Viele Führungskräfte sind bei der Beantwortung der Frage, wie es gelingt, die individuellen Widerstandskräfte der Mitarbeiter und die eigenen Ressourcen zu stärken, gut aufgestellt. Die oft erschreckenden Zahlen über das Ausgebranntsein zahlreicher Arbeitnehmer, der rasante Anstieg der Krankheitstage und Fehlzeiten sowie Berichte über psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz, die die Kosten für Prävention und Gesundheitsschutz in die Höhe treiben, haben die Unternehmen und Führungskräfte diesbezüglich sensibilisiert. Was immer noch zu kurz kommt, sind Überlegungen, wie sich die Widerstandskräfte des gesamten Teams positiv beeinflussen lassen. Was kann eine Führungskraft, was kann ein Teamleiter tun, um die organisationale Resilienz und die Widerstandskräfte zu verbessern, die das Team als Gebilde auszeichnen?
Teamspezifische Möglichkeiten
Wer in seinem Verantwortungsbereich ein betriebliches Gesundheitsmanagement mit der Zielsetzung installiert, nicht nur Krankheit zu vermeiden, sondern darüber hinaus die Gesundheit jedes einzelnen Mitarbeiters zu stabilisieren, leistet zugleich einen Beitrag zur Team-Resilienz. Denn eine Ansammlung widerstandsfähiger Mitglieder im Team wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Team-Resilienz verbessern. Mit anderen Worten: Teamleiter, die ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, ihre persönlichen Belastungsstressoren auszumerzen und ihre jeweilige emotionale Tankstelle aufzuladen, dürfen davon ausgehen, auch die Widerstandsfähigkeit des gesamten Teams positiv zu beeinflussen. Bleibt die Frage: Welche teamspezifischen Möglichkeiten gibt es, Team-Resilienz aufzubauen?
Optimismus ausstrahlen, schwierige Situationen akzeptieren, sich an Lösungen orientieren, sich von der Opferrolle verabschieden, Verantwortung übernehmen, netzwerken und Zukunft planen – diese Aspekte gelten als die Säulen der Resilienz. Der Teamleiter kann sich daran orientieren und sich fragen, ob es in diesen Bereichen Verbesserungsbedarf gibt.
Es ist zielführend, die Resilienzaktivitäten, die die Führungskraft für die einzelnen Mitarbeiter entfaltet, auf das Teamgebilde zu übertragen. Dazu einige Beispiele: Eine wertschätzende Mitarbeiterführung, die die Individualität des Einzelnen achtet, sowie eine Rhythmisierung des Arbeitstags, die den Wechsel zwischen Phasen der Anspannung und Belastung und Phasen der Entspannung und Erholung erlaubt, gehören ebenso dazu wie ein Arbeitszeitmanagement, durch das Doppelbelastungen und damit belastender Stress verhindert werden. Wer Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten (Wer macht was wann und wie?) genau klärt, entlastet das Team. Ähnliches gilt für das Vorhaben, durch sinnstiftende Rahmenbedingungen Widerstandskräfte zu aktivieren. Teamleiter, die den Teamgeist wecken wollen, im Meeting die Sinnhaftigkeit und den Zweck der Teamarbeit erläutern und mit den Mitgliedern diskutieren, welchen substanziellen Beitrag ihre Arbeit zur Erreichung der Unternehmensziele leistet, stärken die Widerstandskräfte insgesamt.
Unterstützungskultur etablieren
Teamleiter sind gut beraten, im Team eine Unterstützungskultur anzustossen. Es sollte zu den Selbstverständlichkeiten gehören, dass sich die Teammitglieder bei Schwierigkeiten gegenseitig helfen. Der wertvollste Beitrag, den der Teamleiter an dieser Stelle beisteuern kann, ist, jene Unterstützungskultur zu institutionalisieren, indem er zum Beispiel innerhalb des Teams Tandembeziehungen etabliert: Zwei Teammitglieder bilden ein Duo, bei dem die Mitarbeiter verpflichtet sind, bei einem Problem dem jeweiligen Kollegen unter die Arme zu greifen – man übernimmt Verantwortung für die Weiterentwicklung des Tandemmitglieds.
Selbstverständlich sollte jene Unterstützungskultur im gesamten Team gepflegt werden. Entscheidend ist, dass der Teamleiter die gegenseitige Unterstützung nicht nur einfordert, sondern sie durch die entsprechenden Rahmenbedingungen wie die Tandem-Idee ermöglicht. So sorgt er für Systemresilienz und baut die Kompetenz auf, die Prozesse und die Abläufe im Team derart zu gestalten, dass es den Mitarbeitern gelingt, ihre Widerstandskräfte zu entfalten.
Fortschritte aktiv herbeiführen
Eine weitere teamspezifische Möglichkeit, die organisationale Resilienz zu kräftigen, besteht darin, das Team vor negativen Einflüssen von aussen zu schützen. Der Teamleiter räumt dem Team die Stolpersteine aus dem Weg, durch die es daran gehindert werden könnte, den Teamaufgaben erfolgreich nachzugehen. Trotzdem wird es zu Krisen kommen, zu Wellentälern, die das Team durchschreiten muss. Im Meeting erläutert der Teamleiter, warum es sich lohnt, die Krise als Wachstumschance zu interpretieren.
Aber auch das darf keine blosse Forderung oder floskelhafte Behauptung bleiben. Seine Aufgabe ist es vielmehr, für eine optimistische und problemlösungsorientierte Haltung zu sorgen, indem er den Mitgliedern vor Augen führt, wie es in der Vergangenheit gelungen ist, schwierige Situationen zu meistern. Dazu sollte er das Defizitdenken in den Hintergrund drängen und ihnen verdeutlichen, über welche Stärken, Ressourcen, Potenziale und Kompetenzen das Team als Verbund verfügt, um komplexe Herausforderungen zu stemmen.