Strategie & Management

Mergers & Acquisitions

Transaktionsbereitschaft frühzeitig analysieren

Auch wenn ein Unternehmensverkauf nicht unmittelbar geplant ist, ist es ratsam, die Transaktionsbereitschaft zu analysieren. Auf diese Weise erhält das Management genügend Zeit, die Probleme zu beseitigen, bevor eine mögliche Transaktion überhaupt beginnt, um dann auch das Wertepotenzial ausschöpfen zu können.
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«Ist unser Unternehmen bereit für eine Transaktion?» Der Grossteil der Unternehmer und Führungskräfte würde diese Frage mit «ja» beantworten. In Wirklichkeit ist die Transaktionsbereitschaft bei den börsennotierten Unternehmen weiter verbreitet als bei privat geführten Unternehmen. Wenn ein Unternehmen prosperiert, bedeutet dies nicht automatisch, dass es auch bereit für eine Veräusserung ist. Bei der Transaktionsbereitschaft geht es nicht nur darum, ob der Geschäftsbereich wirtschaftlich erfolgreich ist und die Eigentümer verkaufsbereit sind, sondern im Wesentlichen geht es um die Attraktivität für die potenziellen Käufer und den reibungslosen und zügigen Ablauf der Transaktion. Ein Unternehmen ist bereit für eine Transaktion, wenn es a) innerhalb von sechs Monaten, b) zum oder über dem Marktpreis und c) ohne Beeinträchtigung des laufenden Geschäftsbetriebs veräussert werden kann.

Eigentümer oder Verwaltungsräte unterstreichen oft, dass sie nicht aktiv nach einem Käufer für ihr Unternehmen suchen, doch wenn ein Interessent an ihre Tür klopfte, würden sie das Angebot prüfen. Leider wird mit diesem passiven Ansatz das Wertpotenzial des Unternehmens nicht voll ausgeschöpft. Das Warten auf eine «Einladung zum Tanz» ist nicht die ideale Art und Weise, den perfekten Partner zu finden. Stattdessen sollten sich Eigentümer entscheiden, ob sie ihr Unternehmen verkaufen wollen oder ob es ge­kauft werden sollte.

Unter Wert verkauft

Der Verwaltungsrat eines Industriekonzerns erhielt von einem Marktteilnehmer das Angebot, einen seiner Geschäftsbereiche übernehmen zu wollen. Da dieses Segment strategisch nicht mehr von Nutzen war, hatte der Verwaltungsrat sowieso vor, dieses zu einem späteren Zeitpunkt zu veräussern. Aufgrund anderer Prioritäten hatte er zuvor beschlossen, bis auf Weiteres nicht aktiv nach einem Käufer zu suchen, jedoch eingehende An­fragen von Interessenten zu prüfen. Die Bewertung schien in diesem Falle interessant zu sein und der in Aussicht gestellte Zeitplan von maximal neun Monaten bis zum Abschluss war im Sinne des Verwaltungsrates.

Da bereits ein Kaufinteressent mit einem konkreten Angebot am Tisch sass, sah der Konzern weder die Notwendigkeit, einen M&A-Berater einzustellen, noch die, eine Verkaufspräsentation des Unternehmens zu erstellen. Die beiden Parteien nahmen bald ihre Gespräche auf und tauschten Informationen aus. Nach fünfzehn Monaten intensiver Verhandlungen und einem Kaufpreis, der schlussendlich weit unter dem ursprünglichen Angebot lag, hatten die Eigentümer die Wahl, das finale Angebot zu akzeptieren oder von der Transaktion zurückzutreten.

Man könnte nun sagen, dieses Praxisbeispiel sei eine seltene Ausnahme, doch mehr als die Hälfte aller Devestitionen beanspruchen mehr als zwölf Monate, während gut vorbereitete Transaktionen innerhalb von weniger als sechs Monaten nach der Käuferkontaktierung unterzeichnet werden. Über drei Viertel der Transaktionen werden zu einem Preis vollzogen, welcher unter dem Erstgebot des Käufers liegt. Der Hauptgrund hierfür ist, dass die Unternehmen nicht für eine solche Transaktion bereit waren.

Umfangreiche Vorbereitung

Weitsichtige Eigentümer und Manager nehmen sich genügend Zeit zur Vorbereitung des Verkaufes. «Transaktionsbereitschaft» (engl. «Transaction Readiness Assessment») beschränkt sich nicht nur auf Leistungsfähigkeit oder Rentabilität einer Firma oder eines Geschäftsbereiches. Sie geht weit über einen «Fitnesscheck» hinaus. Das Unternehmen soll aus der externen Perspektive betrachtet und mögliche Bedenken und Einwände des potenziellen Käufers im Voraus erkannt und beseitigt werden. Das Transaction Readiness Assessment sollte von Experten durchgeführt werden, die bereits auf beiden Seiten bei Transaktionen gearbeitet haben, der Verkäufer- und der Käuferseite. Solche Experten sind in der Lage, sich in die Situation des Käufers zu versetzen. Das Verkaufsobjekt soll so vorbereitet und aufgestellt werden, dass es für potenzielle Käufer möglichst attraktiv ist, die Dauer des Verkaufsprozesses minimiert und der Kaufpreis optimiert werden kann.

Mit der Analyse der Transaktionsbereitschaft soll sichergestellt werden, dass die Strategie, die Positionierung, das operative Geschäft, die Leistungsfähigkeit, die Systeme und die Dokumentation eines Unternehmens stabil genug sind, um den Wert zu optimieren und das Risiko eines Verkaufsabbruchs zu minimieren. Transaktionsbereitschaft ist keine Due-Diligence-Prüfung. (Einfach ausgedrückt, ist die Due Diligence, englisch «sorgfältige Prüfung», Voraussetzung für alle wichtigen Finanztransaktionen wie Fusionen, Übernahmen, Beteiligungen und Finanzierungen. Es werden die Vermögenswerte, Schulden, kommerzielles Potenzial und Risiken eines Unternehmens beurteilt.) Eines der Hauptziele ist die Identifizierung von Problemen und Fragen, die während der Due Diligence aufkommen könnten. Dadurch erhält das Management genügend Zeit, die Probleme zu beseitigen, bevor die Transaktion überhaupt beginnt, oder mögliche Probleme in der Due Diligence proaktiv offenzulegen.

Strategie und Businessplan

Im Rahmen der Beurteilung der Transaktionsbereitschaft wird analysiert, ob die Formulierung der Strategie dokumentiert, eindeutig, fokussiert, durchführbar, realistisch und wertoptimierend ist. Der eingeschlagene Weg und die erforderlichen Ressourcen für das Erreichen der strategischen Ziele sowie klar definierte Meilensteine werden in einem Businessplan wiedergegeben.

Finanzberichterstattung

Durchgängig korrekte und transparente finanzielle Informationen sind unabdinglich für eine Transaktion. Die Zahlen sollen ein wahres Bild («true and fair view») darüber abgeben, wie profitabel das Unternehmen wirklich ist. Die geprüften Jahresabschlüsse der letzten drei bis fünf Jahre sollen in Finanzberichte auf Basis «true and fair» überführt werden. Im Zuge dieser Arbeiten werden ausserordentliche Posten separiert und geschäftsfremde Posten ausgeschlossen.

Finanzplanung

Die meisten Unternehmen erstellen ein Budget für das kommende Jahr. Zur Unterstützung einer Transaktion wird ein Planungszeitraum von drei bis fünf Jahren erwartet. Für das Verkaufsprojekt sind zusätzlich eine Bilanzplanung und eine Mittelflussplanung hilfreich.

Management-Team

Käufer schätzen ein intaktes und funktionierendes Management-Team, welches die kontinuierliche Umsetzung der gewählten Strategie sicherstellen kann. Operativ aktive Besitzer möchten in der Regel das Schiff nach dem Vollzug verlassen. Der Eigentümer sollte früh genug den Ablösungsprozess einleiten, und zwar bevor der Verkaufsprozess beginnt.

Geistiges Eigentum

Ob ein Verkauf vorgesehen ist oder nicht, ein Unternehmen sollte wissen, wer der tatsächliche Besitzer des geistigen Eigentums ist, welches das Unternehmen nutzt (Patente, Marken, Software, Internetdomains etc.).

Rechtliches

Kennen Sie alle Vereinbarungen Ihres Unternehmens mit Kunden, Lieferanten, Vermietern, Kapitalgebern, Angestellten und weiteren Drittparteien? Wie schnell und einfach haben Sie Zugriff auf diese Vereinbarungen?

Einige Vertragspartner könnten rechtlich als Arbeitnehmer eingestuft werden. Vereinbarungen mit externen Parteien sollten diesbezüglich hieb- und stichfest
angepasst werden. Immer wieder anzu­treffen sind Verein­-barungen, welche der einen Vertragspartei im Falle eines Besitzwechsels bei der anderen Partei ein Rücktrittsrecht vom Vertrag einräumen (sogenannt «change-of-ownership clause»).

Sofortmassnahmen im Rahmen der Transaktionsvorbereitung sind, «change-of-ownership»-Klauseln ab sofort wenn möglich zu vermeiden, gültige Vereinbarungen mit solchen Klauseln zu identifizieren und Wege zu prüfen, diese zu streichen. Schwebende oder auch drohende Rechtsstreitigkeiten stellen eine zusätzliche Ungewissheit für den Käufer dar, da es ihm nicht möglich ist, die Auswirkungen der Rechtsfälle auf das Unternehmen zu beurteilen. Leicht gesagt, doch falls die Beilegung schwebender und drohender Rechtsstreitigkeiten beschleunigt sowie vor dem Start der Transaktion vereinbart werden kann, werden unliebsame Diskussionen mit Käufern oder das Risiko einer abgebrochenen Transaktion verhindert.

Bewertung

Vor Beginn des Verkaufsprozesses sollten Eigentümer und Führungskräfte einen Verkaufspreis bestimmen, der akzeptabel und zudem realistisch ist. Die Bewertung dient als Richtlinie für die Entscheidungsfindung während des Veräusserungsprozesses. Sie unterstützt die Eigentümer bei der Festlegung eines minimalen Kaufpreises, unter welchem Angebote zurückgewiesen werden sollen.

Während einer Transaktion ist Zeit nicht der Freund des Verkäufers. Mithilfe einer sorgfältigen und gründlichen Analyse der Transaktionsbereitschaft wird es nicht zu unangenehmen Überraschungen kommen, wenn der Eigentümer beschliesst, den Verkaufsprozess zu starten, oder wenn Käufer spontan an der Tür klopfen. Mit einem professionellen Transaction Readiness Assessment und der Implementation der daraus resultierenden Erkenntnisse übernimmt der Eigentümer das Steuer für den künftigen Verkaufsprozess früh genug.

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