Das Verlagern unternehmerischer Funktionen, Kapazitäten und Prozesse in den kostengünstigeren Euroraum hat sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Thema in der Schweizer Industrielandschaft entwickelt. Wegen der vergleichsweise hohen Herstellungskosten in der Schweiz und der dadurch schwindenden Wettbewerbsfähigkeit wird hauptsächlich der Kostendruck als Treiber für diese Entwicklung verantwortlich gemacht.
Outsourcing und Produktionsverlagerungen ins Ausland sind längst keine Tabu-themen mehr. Es wird immer schwieriger, gegen ein kostengünstigeres Beziehen von Waren (Sourcing) aus dem Euroraum, gegen Dienstleistungs- und Produktionsbeauftragung von externen Stellen (Outsourcing) bis hin zu gesamten Verlagerungen von Produktionen und Produktionsstandorten ins Ausland zu argumentieren.
KMU vielfach noch skeptisch
Die Schweizer KMU tun sich immer noch schwer mit der Verlagerung von Teilen ihrer Wertschöpfungskette ins Ausland. Deutsche und österreichische Unternehmen sind auf diesem Gebiet aktiver unterwegs, Schweizer Firmen vergleichsweise eher zurückhaltend. Generell wird befürchtet, nicht den nötigen langen Atem zu haben. Weitere Gründe für die Verunsicherung sind die hohen Investitionskosten, die fehlenden Ressourcen für die Umsetzung, die lange dauernde Realisierungsphase, die Unsicherheiten betreffend die wirtschaftliche und politische Lage in den anvisierten Ländern sowie kulturelle Unterschiede. Viele Unternehmen lassen sich schon zu Beginn des Vorhabens durch solche potenziellen Stolpersteine abschrecken. Mühe bereitet aber auch die Gesamtkostenrechnung, insbesondere das Abschätzen des Administrations- und Koordinationsaufwandes, sowie die Planung der Prozesse und die Steuerung/Überwachung der Schnittstellen. Die zentrale Frage, ob sich das Vorhaben unter dem Strich finanziell wirklich lohnt, sei es für den Einkauf von Waren, den Bezug von Dienstleistungen oder einen Standortaufbau, bleibt nicht oder nur nebulös beantwortet.
Das Hauptziel ist und bleibt immer das gleiche: von den tieferen Herstellungskosten in den nahegelegenen EU-Staaten zu profitieren, signifikante Kosteneinsparungen als zentralen Nutzen zu erzielen, und all dies bei gleichbleibender Qualität. Funktion statt Konvention lautet hier die Devise, das heisst, Produktionsverlagerungen realisieren, ohne dabei hohe Investitions-, Personal- und Unterhaltskosten zu verzeichnen.

