Strategie & Management

Führungsinstrumente

Wettbewerbsvorteil durch ethisches Verhalten

Das Swiss Excellence Forum hat mit dem Ethik-Zentrum der Universität Zürich ein Modell zur Bewertung und Entwicklung der ethischen Performance in Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft entwickelt. Das Instrument schliesst eine Lücke im Management, da die Globalisierung existenzgefährdende Risiken, aber auch grosse Chancen mit sich bringt.
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Die Welt von heute zeichnet sich durch eine zunehmende Vernetzung von Wirtschafts- sowie Kulturräumen über die Grenzen hinweg aus. Die fortschreitende Globalisierung und Digitalisierung erhöhen die Komplexität, die Risiken sowie die Volatilität und Schnelligkeit der ausschlaggebenden Zyklen. Als Folge dieser Entwicklung steigen die Anforderungen an Führungskräfte, Mitarbeitende und Organisationen. Diese sind zunehmend mit vielfältigen ethischen Herausforderungen konfrontiert. Wer sie nicht erkennt und aufnimmt, geht bewusst oder unbewusst substanzielle Risiken ein. Wer sie innovativ angeht, leistet einen wirtschaftlichen und sozialen Beitrag an die Gesellschaft und verschafft sich Wettbewerbsvorteile.

Zielsetzung

Das Swiss Ethics Model ist ein Führungsinstrument, mit dem die ethische Performance einer Organisation entwickelt, gesteuert, gemessen und mit anderen Organisationen verglichen werden kann. Es wurde für Organisationen in Wirtschaft, Verwaltung und der übrigen Gesellschaft (z. B. Non-Profit-Organisationen) konzipiert und kann unabhängig von deren Grösse, Reifegrad, Branche und Kulturraum angewendet werden. Das Swiss Ethics Model berücksichtigt Erkenntnisse der aktuellen ethischen Forschung. Es dient als erste Orientierungshilfe bezüglich ethischer Performance und zielt auf die kontinuierliche Verbesserung der ethisch relevanten Ergebnisse einer Organisation. Das Modell thematisiert die Aktivitäten und Ergebnisse, die im Hinblick auf das Erreichen der strategischen und operativen Ethikziele relevant sind und sensibilisiert Führungskräfte und Mitarbeitende für eine ethisch orientierte, nachhaltige Führung.

Ein Führungsinstrument

Das Swiss Ethics Model nimmt alle für die Führung und den Betrieb relevanten Aspekte einer Organisation auf und verbindet sie mit den ethischen Standards zu einem systemischen Managementansatz. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es die Standards nicht nur von aussen fordert, sondern diese systematisch mit den relevanten Aktivitäten und Ergebnissen der Organisation verbindet. Das Modell ist auf der normativ-strategischen Stufe anzusiedeln. Es dient Führungsverantwortlichen und -teams zur Beurteilung der Qualität und des langfristigen Nutzens der ethischen Performance der Organisation sowie des ethischen Verhaltens aller Beteiligten.

In der konkreten Anwendung leitet es die Führungskräfte an, sich über die ethischen Ziele der Organisation und deren ethische Standards Klarheit zu verschaffen. Durch die Auswahl und Priorisierung spezifischer Erfolgsfaktoren im Rahmen der eigenen Unternehmensstrategie wird das Swiss Ethics Model darüber hinaus zu einem effizienten und wirkungsvollen Führungsinstrument. Im Zentrum steht ein praxisorientiertes und einfach anwendbares Ethik-Assessment. Es ist so konzipiert, dass es auf den gängigen Führungs- und Bewertungsinstrumenten für den Bereich der Ethik, wie beispielsweise ISO 26 000, aufbaut und diese auch zur systematischen Entwicklung der ethischen Performance empfiehlt.

Nutzen des Modells

Die Anwendung des Modells durch die Verantwortlichen auf allen Hierarchiestufen bedeutet, dass ethische Unternehmensführung thematisiert und als Erfolgsfaktor erkannt wird. Dadurch wird der nachhaltige Nutzen der Orientierung an Ethik für die eigene Organisation sowie die relevanten Stakeholder sichtbar. Mit dem Einsatz des Modells wird eine intrinsische Motivation zur Erreichung der ethischen Strategieziele gefördert.

Ursache-Wirkungs-Gefüge

Zugleich erweitern das Führungsteam und die beteiligten Mitarbeitenden ihr Verständnis für die komplexen Zusammenhänge zwischen ethischen und ökonomischen Standards. Sie verstehen das Ursache-Wirkungs-Gefüge zwischen den ethisch orientierten Aktivitäten und den Ergebnissen in der eigenen Organisation und sind dadurch in der Lage, Situationen, Informationen und Inhalte besser abzuschätzen und Entscheidungen fundierter zu fällen. Das Know-how für die Anwendung und Implementierung des Modells kann sich die Führung mit einem geringen Ausbildungsaufwand aneignen. Das Modell ist so aufgebaut, dass das Verständnis durch die praktische Anwendung systematisch weiterentwickelt wird.

Die Elemente des Modells

Das Swiss Ethics Model umfasst die folgenden drei Elemente: die «Ethischen Erfolgsfaktoren» auf der strategischen Ebene, das «Umsetzungsmodell» als Ursache-Wirkungs-Gefüge auf der operativen Ebene und das «Ethik-Assessment» zur Bewertung.

Die «Ethischen Erfolgsfaktoren»

Das Modell umfasst sechs Erfolgsfaktoren (Abbildung 1). Diese definieren, was im Hinblick auf die ethische Performance in einer Organisation relevant ist. Sie können als strategische Schwerpunkte verstanden werden, auf denen ethisch ge­sehen nachhaltiger Erfolg basiert. Im Hinblick auf die Implementierung ihrer Ethikstrategie können Organisationsverantwortliche diese priorisieren. In Verbindung mit der Umsetzungs-Matrix können Massnahmen definiert werden, welche es erlauben, die Erfolgsfaktoren in der Organisation umzusetzen. Das Umsetzungsmodell (Abbildung 2) bildet die Grundstruktur, die zur systematischen Umsetzung der Erfolgsfaktoren dient. Die sechs Erfolgsfaktoren sind in drei Untergruppen gegliedert:

  • relevante Akteure: Führungsverantwortliche und Mitarbeitende
  • ethische Dimensionen: Interessen der Stakeholder, Nachhaltigkeit
  • organisatorische Dimensionen: systemische Entwicklung und ausgewogene Ergebnisse

Das Umsetzungsmodell

Das Umsetzungsmodell bildet die Grundstruktur, die zur systematischen Umsetzung der Erfolgsfaktoren dient. Dabei ist das Umsetzungsmodell ein Ursache-Wirkungs-Gefüge und zeigt den Zusammenhang zwischen Aktivitäten und Ergebnissen auf. Es umfasst je vier Handlungsfelder und Ergebnisbereiche.

Das Bewertungssystem – Ethik-Assessment

Das Ethik-Assessment bietet Organisationen die Möglichkeit, ihre Unternehmensqualität im Sinne von Ethical Excellence zu messen und sich mit anderen Organisationen zu vergleichen (Benchmarking). Dabei werden sämtliche Leistungen einer Organisation im Hinblick auf ethische Aspekte systematisch analysiert und beurteilt. Das Assessment hilft beim Verständnis sowie bei der Einrichtung von Regelkreisen und Lernspiralen.

Anwendung

Das Swiss Ethics Model dient grundsätzlich als Instrument zur Sensibilisierung der Führungskräfte und der Mitarbeitenden, als Leitfaden zur Umsetzung sowie als Ethik-Assessment. Das Modell liefert die Grundlage, um auf den verschiedenen Hierarchiestufen der Organisation Schwerpunkte im Bereich der Ethik zu diskutieren und damit alle Beteiligten für das Thema zu sensibilisieren. Im Zentrum solcher Diskurse oder Workshops steht jeweils das Verständnis für die ganzheitliche Unternehmensführung sowie für das Ursache-Wirkungs-Gefüge von nachhaltigem Erfolg in einer Organisation, in einer Volkswirtschaft und in der globalen Wirtschaft.

Implementierung

Das Swiss Ethics Model stellt ein Führungsinstrument dar, mit dem die ethische Performance einer Organisation entwickelt, gesteuert und gemessen werden kann. Dabei werden auf der Basis der Strategie in einem ersten Schritt die Prioritäten in den «Ethischen Erfolgsfaktoren» identifiziert und festgelegt. Die «Ethischen Erfolgsfaktoren» liegen konzeptionell näher bei der Strategie und haben deshalb in Bezug auf das «Umsetzungsmodell» tendenziell normativen Charakter. Anschliessend werden über eine Matrix, die die Verbindung zwischen den «Ethischen Erfolgsfaktoren» und dem «Umsetzungsmodell» darstellt, die Handlungsfelder, Projekte und Massnahmen definiert. Damit ist sichergestellt, dass die eingeleiteten Massnahmen in Einklang mit der gewählten Ethikstrategie stehen.

Assessment

Das Ethik-Assessment dient zur Bewertung der Performance einer Organisation und für den Vergleich mit anderen Organisationen (Benchmarking). Als Basis wird das «Umsetzungsmodell» verwendet. Die Bewertung der Handlungsfelder erfolgt nach der erprobten Methode des PDCA-Zyklus und deckt damit die Forderung nach kontinuierlicher Verbesserung ab. Die Ergebnisse und Erkenntnisse können über eine Matrix in die «Ethischen Erfolgsfaktoren» überführt werden. Der grösste Nutzen für eine Organisation entsteht, wenn die Analysen in Form von Self-Assessments bzw. begleiteten Self-Assessments durchgeführt werden.

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