In den letzten Monaten wurde die gesamte Bildung einem riesigen Veränderungsprozess unterworfen. Begriffe wie Fernunterricht, digitales Klassenzimmer und selbstorganisiertes Lernen dominierten die Themen in den Lehrerzimmern und Schulleitungen. Die meisten Schulen taten sich nicht allzu schwer, den Unterricht auf Fernunterricht umzustellen. Aber reicht es denn, als digitale Transformation lediglich den Kommunikationskanal von analog auf digital umzustellen?
Neue Lernangebote schaffen
Nein, denn allein durch diese Umstellung treten didaktische Schwächen noch mehr ans Tageslicht. Dies zum Vorteil der Studenten. Diese können ganz einfach wegklicken und brauchen den schlechten Unterricht nicht erst über sich ergehen zu lassen. Es ist aber auch keinesfalls so, dass digitale Technologien das Gelingen von Unterricht und Lernen bestimmen – aber im positiven Fall gelingt es, damit die Qualität zu verstärken. Durch den Druck der Pandemie wächst nun der Druck auf die Entwicklung neuer Lernformen. Allerdings wird dies nichts daran ändern, dass die Didaktik stets einen wichtigeren Part einnimmt als die Technik.
Im Campus Sursee fokussiert man momentan auf die Entwicklung von Angeboten in selbstorganisiertem Lernen (SOL). Dies soll dazu beitragen, dass die jungen Berufsleute weniger lang von ihren Arbeitsplätzen weggelockt werden und
für die Studenten attraktive Bildungs- und Karrierewege bereitstehen, die organisierbar und finanzierbar sind.
Das Bildungszentrum selber erwartet dadurch einen noch höheren Marktanteil, aber auch Partnerschaften mit marktbegleitenden Schulen, welche sich an der Technologie des Campus Sursee bedienen möchten.
Zugegeben, die Mitarbeiter des Bauhauptgewerbes sind oft nicht die prädestiniertesten Studenten, um selbstorganisiert zu lernen. Trotzdem gelang es, zusammen mit dem Aufbau einer interaktiven Lernplattform ein Angebot für Vorarbeiter und Poliere zu entwickeln, welches heute im Campus Sursee, aber auch in anderen Bildungsstätten als Lizenzpartner erfolgreich angewendet wird. Die Benchmarkzahlen an den eidgenössischen Prüfungen zeigen, dass Absolventen der Vorbereitungskurse im Campus Sursee mit SOL zu den erfolgreichsten Kandidaten gehören.
Selbstorganisiertes Lernen
Aber was bedeutet nun selbstorganisiert lernen? Zuerst muss mit dem Vorurteil aufgeräumt werden, dass SOL etwas mit digitaler Transformation zu tun haben könnte. Digitale Hilfsmittel können Methoden und Werkzeuge sein, um die Selbstorganisation der Studenten zu unterstützen. Erfolgreiche Systeme überlassen dem Lernenden verschiedene Parameter, welche er selber beeinflussen kann und darf. So zum Beispiel:
- Lernziele
- Lernzeit
- Lernort
- Lerninhalte
- Methoden und Werkzeuge
- Lernweg
- Lernquellen
- Lernpartner
- Ergebnisprüfung
Nur selten ist es möglich, dem Lernenden sämtliche Entscheide über alle Parameter zu überlassen. Bereitet das Lernangebot auf eine Berufs- oder höhere Fachprüfung vor, sind die Lernziele, welche überprüft werden, definiert. Trotzdem besteht auf der interaktiven Plattform des Campus Sursee in jedem Lernfeld die Möglichkeit, Kompetenzen zu erwerben, die weit über die Lernziele hinausgehen.
Damit sollen alle Teilnehmenden an vorbereitenden Kursen die Möglichkeit haben, die eigenen Lernprozesse zu planen, zu überwachen und zu beurteilen, bis zur erfolgreichen Teilnahme an der Berufsprüfung oder höheren Fachprüfung.
Wachsender Stellenwert
Viele Studenten wären in den letzten Monaten froh gewesen, wenn sie bei der Organisation ihres Lernalltags bereits über diese Kompetenzen verfügt hätten. Im Campus Sursee wartet man gespannt auf die Auswirkungen von Lehrplan 21, in welchem das selbstorganisierte Lernen einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Dies wird, so ist zu hoffen, grossen Einfluss auf die künftigen Teilnehmer der höheren Berufsbildung haben. Denn aktuell betreten Studenten mit dem Eintritt in einen Bildungsgang oft Neuland.
Allerdings ist selbstorganisiertes Lernen auf vielen Stufen noch immer sehr umstritten. «Die Lehrpersonen stehlen sich mit SOL aus der Verantwortung und überlassen damit die Studenten ihrem Schicksal. Schliesslich haben Lehrpersonen den Auftrag, Lehrinhalte verständlich aufzubereiten, methodisch reflektiert zu vermitteln und die Teilnehmenden eng zu begleiten», argumentieren die Kritiker.