Strategie & Management

Aus- und Weiterbildung III

Was ein MBA-Studium leisten sollte

Im Fokus eines praxisorientierten MBA-Studiums stehen die Vermittlung des betriebswirtschaftlichen Basiswissens und die Entwicklung der Persönlichkeit. Was die Teilnehmer des berufsbegleitenden Studiums erwarten dürfen und welche Qualitätsmerkmale Anbieter nachweisen sollten, zeigt dieser Beitrag.
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Als 1902 an der renommierten Tuck School of Business der Urvater der heutigen MBA-Programme aus der Taufe gehoben wurde, war nicht abzusehen, dass dieses Studium den Globus und die Top-Etagen der Wirtschaft erobern würde. Es lag wohl daran, dass der MBA eine passende Antwort auf die Bedürfnisse der Zeit war. Die Idee, die hinter dem MBA-Studium war und ist bestechend einfach: Fundiertes Managementwissen all denjenigen berufsbegleitend anzubieten, welche einen Hochschulabschluss in einer anderen Disziplin abgeschlossen haben. Denn ohne die grundlegenden betriebswirtschaftlichen Kenntnisse sind der Managementkarriere heute wie damals Grenzen gesetzt.

Wandel durch Globalisierung

Wie vor hundert Jahren vermittelt ein gutes MBA-Programm Wissen für alle Schlüsselpositionen eines Unternehmens, wie zum Beispiel Finanz- und Rechnungswesen, Marketing und Personalführung. Damals wie heute muss, wer einen MBA absolvieren möchte, über Berufserfahrung verfügen und berufsbegleitend studieren. Die MBA-Studierenden lernen von den Erfahrungen und dem Wissen der Dozierenden, aber auch von den berufserfahrenen Mitstudierenden. Eine ideale Voraussetzung, um sich für eine Managementkarriere praxisnah zu rüsten. In einem solchen Setting gelingt es leichter, das Gelernte umgehend im organisatorischen Alltag der MBA-Studierenden nutzstiftend einzubringen.

Trotz den Gemeinsamkeiten mit dem Ur-MBA hat sich das MBA-Studium inhaltlich mit den Bedürfnissen der Wirtschaft gewandelt. Waren MBA-Studiengänge bis in die 1980er-Jahre hinein Programme, die beispielsweise Ingenieuren die «Tipps und Tricks» der Betriebswirtschaftslehre näherbrachten, haben die Globalisierung, die diversen Wirtschafts- und Finanzkrisen und die gestiegenen Ansprüche der Stakeholder einen grundlegenden Wandel ausgelöst.

Eine MBA-Weiterbildung muss heute sehr viel mehr bieten als einfaches Rezeptwissen. Zum Beispiel hat die Finanzkrise Fragen aufkommen lassen bezüglich der Führungsqualitäten im Allgemeinen und der Sozialkompetenz der Topmanager im Besonderen. Klar ist, dass gute Unternehmensführung nicht mehr nur im steigenden Shareholder Value gemessen werden kann. Und zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass nachhaltig denkende Führungskräfte, die Bereitschaft zeigen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, von zentraler Bedeutung für den langfristigen Unternehmenserfolg sind.

Nicht nur Hard Facts zählen

Bei einem modernen, praxisorientierten MBA-Studium geht es deshalb neben der nach wie vor wichtigen Vermittlung des betriebswirtschaftlichen Basiswissens um die Entwicklung der Persönlichkeit der Teilnehmenden. Das heisst, neben den wirtschaftlichen Hard Facts muss ein MBA-Studium «Werte» vermitteln und die Problemlösungskompetenzen stärken. Studierende hinterfragen im gezielten Wissensaustausch nicht nur die betriebswirtschaftliche, sondern auch die gesellschaftliche Relevanz bis hin zum gesellschaftlichen Nutzen spezifischer Entscheidungen im Kontext des Gelernten. Ein zeitgemäs­ses MBA-Studium hat nicht das primäre Ziel, dass die Absolventen alle betriebswirtschaftlichen Fragen beantworten können. Vielmehr geht es darum, dass das Studium befähigt, die richtigen Fragen zu stellen, um die richtigen Antworten von Fachexperten zu erhalten und deren Relevanz zu bewerten. Sie sind in der Lage, Situationen aus verschiedenen Perspektiven kritisch zu hinterfragen und aus ihren Entscheidungen zu lernen. Kurz gesagt, war ein MBA-Studium viele Jahrzehnte nur ein angesehenes Vehikel, um Nichtökonomen betriebswirtschaftliche Zusammenhänge klarzumachen, so hat ein MBA heute den Anspruch, Führungskräfte weiterzubilden und Persönlich­keiten zu entwickeln, welche unternehmerische Entscheidungen aus einer Gesamtverantwortung heraus treffen können. Gelingt dies, so wird ein MBA nicht nur den Karriereerwartungen der Teilnehmenden, sondern auch der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft gerecht.

Die Qual der Wahl

Natürlich stellt sich die Frage, wie sich der hier formulierte Anspruch realisieren lässt. Ein Problem der Gegenwart ist, dass es MBA- sowie EMBA-Programme sprichwörtlich «wie Sand am mehr» gibt. Für einen Interessenten gilt es demnach, das «richtige» Programm auszuwählen. Und darin liegt die Herausforderung. Im Zuge diverser Bildungsreformen ist die «Modularität» en vogue. Dies bedeutet, dass ein MBA-Studium beziehungsweise ein betriebswirtschaftliches MAS-Weiter­bildungsstu­dium (zum Beispiel Master of Advanced Studies einer Schweizer Hochschule) modular durch eine Kombination von einzelnen Zertifikaten bewerkstelligt werden kann.

Studierende solcher Zertifikate sind dann nur während einer bestimmten Dauer – meist wenige Monate oder Wochen – in einem Lernverband eingebunden. Lernen durch Wissensaustausch, Reflexion der eigenen Position durch gemeinsame Diskurse und Hinterfragen von Erlerntem durch die Gegenüberstellung von anderen Erfahrungswelten stellt jedoch bestimmte Bedingungen an einen erfolg reichen Lehr- und Lernkontext. Dazu braucht es unter anderem offene und kommunikative Lernsettings, in welchen die Studierenden vertrauensvoll Erfahrungen austauschen können. Lernende können diesen Kontext des gegen­seitigen Vertrauens kaum herstellen, wenn sie sich alle paar Wochen in einem anderen Lernumfeld mit jeweils anderen Studierenden wiederfinden. Ein solides MBA-Studium ist mehr als die Summe seiner Kurse. Ein nutzstiftendes Studium, das von der Ein- und auch Hingabe seiner Teilnehmenden und der Dozierenden lebt und atmet, braucht Raum und Zeit. Scheinbar moderne und effiziente «Mini»-MBA-Programme, die oft wenige Monate dauern, können diesen Anspruch rein strukturell kaum erfüllen. Nachfolgendes Beispiel zeigt, wie ein MBA-Studium diesen Rahmen schaffen und die gewünschte Kompetenz- und Persönlichkeitsentwicklung geschehen kann.

Beispiel MBA Luzern

Ein Programm, das sich diesem Anspruch verschrieben hat, ist der MBA Luzern. Der Tradition folgend, richtet sich der MBA Luzern an berufserfahrene Nichtöko­nomen, etwa an Ingenieure, Juristen, Ärzte oder Architekten, die im mittleren Management wirken und verantwortlich führen wollen. Das Programm existiert seit 35 Jahren und war zu seiner Gründung als NDS-U (Nachdiplomstudiengang Unternehmensführung) ein Pionier in der Schweizer Managementweiterbildung. Damals wie heute sind die Teilnehmenden durchschnittlich 35 Jahre alt und erwarten vom Studium die Möglichkeit für einen Karrieresprung. Aus dem ehemaligen NDS-U hat sich mittlerweile der MBA Luzern entpuppt. Mit nun über 2000 Absolventen und Absol­ven­tinnen verfügt dieses MBA-Studium auch über eine entsprechend grosse Bekanntheit in der Praxis. Tradition steht na­türlich nicht automatisch für Qualität, schützt aber die Teilnehmenden davor, einem opportu­nistisch aufgesetzten Schnellstudium mit kurzer Halbwertszeit zu vertrauen.

Erprobter Praxistransfer

Der wirtschaftliche Wandel hat auch den MBA Luzern erfasst. Doch das MBA-Studium ist nach wie vor ein geschlossenes Programm, das sich Modularisierungstendenzen widersetzt sowie im Rahmen der Dauer von knapp zwei Jahren das Thema Führung, Verantwortung und Persönlichkeitsentwicklung in den Mittelpunkt stellt. MBA-Luzern-Studierende werden von Beginn des Studiums angehalten, den Praxistransfer des Erlernten zu proben und – was noch viel wichtiger ist – zu reflektieren und die Ergebnisse dieses Reflexionsprozesses untereinander auszutauschen. Ziel ist es, die Grenzen der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre erfahrbar zu machen und zu kritischen Fragen und Hinterfragen anzuregen.

Im obligatorischen Auslandsstudienaufenthalt, zum Beispiel bei einer Partnerhochschule in Vancouver, Bangkok oder Nottingham, werden soziale und interkulturelle Muster hinterfragt. Hier zeigt sich, dass die Wirksamkeit von Mana­gement und Managementwerkzeugen kulturabhängig ist. Flankierende Case Studies und Unternehmenssimulationen konfrontieren die Teilnehmenden mit ihren eigenen Erwartungen und denen anderer Anspruchsgruppen. Im Rahmen des Studiums werden mehrere aufeinander aufbauende praxisorientierte, wissenschaftliche Arbeiten verfasst, die die Teilnehmenden befähigen, Managementwerkzeuge fundiert zu hinterfragen und an den eigenen organisatorischen Kontext anzupassen.

Das Konzept des MBA Luzern beherzigt die Kritik von Henry Mintzberg, welcher zu Recht kritisiert, dass viele MBA-Programme die Teilnehmenden lediglich trainieren, die eigenen Vorteile zu nutzen ohne ganzheitliche Zusammenhänge sowie auch die soziale Verantwortung bei Managemententscheidungen zu berück­sichtigen. Der MBA Luzern will die MBA-Karriere einem breiten Spektrum von
Berufsgruppen zugänglich machen – auch und gerade Führungskräften in kleinen sowie mittelgrossen Unternehmen. Der Anspruch an Führungskräfte geht über reines Gewinnstreben und Optimierung von Gewinnmargen hinaus. KMU-Entscheider müssen nahe bei den Menschen bzw. Mitarbeitenden «wirtschaften». Diese Erkenntnis ist ein fester Bestandteil des MBA Luzern und des Executive MBA Luzern. In beiden Studiengängen liegt der Fokus auf stufengerechter Vermittlung von Hard Facts und Soft Skills zur Persönlichkeitsentwicklung.

Qualitätsmerkmale

Hier taucht nun eine neue Frage auf: Was unterscheidet einen MBA von einem Executive MBA? Kurz gesagt die Erfahrungen, Erwartungen und Ansprüche der Teilnehmenden machen den Profilunterschied aus. Executives haben klassischerweise bereits mehrjährige Erfahrungen im Rahmen einer Führungsposition und verfügen schon über betriebswirtschaftliches Grundlagenwissen in Theorie und Praxis. Im Verbund kombiniert, stellen MBA Luzern und EMBA Luzern ein zweistufiges Programm zur Karrierebegleitung dar, welches sich an der Philosophie des lebenslangen Lernens orientiert.

Stellt sich noch die Frage, was sind MBA-und Executive-MBA-Abschlüsse in der Praxis tatsächliche wert? Letztlich sind die Titel nur so viel wert wie die sie ver­gebenden Institutionen. Die Philosophie des Programms sowie die der titelver­gebenden Hochschule entscheiden. Um beim hier aufgeführten Beispiel zu bleiben, der Executive MBA Luzern wie auch der MBA Luzern sind akkreditierte Degree-Programme. Aber nicht nur eine Akkreditierung bürgt für Qualität, sondern auch die Institution.

Die Hochschule Luzern Wirtschaft verfügt traditionsgemäss über einen exzellenten regionalen, nationalen und zunehmend auch internationalen Ruf. Dazu trägt unter anderem bei, dass sich die Hochschule Luzern konsequent dem international anerkannten Modell der European Foundation for Quality Management EFQM verpflichtet. Sie hat mittlerweile die höchste EFQM-Anerkennungsstufe erreicht und wurde mit «Recognised for Excellence – 4 Star» ausgezeichnet. Aktuell breiten sich die Hochschule Luzern Wirtschaft und ihre Degree-Studiengänge auf den strengen Akkreditierungsprozess der AACSB vor.

Allen hier beschriebenen Qualitätsmerkmalen zum Trotz, zukünftige Studierende eines MBA- oder Executive-MBA-Studiums kommen nicht darum herum, sich selber die Frage zu stellen, was sie von einem MBA- oder EMBA-Studium erwarten. Dann gilt es, die Erwartungshaltung mit dem Angebot zu vergleichen und eine kluge Wahl zu treffen.

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