Neulich klagte der Geschäftsführer eines KMU sein Leid: «Obwohl wir vor drei Jahren eine Unternehmensstrategie erarbeitet hatten, ist bisher nur wenig davon umgesetzt. Sie ist auch bei den Mitarbeitern nicht wirklich angekommen. Und eine unserer Führungskräfte sagte erst kürzlich am Schluss eines Strategiemeetings: ‹So, jetzt können wir endlich wieder arbeiten – von Strategie werden wir nämlich nicht satt!›»
Fehlende Alltagsrelevanz
Ein wesentlicher Grund für diese häufig anzutreffende Skepsis oder gar Ablehnung von Strategie ist deren fehlende Alltagsrelevanz. Ein typisches Symptom dafür ist, dass in vielen Unternehmen die «Feuerwehrleute», die zuverlässig sämtliche operativen Brände löschen, die gefeierten Helden sind. Entscheidungen basieren dabei überwiegend auf Reflexen anstatt auf Reflexion, Aktionismus und Management auf Zuruf stehen im Zentrum, der strategische Plan des Managements bleibt unbeachtet.
Die Folgen sind verheerend: Das Unternehmen verzettelt sich im Heute und dem Versuch, die aktuelle Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit so gut es geht zu erhalten. Und das Management gesteht im Rückblick zerknirscht ein, dass es bei der strategischen Absicht geblieben und die Strategie kaum zum Tragen gekommen sei.Eine gute Strategie soll demgegenüber als echte Hilfestellung dienen: Sie soll Komplexität reduzieren, klare Ziele als Massstab setzen und konkrete Entscheidungsregeln für den Arbeitsalltag liefern. Nur so kann sichergestellt werden, dass neben dem Tagesgeschäft gezielt an der Weiterentwicklung des Unternehmens zur Erreichung der angestrebten zukünftigen Leistungsfähigkeit gearbeitet wird. Die Erarbeitung einer derart ausgestalteten Strategie ist also eine absolute Notwendigkeit, auch für KMU.
Im Rahmen der Erarbeitung einer schlagkräftigen Strategie stellen sich dem Management Team wesentliche Fragen:
- Unter welchen Voraussetzungen wird der Strategieprozess erfolgreich verlaufen?
- Welche strategischen Entscheidungen können wir schon heute treffen, um morgen noch erfolgreicher zu sein?
- Wie schaffen wir Begeisterung und Identität mit unserem Unternehmensbild der Zukunft?
- Wie erhöhen wir den Beitrag der Mitarbeiter an der Umsetzung der Strategie?
Die Strategieentwicklung
Ursprünglich aus der Kriegsführung stammend (aus dem Griechischen «stratos» = Heer und «agein» = führen), stellt Strategie heute eine der Kernaufgaben des Managements dar. Dennoch sind die Meinungen darüber, was eine Strategie genau ist und was sie beinhaltet, vielschichtig und gehen weit auseinander. Auf das Wesentliche beschränkt, bedeutet Strategie im Grunde genommen nichts anderes als vorweggenommene Entscheidungen für die langfristige Ausrichtung des Unternehmens. Dazu gehören das Festlegen der strategischen Ziele (Was – angestrebter Endzustand) sowie das Aufzeigen von Entscheidungsregeln in Freiräumen (Hinweise zum Wie). Die entscheidende Frage dabei: Welche Entscheidungen – und wie viel – sollen vorweggenommen werden?
Die Kernelemente
In Literatur und Praxis finden sich zahlreiche Ansätze dafür, was eine Strategie beinhalten sollte. Grundsätzlich gilt es, die strategischen Vorgaben ganzheitlich auszurichten und die zur Verfügung stehenden Ressourcen und Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. In diesem Sinne sollte insbesondere für KMU eine (häufig zu beobachtende) Überstrukturierung der Strategie an sich und des Entwicklungsprozesses vermieden werden. Folgende vier Kernelemente sind richtungsweisend:
- Begeisterndes, identitätsstiftendes Bild der Zukunft (Vision, Mission, Purpose): Wer sind wir? Warum gibt es uns? Wofür stehen wir?
- Klarheit über die strategischen Ziele (quantitativ und qualitativ) für einen definierten Zeithorizont
- Innovation als Bestandteil der Strategie für ein balanciertes Verhältnis zwischen Kern- und Neugeschäft
- Klar definierte strategische Fokusfelder oder Stossrichtungen mit jeweils eigenen Zielen und Roadmaps (keine Ansammlung von Einzelmassnahmen)
Strategieformulierung/Inhalte
Bei der Strategieformulierung ist besonders auf die passende Breite und Tiefe zu achten, damit die Aussagen eine entsprechende Alltagsrelevanz für die Mitarbeiter haben. Hier sei darauf hingewiesen, dass die Strategie nicht zu umfassend (Breite) formuliert und eine explizite Fokussierung in Form einer überschaubaren Anzahl von Fokusfeldern oder Stossrichtungen (Tiefe) gegeben ist. Die gewünschte Umsetzungsrelevanz entsteht dann, wenn die Strategie bis auf einzelne Massnahmen heruntergebrochen wird. Genauso wichtig wie der strategisch festzulegende Inhalt ist die Frage nach dem Prozess und der Methodik der Strategieentwicklung. Im Hinblick auf eine erfolgreiche Umsetzung und Operationalisierung der Strategie ist der Prozess gemeinsam mit dem gesamten Management Team zu durchlaufen. Ziel muss sein, dass jedes Mitglied des Managements die Strategie im Detail herleiten und nachvollziehbar erklären kann.
Tipp: Wählen Sie ein Vorgehen, das Sie gemeinsam als Management Team methodisch führt, dabei nachvollziehbare Entscheidungskriterien vorgibt und sämtliche unternehmensrelevanten Aspekte berücksichtigt (beispielsweise die Strategiearchitektur aus Augsten, T., Brodbeck, H.: Strategie und Innovation, 2017).

