Die wirkliche Wachstumsbasis wird erst in der konkreten Marktsegment-Strategie gelegt, denn erst hier kommen die Kunden ins Spiel, doch der Reihe nach, gilt es doch, zahlreiche Fragen fundiert zu beantworten.
Die erste und wichtigste Frage, die es zu beantworten gilt, ist diejenige nach dem zu schaffenden Wert: «Welchen Wert schaffen wir?» Die Antwort auf diese Frage schuldig zu bleiben, bedeutet, dass das Marktsegment direkt eingestellt werden kann, denn welche Existenzberechtigung hat ein Unternehmen in einem Marktsegment, in dem es keinen Wert schafft, in dem es seinen Kunden keine Vorteile zu generieren in der Lage wäre? Auch die Aussage, die dem Markt als Orientierungshilfe gegeben wird, darf und soll an dieser Stelle in Form einer Wertaussage bereits besprochen werden.
Auch die Positionierung ist eine wichtige Festlegung: «Sind wir Kostenführer, Leistungsführer oder Innovationsführer?» Die schlechteste Antwort lautet hier, man sei von allem ein wenig, denn dies fördert die Differenzierung nicht. Obwohl es fast immer darauf hinausläuft, dass ein Unternehmen keine eindeutige Positionierung aufweist, muss doch eine der drei Dimensionen die Oberhand gewinnen, will man Ressourcen nicht unnötig verschwenden. Es muss überdies klar beschrieben sein, von welchem Marktsegment tatsächlich die Rede ist. Der Verfasser des vorliegenden Beitrags erlebt es immer wieder, dass sich hitzige strategische Diskussionen an der Bezeichnung und Einordnung des Marktsegmentes anzünden, was für den aussenstehenden Betrachter mitunter eine Überraschung ist.
Innerhalb des Marktsegmentes muss zunächst die Kundschaft betrachtet werden: Wer sind die Kunden? Wer sollen künftige Kunden sein? Hier sind demografische Faktoren nachrangig zu betrachten, denn in erster Linie geht es um gemeinsame Bedürfnisse der Kunden. Schliesslich sind Zielgruppen nichts anderes als Menschen mit ähnlichen Bedürfnissen.
Dringend unterschieden werden muss bei der Erörterung der Zielgruppenbedürfnisse zwischen angenommenen und tatsächlichen Bedürfnissen. Zu häufig meint insbesondere der Vertrieb, die Bedürfnisse der Kunden zu «kennen» und ebenso häufig ist zu erleben, dass dieses vermeintliche Kennen keineswegs über eine Grundlage verfügt, es vielmehr den Annahmen des Vertriebs entspringt.
Erst jetzt ergibt es einen Sinn, über das Leistungsangebot zu sprechen. Eine wirksame Wachstumsstrategie beginnt also nicht mit der Frage «Wir haben folgendes Angebot, wie können wir es in den Markt drücken?», sondern sie beginnt mit der Frage nach den Zielgruppen und ihren Bedürfnissen. Das Angebot schliesst sich an. Basierend auf den Kernkompetenzen stellt sich die Frage, welche Produkte und Leistungen geschmiedet werden können, um die tatsächlichen Bedürfnisse der Zielgruppe zu treffen. Das Ergebnis der Erörterung ist idealerweise eine perfekte Passung.
Zwischen dem Leistungsangebot und der Zielgruppe gibt es vermutlich einige Barrieren, die es zu diskutieren und zu überwinden gilt. Auch die Frage nach dem Wettbewerb, der voraussichtlich nicht tatenlos zuschauen wird, wie das Unternehmen den Markt erobert, ist zu stellen. Wer also ist theoretischer Wettbewerb, wer ist relevanter Wettbewerb? Zwischen Angebot und Zielgruppe gilt es auch, die preisliche Positionierung für das Leistungsangebot festzulegen. Dabei kommt es nicht auf genaue Beträge an, sondern es geht darum, im Einklang mit der Grundstrategie (Kostenführer, Leistungsführer, Innovationsführer) einen kompatiblen Preiskorridor zu definieren.
Auch der Vertriebsweg ist Bestandteil der strategischen Erörterung. Soll ein Direktvertrieb erfolgen? Wird ein Aussendienst eingesetzt? Wird es Filialen oder Niederlassungen geben, wenn ja, sind diese gleichberechtigt oder weisen sie ein unterschiedliches Leistungsspektrum auf? Wie werden die elektronischen Medien genutzt, wenn überhaupt? All dies sind Fragen, deren richtige Beantwortung nur über die Betrachtung der Zielgruppe erfolgen kann.
Erst jetzt – und das unterscheidet eine wirkungsvolle Wachstumsstrategie von einer weniger wirkungsvollen – wird die interne Welt betrachtet. Die Fragen, die es zu stellen gilt, sind: Welches sind die zielführenden Prozesse, um das strategisch Beschlossene effektiv an den Markt zu bringen? Welche Organisation benötigen wir dazu? Welche Systeme helfen der Organisation? Weniger wirkungsvolle Wachstumsstrategien starten mit diesen Fragen und sind damit egozentriert. Wirkungsvolle Wachstumsstrategien ordnen die interne Welt der externen Welt unter und sind damit zielgruppenzentriert.