Starke Marken gibt es nicht ausschliesslich in der Konsumgüterwelt. Ganz im Gegenteil: Insbesondere Technologieunternehmen in der B2B-Welt schaffen immer mehr Marken par excellence. Doch worauf kommt es an?
Viele Antworten und Erkenntnisse stammen aus meiner Zeit im Vertrieb eines weltweit führenden Technologieunternehmens aus der B2B-Welt. Als ich dort arbeitete, war mir nicht bewusst, dass es sich bei diesem Unternehmen um ein Markenunternehmen im besten Sinne des Wortes handelte. Kunden und Lieferanten sprachen von einer besonderen Aura des Unternehmens, seiner Mitarbeitenden, der Gebäude, der Messestände oder seiner Showrooms.
Marke als Chance entdeckt
Sie meinten jene Art der Anziehungskraft einer Marke, die sich für gewöhnlich nur schwer durch Marktforschung ergründen lässt und der sich auch die professionellen Einkäuferinnen und Einkäufer nicht entziehen können. Die Einkäufer sprachen bei diesem Phänomen aber nie über Markenattraktivität des Lieferanten. Sie sprachen viel eher vom guten Ruf oder von ihrem guten Gefühl bei der Einkaufsentscheidung und der Vertrauenswürdigkeit eben jenes Lieferanten. Aber am Ende umschreiben sie die Wirkung einer starken Marke.
Wie bei diesem Beispiel ist bei so manchem ingenieursgetriebenen Technologieunternehmen das Bewusstsein für das Markenmanagement aufgekeimt. Viele Unternehmer, Vertriebs- und Marketingleiter haben im Thema Marke eine Chance entdeckt. Sie haben erkannt, dass sie nicht mehr ausschliesslich auf das Verkaufen von Datenblättern oder puren Produktfunktionen setzen, sondern das Vertrauen der Kunden aktiv managen müssen, um bessere Verkäufe zu generieren. Orientierung suchende Blicke in Richtung der Konsumgüterwelt verursachten eher Irritationen bei den Verantwortlichen. Denn da ist es an der Tagesordnung, dass Versprechen abgegeben werden, die nicht auf realen Leistungen basieren.
B2B-Welt versus B2C-Welt
Führt man sich einige Unterschiede zwischen der B2B- und der B2C-Welt vor Augen, wird deutlich, weshalb oberflächlicher Zauber und Werbehokuspokus bei B2B-Unternehmen und insbesondere bei Technologiemarken nicht funktionieren. Und weshalb es für innovative, technologiegetriebene Unternehmen, die Exzellentes herstellen, unabdingbar geworden ist, Marken zu entwickeln, damit diese Leistungen überhaupt wahrgenommen werden.
Professionelle Einkäufer versus Konsumenten
Kunden von B2B- oder Technologieunternehmen sind professionelle Einkäufer, die hohe Investitionen und damit hohe Risiken eingehen. Endverbraucher kaufen in der Regel ein Produkt nur für sich selbst. Professionelle Einkäufer dagegen verkaufen die gekaufte Leistung in irgendeiner Form weiter. Es ist daher naheliegend, dass sie sich beim Kauf ganz sicher sein wollen. Sie benötigen Gewissheit darüber, dass das Produkt von höchster Qualität ist und sie kein Risiko eingehen. Denn ein Produkt mit einem Mangel hat schnell weitreichende Konsequenzen. So kann beispielsweise eine Lieferung von fehlerhaften Bauteilen an ein Unternehmen in der Automobilbranche eine ganze Produktion lahmlegen.
Kauft hingegen eine Privatperson einen Turnschuh, dessen Sohle sich innerhalb kurzer Zeit ablöst, mag sich diese Person darüber ärgern; der Schaden jedoch hält sich in Grenzen. Die repräsentative Studie, welche die Managementberatung Brand Trust vor einigen Jahren unter professionellen Verkäufern und Einkäufern in den Branchen Maschinenbau, Chemie und Automobilzulieferindustrie durchgeführt hat («B2B-Marken in der Praxis», 2009), bestätigt dieses Bedürfnis nach Sicherheit: Auf die Frage nach den kaufentscheidenden Kriterien beim Kauf von B2B-Markenprodukten wurden von den Einkäufern jene hervorgehoben, welche die Sicherheit für den Einkäufer erhöhen.
