Unternehmen geraten aus verschiedenen internen und externen Ursachen in Schräglage. Das Vorgehen wird je nach Ausgangslage oder Ausprägung der Krisensymptome angepasst. Der folgende Leitfaden ist aus Erfahrungen mehrerer Standortsanierungen entstanden und beschreibt die Sanierung eines mittelständischen Standortes mit verschiedenen Geschäftsfeldern.
Phase 1: Analyse und Planung
In den ersten Monaten nach Übernahme der Aufgabe werden die ersten Weichen für eine positive Entwicklung gestellt. Für den Turnaround an dem Standort ist es wichtig, eine verantwortliche Person gegenüber dem höheren Management zu benennen und nicht die Führung einzelner Bereiche auf verschiedene Personen zu verteilen. Mit den bestehenden Mitarbeitern beginnt die Aufarbeitung mit Schwerpunkt in den operativen Bereichen. Das Ziel in den ersten Wochen ist die Identifizierung und Analyse der Ursachen. Mithilfe von Fachspezialisten aus anderen Standorten werden die Bereiche analysiert und Führungs- und Schlüsselpersonen befragt/interviewt. Auf Basis der Erkenntnisse wird in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern vor Ort ein erster Massnahmenplan erstellt, der dem Top-Management präsentiert wird. Die Planung bleibt so flexibel wie möglich, um Herausforderungen, die durch Entscheidungen aus der Vergangenheit entstanden sind, konsequent und unverzüglich bereinigen zu können.
Das Verhalten der Führung gegenüber den Mitarbeitern ist offen, kooperativ und konsequent. Die Mitarbeiter werden an der Planung beteiligt, um das Verantwortungsbewusstsein zu fördern und eine Verbindung zu den anstehenden Veränderungen zu schaffen. Wichtige Informationen zu aktuellen Entwicklungen und dem weiteren Vorgehen werden laufend an Mitarbeiterveranstaltungen kommuniziert. Diese Plattform fördert einen offenen Austausch mit der Belegschaft, und das Management beantwortet kritische Fragen und Themen aus dem Plenum.
Schlussendlich geht es um positiven Ebit und somit um den Erhalt des gesamten Standortes in den «High Cost Regions» wie zum Beispiel Schweiz und Deutschland. Es treten persönliche Schicksale in den Hintergrund, da bei steigendem Handlungsdruck der vorhandene Handlungsspielraum sinkt. Hier sind klare Signale an die Belegschaft notwendig, um eine Verhaltensänderung bei den Mitarbeitern zu initiieren. Für die verantwortliche Führungskraft ist die erste Phase psychologisch schwierig da, man als Feind/Aussenstehender betrachtet wird, aber auf die Mithilfe und Offenheit der Führungsmannschaft angewiesen ist, um die Ursachen zu finden.
Neben dem Fokus auf den Produktionsbereichen liegt ein weiterer Schwerpunkt auf den finanziellen Zahlen. Der Umsatz sowie Gewinn/Verlust werden auf wöchentlicher Basis dargestellt. Der Kostenblock wird ermittelt und mögliche Reduzierung direkt umgesetzt. Hierbei ist es wichtig, dass alle Fakultäten diese Herausforderungen gemeinsam diskutieren. Dadurch fühlen sich die Mitarbeiter in die Veränderung miteinbezogen und haben die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen. Erst wenn alle Informationen transparent sind und ein gemeinsames Verständnis vorhanden ist, sind die Grundlagen gelegt, um die notwendigen Optimierungen einzuleiten. Hier ist der Zeitpunkt, an dem die ersten positiven Veränderungen dem Management wie dem Board beziehungsweise Verwaltungsrat aufgezeigt werden.
Eine weitere Massnahme, die bereits in der ersten Phase gestartet wird und den Standort durchgehend begleitet, ist die flächendeckende Einführung eines «Operating Systems». Basis hierfür ist das «Toyota Production System», welches auf die Standortbedürfnisse angepasst wurde. Entscheidend für den Erfolg ist, dass die vorgegebenen Elemente des Operating Systems von den Mitarbeitern individuell angepasst werden. Dies geschieht in den Teams, angefangen an der Basis bei den Mitarbeitern hin zum Management. Teil des Operating Systems ist ein «Key Performance Indicator»-Cockpit, das die richtigen Kennzahlen für den Standort beinhaltet und auf täglicher beziehungsweise wöchentlicher Basis gemessen wird. Die Ergebnisse werden mit allen Fakultäten diskutiert, mit Blick auf «Safety, Quality und Performance». Anschliessend werden die entsprechenden Massnahmen mit Verantwortlichkeiten definiert sowie konsequent verfolgt. Das Operating System ist auf das Tagesgeschäft fokussiert und schafft Transparenz innerhalb der Teams sowie zwischen den Abteilungen. Dadurch verändert sich die Kultur der Unternehmung, mit dem Effekt, die Herausforderungen offen anzusprechen und abzuarbeiten.