Mission: «Wofür trete ich an?»
Jeder Mensch möchte etwas Sinnvolles tun. Und wenn er weiss, was gemäss seinem Wertesystem und seinen Motiven für ihn sinnvoll ist, hat er seine Mission gefunden. Deshalb sollten sich Führungskräfte fragen: Was ist meine Mission als Führungskraft? Was verleiht meiner Arbeit Sinn?
Verdichten Sie Ihre persönliche Mission möglichst zu einem persönlichen Merksatz. Die Mission des Leiters des Kundenservice-Centers einer Versicherung kann zum Beispiel lauten: «Ich sorge mit meinem Team dafür, dass unser Unternehmen möglichst viele zufriedene Kunden hat.»
Wirkung: «Woran will ich erkannt werden?»
Die Leadership ID einer Führungskraft schlägt sich in ihrem Verhalten nieder; das heisst, ihre Werte, Motive und ihre Mission sind für Aussenstehende erkennbar. Also sollte sich eine Führungskraft fragen, welche Verhaltensweisen für sie typisch beziehungsweise kennzeichnend sind – zum Beispiel beim Führen von Mitarbeitern, in der Alltagskommunikation, beim Fördern der Selbstverantwortung im Team, in Stresssituationen?
Eine hilfreiche Übung ist: Stellen Sie sich vor, Ihre Mitarbeiter, Kunden, Vorgesetzten würden in Ihrer Abwesenheit über Sie reden. Was sollten sie über Sie sagen? Schreiben Sie Ihre Antworten auf und überlegen Sie selbstkritisch, inwieweit Ihr Handeln dem gewünschten Ergebnis zuträglich ist.
Ressourcen: «Was sind meine Kraftquellen?»
Um auch in schwierigen Zeiten die nötige Energie zu haben, brauchen wir Kraftquellen. Das können der Sport, die Familie, Freunde, die Religion und vieles mehr sein. Was hilft Ihnen als Führungskraft, Ihre Batterien immer wieder aufzuladen, sodass Sie nicht ausbrennen? Machen Sie sich dies klar – auch aus Selbstverantwortung. Doch Vorsicht, beruflich stark engagierte Menschen neigen im Alltag dazu, viele ihrer Kraftquellen – wie zum Beispiel ihre Familie, ihre positive Lebenseinstellung, ihren gesunden Schlaf – als selbstverständlich existent zu erachten. Doch wenn wir uns nicht um unsere Kraftquellen kümmern, versiegen sie oft mit der Zeit.
Legitimation: «Warum bin ich hier der/die Richtige?»
Eine Führungskraft muss überzeugt sein: Ich kann in meiner Funktion etwas Positives bewirken. Denn nur dann strahlt sie das nötige Selbstbewusstsein und -vertrauen aus. Suchen Sie Ihre Antwort auf die Frage: «Warum bin ich hier – in diesem Unternehmen, in dieser Position – genau der/die Richtige?»
Viele Führungskräfte haben mit dem Beantworten dieser Frage ein Problem – zum Beispiel, weil sie zum Understatement neigen und es als Ausdruck eines übersteigerten Egos erachten, hierauf schlicht zu antworten: «Weil niemand sonst im Unternehmen dies so gut wie ich kann.»
Die äusseren Aspekte der ID
Jede Führungskraft ist Teil eines Systems, das wiederum aus zahlreichen Subsystemen besteht, die eigene Interessen, Bedürfnisse und Ziele haben. Deshalb kann eine Führungskraft nie allen Erwartungen in vollem Umfang gerecht werden, die an sie gestellt werden. Dieses Dilemma beziehungsweise diesen Zielkonflikt müssen Führungskräfte aushalten beziehungsweise ausbalancieren. Hierbei hilft eine Analyse der Stakeholder und ihrer Erwartungen, um das eigene Handeln zu fokussieren, sodass man sich nicht aufreibt.
Stakeholder: «Mit wem stehe ich in Beziehung?»
Eine Führungskraft ist stets auch ein Manager zahlreicher Abhängigkeitsbeziehungen – zum Beispiel mit Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten, eigenen Vorgesetzten. Auch der Lebenspartner, sofern es ihn gibt, zählt hierzu. Führungskräfte sollten wissen, wer für sie wichtige Beziehungspartner sind und in welcher Form der Abhängigkeit sie zu ihnen stehen.
Nehmen Sie zum Beispiel ein grosses Blatt Papier. Zeichnen Sie sich selbst als Strichmännchen in die Mitte und dann alle Personen(-gruppen), mit denen Sie in relevanten Beziehungen stehen, darum herum. Ziehen Sie dann Linien zwischen ihnen, um ihre Beziehungen zu verdeutlichen. Durch die Abstände der Stakeholder und die Dicke der Linien können Sie zudem die Intensität und Wichtigkeit der Beziehungen ausdrücken. Doch Vorsicht, oft werden bei dieser Übung relevante Stakeholder vergessen – zum Beispiel die Kunden oder externe, strategisch relevante Dienstleister.
Erwartungen: «Was sind die Bedürfnisse meiner Stakeholder?»
Jeder Stakeholder hat Erwartungen an Sie als Mensch und/oder Führungskraft. Versuchen Sie, diese zu erfassen, und erfragen Sie diese gegebenenfalls, damit Sie anschliessend entscheiden können: Wie gehe ich mit den vielen, sich teils widersprechenden Erwartungen um?
Erstellen Sie eine Liste, in der Sie alle Stakeholder aufführen. Schreiben Sie hinter jeden Namen im Imperativ die Erwartungen, die der betreffende Stakeholder an Sie hat. Bei einer Führungskraft im Vertrieb kann die Liste zum Beispiel folgende Elemente enthalten:
- Junior-Verkäufer: «Nimm dir Zeit für mich und erkläre mir alles in Ruhe!»
- Erfahrener Key-Accounter: «Kümmere dich um einen guten Support vom Innendienst, mehr Entscheidungsbefugnisse, höhere Prämien!»
- Management: «Sorgen Sie dafür, dass Ihre Leute mehr verkaufen und hohe Gewinnmargen erzielen!»
- Kunde: «Gewähren Sie mir hohe Rabatte und einen Spitzenservice!»
- Technischer Support: «Versprechen Sie beim Verkauf nichts, was wir nachher nur schwer einlösen können!»