser im Gedächtnis behalten. Und auch bei jeder Entscheidung, die wir vermeintlich rational treffen, sind Emotionen im Spiel. Ernst zu nehmende Stimmen gehen sogar so weit zu behaupten, dass alle unsere Entscheidungen emotional getroffen, dann aber rational begründet werden.