Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde das Online-Lernen als Notlösung für das nicht mögliche Präsenzlernen gesehen. Aus dieser Warte erschienen die klassischen Weiterbildungssettings im Seminarraum als die «gute» Variante des Lernens; das Lernen mit Lern- und Videoplattformen, Foren und Kollaborationstools hingegen erschien als ein minderwertiger Ersatz hierfür.
Gemeinschaftliches Lernen
Erst allmählich dämmerte den Verantwortlichen, dass das neue digitale Lernen faktisch eine überfällige Bereicherung der Weiterbildung darstellt – unter anderem, weil sich bei ihm der Fokus weg vom Trainer hin zu den Teilnehmenden verschiebt. Sie werden viel stärker als beim klassischen Lernen dazu animiert, ihre Lernprozesse selbst zu organisieren und zu gestalten. Zudem rückt beim Online-Lernen das gemeinschaftliche Lernen stärker in den Fokus, bei dem das Wissen für alle zugänglich im Netz gespeichert ist.
Tipp: Verabschieden Sie sich von dem Denken, das Online-Lernen sei eine «Notlösung». Jahrzehntelang forderten Weiterbildungsverantwortliche von den Teilnehmenden Flexibilität, Offenheit für Neues und den Mut, Komfortzonen zu verlassen. Jetzt sind sie an der Reihe, das zu zeigen.
Neue Lernarrangements
Zu Beginn der Pandemie war das Denken vieler HR-Abteilungen noch stark von den gewohnten Präsenzveranstaltungen geprägt. Deshalb wurden auch Online-Seminare für die Zeitspanne von 9 bis 17 Uhr nachgefragt. Bei manchen Organisationen bedurfte es viel Überzeugungsarbeit, ihnen den potenziellen Mehrwert neuer Lerndesigns aufzuzeigen.
Inzwischen werden aber auch rege zum Beispiel 1,5- bis 2-stündige Online-Nuggets angefragt, denn: Diese kompakten Lerneinheiten lassen sich gut in den Arbeitsalltag integrieren. Sie stehen für ein modernes und flexibles, prozesshaftes und effizientes Lernen. Deshalb werden sie nicht nur gerne zum kurzfristigen Befriedigen eines akuten Needs genutzt, sondern auch häufig in längerfristige Entwicklungsmassnahmen für Einzelpersonen und Teams integriert.
Zudem werden statt der gewohnten Tagesseminare verstärkt Weiterbildungen nachgefragt, die synchrone (Präsenz- und Live-Online-Veranstaltungen) und asynchrone Elemente (Vorbereitungs- und Nachbereitungsarbeiten) verknüpfen. Sie machen aus dem Einmal-Event einen Lernprozess, der meist nachhaltiger wirkt.
Tipp: Die Digital-Technik ermöglicht neue Weiterbildungsdesigns. Experimentieren Sie mit ihnen. Nutzen Sie die Gunst der Stunde zum Entwickeln einer neuen Lernkultur.
Trend hybride Lernsettings
Neben vielen Unternehmen haben inzwischen auch viele Tagungshotels in Technik für hybride Meetings und Seminare investiert, bei denen einige Teilnehmende live im Seminarraum und andere zu Hause oder im Betrieb vorm Monitor sitzen. Mit der passenden Technik lassen sich hybride Veranstaltungen, die das Präsenz- und Fernlernen verknüpfen, gut managen. So gibt es zum Beispiel verschiedene Anbieter von «Whiteboard-Lösungen» für ein hybrides Arbeiten und Lernen. Mit einem integrierten Kamera- und Audiosystem ermöglichen sie ohne weiteres Zubehör, dass sich alle Teilnehmenden gut sehen und hören. Das ist bei dieser Art der Zusammenarbeit wichtig. Auch der zeitliche Ablauf hybrider Veranstaltungen will überlegt sein. Er sollte sich an den virtuell Teilnehmenden ausrichten, denn: Beim Online-Lernen ist die Aufmerksamkeitsspanne kürzer.
Ist in hybriden Veranstaltungen Gruppenarbeit geplant, steigen die Anforderungen an die Referenten, denn dann müssen parallel die Gruppen vor Ort und die virtuellen Gruppen betreut werden. Zudem müssen etwaige technische Probleme rasch behoben werden.
Tipp: Führen Sie hybride Veranstaltungen möglichst mit Co-Moderatoren durch. Dann können Sie sich das Betreuen der Präsenz- und Online-Gruppen und solche Aufgaben wie Input-Geben und Lösen technischer Probleme teilen.
Virtuelle Realität
Beim Üben von Arbeitsschritten punkten zunehmend Simulationstrainings mittels virtueller Realität. Mit ihnen kann die Handlungssicherheit erhöht werden; ein wichtiger Aspekt zum Beispiel beim Bedienen von Maschinen. Da muss meist jeder Handgriff sitzen. Dies können Teilnehmende in einer solchen Schulung dank der VR-Brille einüben, indem sie mit Kontrollgeräten ihre virtuellen Hände steuern. Sensoren übertragen die Bewegungen dann in die virtuelle Realität.
Arbeitsschritte unter realen Bedingungen einzuüben, ist für Arbeitgeber oft teuer – unter anderem wegen der Abwesenheit der Mitarbeiter, der Kosten für die Anreise und Unterbringung sowie der während der Übungsstunden nicht produzierenden Maschinen. VR-Brillen und die dazugehörigen Weiterbildungsprogramme haben den Vorteil: Sie können nach der Anschaffung immer wieder verwendet werden – ohne lange Planung.
Tipp: Auf Kongressen und Messen können Sie die neuesten Technologien testen. Zudem erhalten Sie dort Infos über mit der neuen Lerntechnik bereits realisierte Projekte. Meist gibt es auch Foren zum Erfahrungsaustausch von (potenziellen) Nutzern.