Strategie & Management

Unternehmensentwicklung

Wie attraktive Zukunftsbilder ­Mitarbeiter anziehen und motivieren

Eine der zentralen Fragen, die sich Führungskräfte stellen, ist, wie zukunftssicher ihr Unternehmen ist. Ein attraktives Zukunftsbild zu entwickeln, gilt dabei als wesentlicher Faktor, die Zukunft zu managen. Der Beitrag zeigt, welche Eigenschaften dafür hilfreich sind.
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Im August 2021 stellte Tesla auf dem sogenannten AI-Day seine Zukunftspläne zu künstlicher Intelligenz und Robotik vor. Am nächsten Tag verhundertfachte sich die Zahl der Bewerbungen von KI-Experten bei Tesla. Im Jahr 2003 bestand das Start-up Tesla aus fünf Personen. KMU können auch heute noch viel von Tesla und ähnlichen Unternehmen lernen. Tesla ist nicht innovativ, weil sie gross sind. Tesla ist gross, weil sie von Anfang an eine grosse innovative Vision mit Mut und Begeisterung angegangen sind. 

Ein wenig hip ist nicht genug

Die Knappheit an qualifizierten Mitarbeitern bleibt eine Herausforderung für so gut wie alle Unternehmen. Die Geburtenraten sind geschrumpft und die Babyboomer gehen in Rente. Zuwanderung und Verlagerung von Wertschöpfung in andere Regionen werden das Problem nur zum Teil lösen. Zwar kommt eine nächste Welle an Automatisierung auf uns zu, aber vor allem für die Aufgaben, die weiterhin dem Menschen vorbehalten bleiben, wird die Knappheit nicht geringer. 

Deshalb haben sich viele Unternehmen allerlei Annehmlichkeiten einfallen lassen, mit denen sie Mitarbeiter locken und halten wollen. Natürlich ist es gut, wenn die Arbeitsumgebung angenehm und ein bisschen hip ist. Tischtennis, Kicker und Billard mitten im Office, Obstkörbe, Yoga-Kurse und Massagesessel sind die üblichen Annehmlichkeiten. Solche Annehmlichkeiten werden schnell selbstverständlich. Sie reichen nicht aus, um als Arbeitgeber wirklich anziehend für neue und bestehende Mitarbeitende zu sein.

Formel für Anziehungskraft 

Damit ein Unternehmen zukunftssicher wird, kommt es im Kern darauf an, dass ­potenzielle und bestehende Mitarbeitende dem Unternehmen eine glänzende Zukunft zutrauen. Und dass sie an einer gros­sen herausfordernden Mission mitarbeiten können, die der Gesellschaft und den Kunden wirklich nützlich ist und ihre Lebensqualität verbessert.

In den 169 Un­terzielen für Nachhaltigkeit der Vereinten Nationen sind praktisch alle Herausforderungen genannt, die zu bewältigen sind, um die Lebensqualität der Menschheit weiter zu steigern. Die Energieversorgung, den Transport und die Mobilität nach­haltig zu machen, ist  zum Beispiel eine  Generationenaufgabe. Sie zu lö­sen, ist schlicht notwendig, um die Folgen des Klimawandels zu lindern und auch, um die Kosten für Energie zu senken. Alle Unternehmen in den Branchen Energie, Transport und Mobilität können dazu beitragen.

Noch anziehender werden KMU, wenn sie an grossen realisierbaren Zukunftschancen arbeiten, die für sie ein starkes Wachstum versprechen. Das Unternehmen Marcapo aus Ebern in Deutschland verfolgt die Mission: «Wir machen lokales Mar­keting einfach und wirksam.» Die Trends im stationären Einzelhandel, der drohende Verlust lokaler Anbieter durch zentralisierte Online-Konkurrenz und damit auch die teils drastischen Veränderungen der Innenstädte sind einige der Trends, auf die sich Marcapo bei seinen Zukunftschancen stützt. Die grosse, aber reali­sierbare Zukunftschance von Marcapo ist die Entwicklung und Implementierung einer «Intelligent Local Marketing Platform». 

Der Betreiber eines lokalen Geschäfts, beispielsweise ein Handwerker oder Finanzberater, kann dann mit minimalem Aufwand auf einer einzigen vollständig integrierten Plattform sämtliche Marketing- und Werbemassnahmen in Auftrag geben, online wie offline. Von der Instagram-Anzeige bis zum Grossplakat um die Ecke. Welche Massnahmen die wirksamsten und effizientesten sind, das sagt ihm oder ihr die künstliche Intelligenz von Marcapo. Marcapo unterstützt damit hunderttausende Kleinunternehmen und sichert den wirtschaftlichen Wohlstand der Mitarbeiter.

Die Formel muss also sein: 

Motivierende Mission

+ grosse Zukunftschancen

+ angenehme Arbeitsbedingungen

= hohe Anziehungskraft auf Mitarbeitende.

Vom Zukunftsbild hängt alles ab

«Es ist der Geist, der sich den Körper macht», schrieb Schiller im Wallenstein. «Unser Leben ist das Produkt unserer ­Gedanken», sagte Marc Aurel. Worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, dorthin fliesst auch unsere Energie. Das ist alles lange wohlbekannt. Das heutige Unternehmen ist das Ergebnis dessen, was die Führungskräfte in früherer Zeit wahrgenommen, angenommen, entschieden und getan haben. 

Kurz: Es ist das Ergebnis des Zukunftsbildes in den Köpfen und des daraus fol­genden Verhaltens. Ist das Zukunftsbild schwach, ist das Verhalten verzettelt. Ist es stark und anziehend, ist das Verhalten gezielt und konzentriert und folglich auch effizient sowie produktiv. Inhaber von KMU haben die grosse Chance, ihr Zukunftsbild neu zu entwickeln und es innovativer und anziehender zu machen. Damit wird man im Wettbewerb um exzellente Mitarbeiter wesentlich stärker.

Führen bedeutet, eine Bewegung zu erzeugen. Bewegung braucht Richtung. Richtung braucht ein Ziel, ein Zukunftsbild. Ohne Zukunftsbild kann man nicht führen. Das Zukunftsbild in den Köpfen des Teams bestimmt, was jeder im Team wahrnimmt, was er oder sie denkt, für richtig und falsch hält und folglich auch, wie die Mitarbeiter ihre Zeit und ihre Ressourcen einsetzen, was sie also täglich tun. Weil die Einschätzung der Zukunft des Marktes bestimmt, warum 

und wozu man sich überhaupt entwickeln und verändern muss. Das schafft den Anlass, den Antrieb und die Moti­vation. Ein überzeugendes Zukunftsbild erzeugt Fokus, konzentriert die Kräfte, ­reduziert Konflikte und macht mehr Freude. Im Ergebnis macht es ein Un­ternehmen zukunfts­sicherer. Die wichtigste und nicht de­legierbare Aufgabe ­jeder Führungskraft ist deshalb sein oder ihr Zukunftsbild.

Hilfreiche Eigenschaften

Es fällt Menschen schwer, ein Zukunftsbild zu entwickeln, und noch schwerer, es konsequent zu verfolgen. Das mensch­liche Gehirn ist evolutionsbedingt gemacht für ein Leben im Hier und Jetzt. Denn wir kommen aus einer Zeit, in der die Zukunft nicht zählte. 

Wie kann man es leichter machen, ein ­Zukunftsbild zu entwickeln? Eine gute Möglichkeit ist, eine Vorlage bereitzu­stellen. Diese Vorlage müsste die Eigenschaften zukunftssicherer Unternehmen enthalten und idealerweise empirisch auf der Analyse vieler sehr erfolgreicher und potenzialreicher Unternehmen beruhen.

Welche Eigenschaften machen manche Unternehmen also zukunftssicherer als andere? Die Antwort besteht aus folgenden acht Eigenschaften: 

Das Unternehmen …

  1. verbessert nachhaltig die Lebens­qualität vieler Menschen,
  2. arbeitet an grossen realisierbaren ­Zukunftschancen,
  3. hat viele Kunden, die gerne, viel und zu rentablen Preisen kaufen, 
  4. hat exzellente Mitarbeiter, die gerne kommen, bleiben und sich engagieren, 
  5. hat eine Produktivität, die an der Spitze der Branche ist,
  6. hat es Wettbewerbern schwer ­gemacht, es zu kopieren,
  7. ist gegen technisch-strategische ­Disruptionen abgesichert,
  8. ist eine Freude für die Anteilseigner. 

Sie verbessern nachhaltig die Lebens­qualität vieler Menschen.

Beispiel: Planted in der Schweiz löst mit pflanzlichem Fleisch gleich mehrere Menschheitsprobleme: Klimawandel, Ernährung, Gesundheit und Tierschutz.

Sie arbeiten an grossen ­realisierbaren Zukunftschancen.

Beispiel: Neuralink arbeiten daran, neuronale Erkrankungen mit Gehirn-Chips zu heilen. 

Viele Kunden kaufen gerne, viel und zu rentablen Preisen. 

Beispiel: Town & Country hat ein aus­geklügeltes System an Garantien für Häuslebauer aufgebaut und hat damit eine enorme Anziehungskraft auf finanziell schwache Kunden, die trotzdem mit ­gutem Gewissen ein Eigenheim bauen können.

Exzellente Mitarbeiter kommen, bleiben und engagieren sich gerne.

Beispiel: Iwis in München bietet den ­Mitarbeitern ein Zukunftsbild für die nächsten hundert Jahre. Ganz gleich, in welchem Geschäft man tätig ist, jeder ­Unternehmer kann eine faszinierende, glaubwürdige und deshalb anziehende Zukunft seines Unternehmens zeichnen und zum Magnet für die besten Mitar­beiter werden. 

Ihre Produktivität ist an der Spitze der Branche.

Beispiel: Volkswagen braucht dreissig Stunden für die Produktion eines Autos, Tesla nur zehn. 

Ihre Wettbewerber haben es schwer, sie zu kopieren.

Beispiel: Tomra hat einen solchen Vorsprung in Sortierlösungen für die Kreislaufwirtschaft aufgebaut, dass ihr Geschäftsmodell für Wettbewerber kaum knackbar ist. 

Sie sind gegen technisch-strate­gische Disruptionen abgesichert. 

Beispiel: Rügenwalder hat sich vom rohen Fleisch-Image zum grössten Anbie­-ter für vegetarische Fleischalternativen entwickelt.

Das Unternehmen ist eine Freude für die Anteilseigner. 

Zu dieser Eigenschaft gehört nicht nur eine hohe Profitabilität, sondern gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen auch ein vernünftiger Einsatz der Lebenszeit und der Gesundheit des Unternehmers. Wenn Sie Ihr Unternehmen einem Nachfolger übergeben oder verkaufen, sollte es ihm wirklich Freude machen. Und nicht nur viel Arbeit.

Zukunftsweisende Führungskräfte nutzen diese Eigenschaften, um mit ihrem Team ein attraktives und glaubwürdiges Zukunftsbild zu entwickeln und sich auf seine Verwirklichung zu kon­zentrieren.

Porträt