Strategie & Management

Best Practice: Nachhaltigkeitsbericht

«Was zählt sind Fakten, nicht schöne Worte»

Thomas Glatz ist ein Mann vom Fach. Und er ist Unternehmer wie seine Kollegen in der Bäcker- und Konditorbranche auch. Aber er macht viele Dinge anders, betritt ständig Neuland. So sind Umweltschutz und Energiesparmassnahmen zentrale Bestandteile seines Erfolgs geworden, nachprüfbar in einem originellen Nachhaltigkeitsbericht.
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Unternehmer Thomas Glatz kommuniziert sein Denken und Handeln gezielt nach innen und aussen. Glanzpunkt ist sein Nachhaltigkeitsbericht. Dort steht alles drin, was man über sein Unternehmen wissen soll. Aufgemacht im leichtfüssigen Facebook-Stil, wird das Unternehmen «Glatz» transparent dargestellt. Der Leser begreift, was das Unternehmen macht und kommt da und dort vielleicht selber zum Nachdenken über die eigene Haltung in Umweltfragen. Besonders wichtig: Der Nachhaltigkeitsbericht hat Hand und Fuss; sein Inhalt basiert auf nachprüfbaren Fakten.

Die Kernthemen

Wesentlichkeitsanalyse, Stakeholder-Dialog und Transparenz: Das sind die drei Kernthemen des Nachhaltigkeitsberichts. Beck Glatz ist die erste Bäckerei und Konditorei im Netzwerk mit einem solchen Dokument. Sein Engagement gibt Glatz recht. Die Bereiche Umweltschutz und Energiesparmassnahmen sind zentrale Bestandteile seines Erfolgs. Seit der Einführung der Nachhaltigkeitsbemühungen hat sich die Kundenzufriedenheit kontinuierlich gesteigert. Das Angebot wurde vielseitiger und attraktiver, und die Kosten konnten deutlich gesenkt werden. Und, nicht zuletzt: Wer bei Glatz an der Theke steht, kauft nicht nur Qualität – eine grosse Portion gutes Gewissen gibt es gratis dazu.

In der Tat: Mit seinem Nachhaltigkeitsbericht ist der Berner Unternehmer ein Vorreiter nicht nur der eigenen Branche. Die folgenden Auszüge aus dem Bericht belegen sein Handeln.

Qualitätsstandards

Gesunde Produkte sind die oberste Maxime von Glatz. Deshalb wird umweltfreundlich und mit sozialem Engagement produziert. Neben dem Qualitätsmanagement (ISO 9001), der Arbeitssicherheit und dem Gesundheitsschutz (ISO 18001) werden insbesondere Massnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz (ISO 14001) aufgegleist. Beispielsweise möglichst regionale, biologisch produzierte und nicht tiefgekühlte Produkte verarbeitet. Damit werden erhebliche Mengen Produktions- und Transportenergie, sogenannte «graue Energie», eingespart. Glatz’ «Stars», die Mandelbärli, sind die stillen Botschafter dieser Philosophie.

Ökonomie mit Ökologie

Wirtschaftlicher Erfolg kann durchaus mit Engagement im Umweltschutz und der Übernahme sozialer Verantwortung einhergehen. Aus diesem Grund wurde Thomas Glatz mit dem «Nachhaltigkeitspreis für KMU 2011» der Zürcher Kantonalbank und mit einer Anerkennungsurkunde beim «Zürich Klimapreis Schweiz und Liechtenstein 2012» ausgezeichnet. Durch die geringen Emissionen dank Fernwärme, Elektromobilität, Erd- und Flüssiggasfahrzeugen ist die Klimaneutralität eine logische und sinnvolle Ergänzung des nachhaltig ausgerichteten Unternehmens.

Hoher Energiebedarf fordert die Kreativität

Im Bäckerei- und Konditoreigewerbe ist der Energiebedarf sehr hoch. Glatz stellt täglich über 300 verschiedene Produkte her. Um die CO²-Emissionen tief zu halten, bezieht Glatz seit 2008 Energie aus Wasserkraftwerken. Durch den Einsatz von regionalen und biologischen Produkten und den Verzicht auf tiefgekühlte Waren wird der Verbrauch an grauer Energie immer weiter reduziert. Nicht erst seit dem Gewinn des Berner Energiepreises 2009 ist die energie- und umweltbewusste Geschäftsphilosophie offiziell bestätigt. Um die CO²-Emissionen weiter zu senken, besteht die Firmenflotte aus Fahrzeugen mit Elektro- und Biogasantrieben. Und bei Verpackungen wird auf kompostierbares Material wie PLA (Polyactid-Kunststoff) oder Bambus geachtet und konsequent auf Plastiktüten verzichtet.

«Wasser macht den Ofen heiss»

In vielen Betrieben werden fossile Brennstoffe als Energielieferanten genutzt. Bei Glatz ist das anders: Abgesehen von den Transportfahrzeugen wird primär elektrische Energie verwendet. Diese wird zu 100 Prozent aus Wasserkraft, die neben Fotovoltaik und Windkraft die tiefste CO²-Be­lastung aufweist, gewonnen. Der Stromverbrauch wird kontinuierlich optimiert und ist in den letzten Jahren markant gesunken. Im 2013 wurde erstmals in der 150-jährigen Unternehmensgeschichte trotz höherem Umsatz weniger Strom und Fernwärme bezogen. Dies wurde dank dem Einbau einer Wärmerückgewinnung in der Backofenabluft möglich. Alleine im Jahr 2013 wurden so über 14 500 Kilogramm CO² eingespart.

CO²-neutral durch myclimate-Kompensation

Um die CO²-Belastung zu reduzieren, hat Glatz im Jahr 2013 einen Beitrag zum freiwilligen Klimaschutz geleistet, indem die verbleibenden 66 273 Kilogramm CO² durch «myclimate»-Klimaschutzprojekte kompensiert wurden. Das Unternehmen wurde deshalb mit der Urkunde «Klimaneutrales Unternehmen 2013» ausgezeichnet. Noch in diesem Jahr wird Glatz auf Elektrolieferwagen umsteigen, um komplett unabhängig von den fossilen Brennstoffen zu werden. Thomas Glatz ergänzt: «Wir werden auch in Zukunft Energie benötigen, haben jedoch die Möglichkeit, Energie zu sparen. Dies wird erreicht, indem wir den Energieaufwand pro Produktionsertrag verringern und bestehende Energieträger ersetzen. Dabei satteln wir von CO²-intensiven auf weniger CO²-intensive Energien um, zum Beispiel von Diesel auf Gas, von Gas auf Elektrizität und von Pumpspeicherstrom aus Wasserkraft auf Solarstrom.»

Biologische Nahrungsmittel

Gesundes Essen ist wichtig. Glatz ist vom Wert biologisch hergestellter Nahrungsmittel überzeugt, weil im biologischen Pflanzenbau auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel verzichtet wird. Die Bioprodukte werden durch die staatlich anerkannte Zertifizierungsstelle «bio.inspecta» überwacht und zertifiziert. Die Produkte von Glatz werden saisongerecht produziert und über möglichst kurze Strecken transportiert. Dieser Bezug zur natürlichen Verfügbarkeit von Lebensmitteln und die regionale Verankerung sind ein wichtiger kultureller und umweltbewusster Beitrag. Deshalb: Bei Glatz gibt es keine Erdbeeren zu Weihnachten.

Produkte transparent deklariert

Die Rückverfolgbarkeit der Lebensmittel im Sortiment als auch die transparente Deklaration spielen eine wichtige Rolle. Die entsprechenden Deklarationen werden aus diesem Grund in den Läden aufgelegt oder direkt auf der Verpackung angebracht. Neu umschliessen die Salatverpackungen Manschetten mit informativen Piktogrammen.

«Bike to work»

Um nachhaltiger zu werden, gilt es, alte Gewohnheiten zu ändern. Wenn dadurch Gewinne für alle entstehen, erreichen wir diese Verhaltensänderung. Ein Beispiel dafür ist die Teilnahme der 122 Mitarbeitenden an der Aktion «Bike to work». Durch 11 588 Kilometer per Fahrrad statt Auto konnten im Berichtsjahr 2012 weitere 1854 Kilogramm CO² eingespart werden, und pro zurückgelegten Kilometer erhielten die Mitarbeitenden zusätzlich einen Franken zum Lohn ausbezahlt.

Umweltstrategie umgesetzt

Thomas Glatz setzt seine Mission fort. Für ihn zählen Fakten, nicht schöne Worte. Er sagt: «Mit der Strategie, Umweltmassnahmen konsequent umzusetzen, wollen wir zeigen, dass unser Betrieb gerade deshalb wirtschaftlich gesund bleibt, weil wir uns in weiten Bereichen nach den Kriterien des Umweltschutzes ausrichten. Was wir machen, sind vielleicht kleine Schritte, aber wir glauben an deren Wirkung in einer lebenswerten Zukunft.»

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