Nicht immer ist es ökologisch sinnvoll, alte Einrichtungen oder Gegenstände gegen neue umweltfreundlichere zu ersetzen. Es kann sinnvoller sein, die alten Gegenstände möglichst lange zu gebrauchen. Auch die Lebensdauer ist bei der Produkteplanung und in der Ökobilanz zu berücksichtigen. In keinem Fall sind Produkte ökologisch, die gleich nach der Garantiefrist kaputtgehen.
Häufig vernachlässigt oder zu niedrig eingeschätzt wird die graue Energie, d.h. die Energie, die für die Herstellung von Gütern sowie für Transport, Lagerung und Entsorgung benötigt wird. Auf diese Weise entsteht häufig ein erheblicher Energieverbrauch, ohne dass dies für die Einkäufer oder Verbraucher direkt erkennbar ist. In den Ökobilanzen wird die graue Energie oft zu niedrig eingeschätzt.
Es wird im Allgemeinen empfohlen, Computer oder Maschinen gegen neue mit weniger Energieverbrauch zu ersetzen. Ein griffiges Verkaufsargument ist, dass sich die Investition für ein energiesparendes Produkt relativ schnell amortisiert und man nachher Geld spart.
Aber: Von der Energieersparnis des neuen Produktes muss die graue Energie abgezogen werden. Beispiel: Im Energieverbraucherportal.de findet man folgende Berechnung: Für die graue Energie einer Waschmaschine werden 1000 kWh genannt. Um mit einem neuen, 20 Prozent sparsameren Gerät die graue Energie zu kompensieren, müsste demnach eine Familie 20 Jahre lang waschen, und zwar fünf Mal pro Woche.
Die Berechnung der grauen Energie ist sehr komplex. Sind für die Herstellung des Produktes auch Maschinen notwendig, müsste man theoretisch auch deren graue Energie berechnen. So wird das allerdings eine endlose Prozedur, denn zur Herstellung der Maschinen braucht es ebenfalls Maschinen usw. Das zu ermitteln, ist praktisch unmöglich und auch kaum sinnvoll.
Zu berücksichtigen sind aber mindestens folgende Faktoren:
› Rohstoffe und deren Gewinnung, Eingriffe in die Natur, z.B. Ölförderung, Kupfer-, Goldabbau
› Energieverbrauch bei der Herstellung des Produktes
› Transport der Rohstoffe, Bestandteile und der Fertigprodukte
› Allenfalls Material- und Energieverbrauch bei der Installation
› Energieverbrauch bei Entsorgung und Recycling
Eine Etikette, die darüber informiert, wie viel graue Energie ein Produkt beinhaltet, gibt es leider noch nicht. 2010 wurde im Rahmen von «Schweizer Jugend forscht» ein Konzept entwickelt, für ein so genanntes Graue-Energie-Label.