Strategie & Management

Kundenbeziehungen

Warum virtuelle Interaktion persönlichen Kontakt nicht ersetzt

Online-Marktplätze haben einen zunehmend grösseren Raum eingenommen und Präsenzmärkte, wie Messen, verdrängt. Dennoch schätzen viele Wirtschaftsvertreter nach wie vor das persönliche Gespräch. Denn Geschäftsentscheidungen oder -anbahnungen entstehen hauptsächlich auf Basis des persönlichen Kennenlernens.
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Die aktuelle Pandemiesituation und die damit verbundenen Einschränkungen auch in der Wirtschaftswelt haben wie ein Turbo für technologische Entwicklungen gewirkt, die virtuellen Bestrebungen priorisiert und dabei auch deren Schwächen offengelegt. Neben den technolo­gischen Schwächen muss indes auch der Faktor Mensch einbezogen werden. Die ausgeklügeltste Technik und die modernste Software helfen nicht, wenn man den Menschen nicht mitnimmt. Und der hat ja bekanntlich seine eigenen Erfahrungen und Vorlieben und macht folglich bei Innovationen in seinem Tempo und basierend auf seinen Erfahrungen mit. 

Flexibilität und Anpassung

KMU stehen da in einer besonderen Tradition, denn als kleinere und agilere Einheiten im Vergleich zu Grosskonzernen haben sie zwar zumeist weniger Budgets zur Verfügung, aber dafür machen sie dies mit Innovation, Schnelligkeit in der Entscheidung und Umsetzung leicht wett. Die Mehrheit der KMU steht wohl kaum als Paradebeispiel für Digitalisierung von Prozessen, Geschäftstätigkeiten oder gar ganzer Marktplätze. In der Ablauffolge von der Erkenntnis bis hin zur Umsetzung haben sie aber entscheidende Vorteile aufzuweisen: Flexibilität und Anpassung.

Natürlich ist die nach wie vor empfohlene Homeoffice-Arbeitsweise nicht für alle Unternehmen kleinerer und mittlerer Grösse leicht umzusetzen, in gewissen Branchen ist sie ohnehin undenkbar. Homeoffice birgt Gefahren der Ineffizienz und der Optimierungsdrang durch Teamprozesse kann verloren gehen. Auf der anderen Seite sind die gleichen Unternehmen und ihre oft inhabergeführten Strukturen in der Lage, eben daraus auch in der Folgephase wieder positive Effekte zu erzielen, indem die Situation dazu genutzt wurde, verstärkt auf die Mitarbeitenden einzugehen und gerade hier den Wunsch nach Flexibilität in der Wahl des Arbeitsortes und der -zeiten zu nutzen.

Virtuell versus physisch

Durch den Wegfall des physischen Marktplatzes, in verstärktem Masse bedingt durch die staatlichen Verbote, sind auch KMU auf die Nutzung der virtuellen Angebote angewiesen. Glücklicherweise bieten da Firmen entsprechende Angebote, die weltweit zum Einsatz kommen können und somit die Geschäftstätig­keiten – zwar oft nur auf einem Minimum – aufrechterhalten. Studien belegen denn auch den Sinn und analysieren die Herausforderungen dieser technischen Hilfsmittel (zum Beispiel Zoom-Fatigue-Effekt, Arbeitszeitkontrollverlust etc.).

Dazu kommt, dass viele Strukturen der kleinen und mittleren Unternehmen, die ja durchaus zum Teil weltweit operieren und in ihren Segmenten zu den Markt­führern und «hidden champions» zählen, auf den persönlichen Kontakt in den Geschäftsprozessen angewiesen sind und so auch ihre kurzen und schnellen Entscheidungswege wie auch ihre Anpassungs­fähigkeit unter Beweis stellen. Das Zuhören in den Geschäftsanbahnungen und das Verständnis des Gegenübers ist essenziell für erfolgreiche Umsetzungen. Aber ein virtueller Austausch ist eben nicht das Gleiche wie ein persönlich geführtes Vier-Augen-Gespräch.

Und in gleichem Masse, wie sich schon vor der Pandemie Messen eben nicht mehr als effizienter Ort des Netzwerkens angeboten haben (mit wenigen Ausnahmen, wie zum Beispiel Neuheiten-Messen, Ordermessen etc.) – weil zu teuer, zu ineffizient – steigt heute wieder der Wunsch nach persönlichem Vernetzen und Austausch.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Doch die Veranstaltungsbranche hat dies noch nicht ganz akzeptiert. Viele halten noch an alten Konzepten fest und erleben nun im Strudel der aktuellen Situation eine tiefgreifende Krise. Messen im althergebrachten Sinne haben zum grössten Teil an Bedeutung verloren und in der Schweiz konnte man den Niedergang der grossen Messen am Rande der Pandemie ja vielerorts verfolgen, ebenso wie das Ringen um neue und relevante Inter­pretationen. Was letztlich zur Planungsannahme führte, dass eben diese Formate wie Phönix aus der Asche neu belebt werden könnten. Das hat nicht funktioniert. Aber auch klassische Konferenzen mit «Frontalunterricht» und sogenannten «Networking-Pausen» sind nicht effizient und zielgerichtet. Denn die reine Wissensvermittlung lässt sich eben leicht auch virtuell anbieten und transportieren.

Nachhaltig erfolgreich werden solche Angebote und Formate bleiben, die sich ganz eng an den Bedürfnissen der Teilnehmenden orientieren. Das bedeutet, von der Planung bis zur Umsetzung alles entlang diesen Bedürfnissen auszurichten. Das umfasst die inhaltliche Vermittlung von Wissen auf hohem Niveau, die Vernetzung der Protagonisten des Marktplatzes (Käufer und Verkäufer) basierend auf deren Prioritäten, Wünschen und Bedürfnissen auf Basis vorhergehender detaillierter Recherchen (Profile) und der Intimität der Abgeschlossenheit in einem geschützten Rahmen und der Exklusivität. 

Individualisierung durch IT

IT-Systeme bieten hier nicht nur im Vorfeld, sondern auch vor Ort an solchen Veranstaltungen sehr viele Möglichkeiten: Die Abfrage von individuellen Wünschen und Prioritäten, Interessen und Desinteressen bietet die Möglichkeit, in kondensierter Form ein 1,5 Tage dauerndes In­dividual-Programm für jeden einzelnen Teilnehmenden zu erstellen und so ein Höchstmass an Effizienz zu garantieren. Schon die Planungen im Vorfeld orientieren sich an den Bedürfnissen, die individuell abgefragt und erfasst werden. 

Am Ende sitzt niemand in einer Konferenz, die nicht interessiert, man trifft nur diejenigen zu einem Austausch, die man wirklich sehen will, und man speist mit Gleichgesinnten und Interessierten abwechslungsweise am Tisch. Dennoch bleibt Raum für das freie Netzwerken und zufällige Begegnungen. Der exklusive Rahmen bietet da viele Möglichkeiten. Gerade KMU schätzen diese Art des kosteneffizienten Marktzutritts – eben wegen der gezielten und nachhaltig respektvollen Prozesse in der Geschäftsanbahnung und Umsetzung.

Externe Impulse notwendig

Die globale Pandemie hat vieles offen­gelegt. So geht es in der Geschäftswelt für viele ums nackte Überleben, und allein diese Tatsache zwingt zum Handeln und zur Weiterentwicklung.

Auf Dauer ist die staatliche Subvention nicht hilfreich und kein Ersatz für marktwirtschaftliche Aktivitäten. Besonders in dieser Situation muss weiter die Markttransparenz sichergestellt werden, man braucht Marktzugang und externe Impulse zur Veränderung, man muss die Möglichkeit haben, neue Technologie- oder Service-Angebote zu sichten und zu evaluieren. Der Austausch einerseits mit anderen Branchenvertretern, andererseits aber auch mit innovativen oder neuen qualifizierten Lösungsanbietern kann hier einen entscheidenden, über­lebensnotwendigen Mehrwert bringen. Nur so kann man neue Dinge sehen, verstehen und nachvollziehen und damit für den eigenen Bedarf und Einsatz bewerten.

Markttransparenz hat sich schon immer im Zusammenspiel von Anbieter und Nachfrager entwickelt und hier bilden KMU einen entscheidenden Faktor von Marktwirtschaften vieler Länder und stellen das Rückgrat wie auch den Motor der Volkswirtschaften.

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