Strategie & Management

Employer Branding

Schrittweise zur erfolgreichen Arbeitgebermarke

Heutzutage muss ein Unternehmen den Mitarbeitenden etwas bieten, es muss «hip» sein, klare Werte vermitteln oder aus der Masse herausstechen. Ansonsten werden die begehrten Fachkräfte kurzerhand von der Konkurrenz abgeworben. Daher gewinnt die Arbeit­gebermarke immer mehr an Bedeutung.
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Der Begriff Employer Branding kommt aus dem Englischen und setzt sich aus den Worten «Employer» (= Arbeitgeber) und «Branding» (= Markenbildung) zusammen. Es bezeichnet eine (Marketing-)Strategie zum Aufbau einer Arbeitgebermarke für ein Unternehmen. Employer Branding ist die identitätsbasierte, intern wie extern wirksame Entwicklung und Positionierung eines Unternehmens als glaubwür­diger und attraktiver Arbeitgeber. Kern des Employer Branding ist immer eine die Unternehmensmarke spezifizierende oder adaptierende Arbeitgebermarkenstrategie. Entwicklung, Umsetzung und Messung dieser Strategie zielen unmittelbar auf die nachhaltige Optimierung von Mitarbeitergewinnung, Mitarbeiterbindung, Leistungsbereitschaft und Unternehmenskultur sowie die Verbesserung des Unternehmensimages. Mittelbar steigert Employer Branding ausserdem Geschäftsergebnis sowie Markenwert.

Die Wichtigkeit nimmt zu

Diverse Studien belegen, dass die Wichtigkeit des Employer Branding stetig zunimmt. Demnach informieren sich 75 Prozent der Jobsuchenden vor ihrer Bewerbung über die Unternehmens- be­ziehungsweise Arbeitgebermarke, und es besuchen 62 Prozent der Arbeitssuchenden die Social-Media-Auftritte ihres potenziellen neuen Arbeitgebers, um mehr über die Kultur und Arbeitsatmosphäre im Unternehmen zu erfahren.

Die Studien identifizieren aber zugleich ein grosses Problem auf der Arbeitgeberseite: Den 75 Prozent der Arbeitssuchenden, welche sich für das Image eines potenziellen neuen Arbeitgebers interes­sieren, stehen gerade einmal 53 Prozent der Unternehmen gegenüber, welche überhaupt eine Employer-Branding-Strategie besitzen. Das bedeutet, 47 Prozent der Unternehmen überlassen ihre Arbeitgebermarke aufgrund einer feh­lenden Employer-Branding-Strategie dem Zufall – und verlieren dadurch bis zu 75 Prozent der potenziellen Bewerber.

Ziel des Employer Branding ist, als Arbeitgeber zu einer klar erkennbaren Mar­ke zu werden, welche sowohl von potenziellen Bewerbenden als auch von den Mit­arbeitenden des Unternehmens als attraktiv wahrgenommen wird. In ihnen soll der Wunsch geweckt werden: «Bei diesem Unternehmen möchte ich unbedingt arbeiten, weil …» Genau dieses «Weil» gilt es also im Zuge einer Employer-Branding-Strategie zu definieren. So sollen einerseits neue Bewerbende für das Un­ter­nehmen gewonnen und andererseits die bereits im Unternehmen angestellten Mitarbeitenden langfristig gebunden werden. Positive Effekte lassen sich durch gezieltes Employer Branding zudem auf die Identifikation der Angestellten mit dem Unternehmen ­sowie ihre Motivation beobachten. An Wichtigkeit gewinnt das Employer Branding aber nicht nur aufgrund dieser zahlreichen Vorteile für das Human Resources Management und das gesamte Unternehmen an sich, sondern vor allem auch, weil sich mit dem de­mografischen Wandel, dem Kultur- und Wertewandel sowie der Digitalisierung derzeit drei Entwicklungen beobachten lassen, die grosse Veränderungen für den Arbeitsmarkt mit sich bringen:

  • Fachkräftemangel durch demografischen Wandel
  • Kultur- und Wertewandel in der «Ge­neration Y»
  • Digitalisierung und soziale Netzwerke

Professionelles Employer Branding setzt sich aus zahlreichen verschiedenen Handlungs- und Wirkungsfeldern zusammen und muss sich immer wieder an den technischen Fortschritt, den Kultur- und Wertewandel in der Zielgruppe oder die wirtschaftlichen Entwicklungen des Unternehmens anpassen. Es handelt sich daher um eine komplexe Aufgabe zwischen Human Resources Management und der Marketing- sowie Kommunikationsabteilung.

Wege zur Arbeitgebermarke

Da das Employer Branding starke Effekte sowohl intern auf Ihre Mitarbeitenden als auch extern hinsichtlich Recruiting und Unternehmensimage haben kann, sollten hierbei nur Experten ans Werk – sei es durch interne Ressourcen oder Outsourcing. Dennoch soll an dieser Stelle ein ­erster Einblick in die Erstellung, Opti­mierung und Weiterentwicklung einer erfolgreichen Employer-Branding-Strategie als Leitfaden folgen.

Schritt 1: Ziel(gruppen)­definition

Nur wer sein Ziel kennt, kann es auch erreichen. Aus diesem Grund besteht der erste Schritt bei der Implementierung eines Employer-Branding-Konzepts natürlich aus der Zielgruppen- und Zieldefinition. An dieser Stelle gilt es, vordergründig drei Kernfragen zu klären:

  • Wer ist die Zielgruppe? Für wen möchten Sie attraktiv erscheinen?
  • Was erachtet diese Zielgruppe als attraktiv? Welche sind also ihre Ziel­vorgaben?
  • Wie können Sie diese Ziele erreichen und wie weit sind Sie auf diesem Weg bereits?

Schritt 2: Analyse der Stärken und Schwächen

Um sich als Arbeitgebermarke von der Konkurrenz differenzieren zu können, müssen Sie eine Stärken- und Schwächenanalyse vornehmen. So können Sie ei­nerseits Argumente und Allein­stellungsmerkmale für Ihr Unternehmen identifizieren und andererseits durch eine Verbesserung in schwachen Be­reichen jene der Konkurrenz aushebeln. Die klassische Form einer solchen Analyse der Stärken und Schwächen ist die sogenannte SWOT-Analyse (siehe Abbildung).

Der Fokus liegt hierbei klar auf Ihren Stärken. Wichtig ist, dass Sie individuelle Alleinstellungsmerkmale entwickeln, anstatt die Stärken der (eventuell grös­seren) Konkurrenz nachzuahmen. Zu beachten ist: Auch ein KMU – gerade aufgrund der geringen Unternehmensgrös­se – hat überzeugende Argumente:

  • flache Hierarchien
  • selbstständiges Arbeiten
  • breites Aufgabenspektrum
  • hohes Mass an Eigenverantwortung
  • motivierte kleine Teams
  • direkter Kundenkontakt
  • familiäre Arbeitsatmosphäre
  • flexible Arbeitszeiten oder -modelle (zum Beispiel Homeoffice)
  • persönliche Geschäftsbeziehungen

Schritt 3: Formulierung der Kernbotschaft der (zukünftigen) Arbeitgebermarke

Nach Ihrer Zielgruppen-, SWOT- und Wettbewerbs-Analyse geht es nun daran, die konkreten Kernbotschaften der Employer-Branding-Strategie zu definieren, zu formulieren und zu kommunizieren. In diesem Schritt sind folgende Fragen zu beantworten:

  • Wie können wir uns verbessern, aber dennoch authentisch bleiben?
  • Welches sind unsere Unternehmenswerte?
  • Inwiefern deckt sich das Employer Branding mit unserem Unternehmensleitbild?
  • Welche Botschaften sollten in die Arbeitgebermarke aufgenommen werden und welche sind absolut tabu?
  • Welches sind unsere stärksten Argumente und Alleinstellungsmerkmale gegenüber der Konkurrenz?
  • Welche Emotionen soll die Zielgruppe mit unserer Arbeitgebermarke ver­binden?

Schritt 4: Handlungsfelder für die Umsetzung einer Employer-Branding-Strategie

Was macht einen Arbeitgeber attraktiv? Auf diese Frage lassen sich viele verschiedene Antworten finden. Die häufigsten und damit wichtigsten lauteten im «Themenspecial Employer Branding und Personalmarketing» der Studie «Recruiting Trends 2016»:

  • flache Hierarchien
  • gute Arbeitsatmosphäre
  • ausgewogene Work-Life-Balance, Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • Arbeitsplatzsicherheit
  • gute Aufstiegschancen
  • attraktive Vergütung
  • flexible Arbeitszeitmodelle
  • Förderung von Fort- und Weiterbil­dungen
  • Nachhaltigkeit

Alles in allem lassen sich daraus sechs grundlegende Handlungsfelder für die Employer-Branding-Strategie bilden:

  • materielle Werte wie Vergütung
  • Arbeitsatmosphäre und -bedingungen
  • Aufstiegs- und Entwicklungschancen
  • Führungskompetenzen
  • Unternehmensstandort
  • Arbeitgeber- und Unternehmensimage

Ein umfassendes Employer Branding setzt im besten Fall natürlich bei allen fünf Handlungsfeldern an, um potenzielle Bewerbende dadurch rundum überzeugen sowie die Zufriedenheit der Mitarbeitenden langfristig erhöhen zu können. Denn Employer Branding richtet sich stets sowohl nach innen als auch nach aussen.

Schritt 5: Kanäle für die externe und interne Kommunikation der Arbeitgebermarke

Nun gilt es, Ihr neues oder optimiertes «Employer Branding»-Konzept auch zu kommunizieren. Hierfür stehen Ihnen für die externe als auch die interne Kommunikation verschiedene Kanäle zur Verfügung:

Interne Kommunikation

  • Social Media
  • Intranet
  • Unternehmenshomepage
  • unternehmensinterne Freizeitangebote
  • interner Arbeitgeberblog, gern auch ­direkt durch Mitarbeitende
  • Firmenfeiern
  • Mitarbeiterzeitung, -newsletter
  • Raumgestaltung
  • interne Markenbotschafter
  • und vieles mehr 

Externe Kommunikation

  • Social Media
  • Arbeitgeberbewertungsportale
  • Unternehmenshomepage
  • Imagefilm in Youtube, TV-Werbung o. Ä.
  • externer Arbeitgeberblog mit Kommentarfunktion als Rückkanal
  • Kooperationen mit Schulen / Universitäten
  • Präsenz bei Messen, Kongressen und Events
  • Gütesiegel oder Arbeitgeberwettbewerbe
  • externe Markenbotschafter
  • und vieles mehr

Ziel dieses fünften Schrittes ist es, ein stimmiges Kommunikationskonzept zu entwickeln, das sowohl intern als auch extern die gewünschten Vorgaben erreicht und gleichzeitig gemäss Kosten-Nutzen-Analyse wirtschaftlich ist.

Schritt 6: Monitoring und Erfolgsmessung

Wie in jedem betriebswirtschaftlichen ­sowie marketingtechnischen Prozess gilt es nun natürlich, die Entwicklungen der Employer-Branding-Strategie zu verfolgen, die Erfolge durch konkrete Kennzahlen zu messen und die Massnahmen entsprechend des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses stetig zu überarbeiten. So optimieren Sie nach und nach Ihre Employer-Branding-Strategie, bleiben stets auf der Höhe der Zeit und werden sich auch in Zukunft über ausreichend Fachkräfte-Nachwuchs für Ihr Unternehmen freuen können. Da es sich bei dem Aufbau einer Arbeitgebermarke um einen langfristigen Prozess handelt, ist natürlich ein wenig Geduld gefragt, bis erste Erfolge monitort werden können. Beispiele für mögliche Messgrössen sind:

  • Mitarbeiterzufriedenheit in regelmäs­sigen Umfragen
  • regionaler Bekanntheitsgrad
  • quantitative Zahl der eingehenden ­Bewerbungen
  • Verbesserung der Bewerberqualität (Stichwort Passgenauigkeit)
  • Fluktuationstendenzen: Zu- oder Abnahme?
  • Checkliste
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