Ein reales Beispiel aus der Praxis: Bisher hat das Versicherungsunternehmen X seine Werbeartikel primär nach den Kriterien Preis, Lieferfrist und Themenbe-zogenheit eingekauft – ökologische oder soziale Kriterien spielten bei der Entscheidungsfindung keine Rolle. Sensibilisiert durch mehrere in den Medien veröffentlichte Vorfälle, hat sich das Unternehmen entschieden, dies zu ändern. Zu diesem Zweck werden mehrere Händler für Werbeartikel angefragt.
Diese sollen aufzeigen, wie sie die vom Versicherungsunternehmen geforderte nachhaltige Beschaffung umsetzen und vor allem auch sicherstellen können. (Anmerkung des Autors: Von nachhaltiger Beschaffung wird dann gesprochen, wenn ein Unternehmen seine Beschaffung sowohl sozial und ökologisch verantwortlich als auch wirtschaftlich erfolgreich betreibt.) Den Zuschlag erhält schlussendlich der Händler Y – ein KMU aus der Schweiz mit rund 25 Mitarbeitenden und langjähriger Erfahrung in der nachhaltigen Beschaffung und einem funktionierenden Risikomanagement-system. Anhand der Beweggründe des Versicherungsunternehmens, sich für den Händler Y zu entscheiden, soll das Thema des Risikomanagements in der Lieferkette näher beleuchtet und seine Mechanismen erläutert werden.
Der Händler Y konnte dem Versicherungsunternehmen nachvollziehbar aufzeigen, dass sein Risikomanagement nicht auf Zufall beruht, sondern systematisch betrieben wird. Damit erfüllte er die zentrale Anforderung des Versicherungsunternehmens nach Sicherheit und Transparenz bei den eingekauften Werbeartikeln und verschaffte sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen direkten Mitbewerbern.
Risiken systematisch managen
Ein gut funktionierendes Risikomanagementsystem bietet zudem nachfolgende Chancen:
- Durch die aktive Auseinandersetzung mit der /den eigenen Lieferkette(n) kennt das Unternehmen die involvierten Akteure sowie deren Anforderungen und Bedürfnisse und kann auf diese eingehen
- Das Unternehmen kann zu wichtigen Akteuren eine engere Beziehung aufbauen, allfällige Vorurteile abbauen und so Wohlwollen schaffen
- Es kennt mögliche Risiken und Chancen im Bereich der eigenen Liefer-kette(n) und kann diese reduzieren /umgehen beziehungsweise wahrnehmen
- Es weiss um den Wert von langfristigen Partnerschaften zu Lieferanten und Herstellern (Stichwort «Lieferantenentwicklung»)

