2010 startete Simone Ruckli die CEO-Ausbildung in der Flühmann AG. Zwar arbeitete sie schon vorher im selben Haus beim Fähren-Vermittler Cruise & Ferry Center, «wie die Mitarbeiter reagieren würden, wenn plötzlich die Tochter des Chefs im Team steht, war allerdings eine grosse Unbekannte», blickt Flühmann zurück. Erstaunlich schnell habe sie sich jedoch eingelebt. Als Kundenberaterin tätig, fühlt sich Simone Ruckli mittlerweile als vollwertiges Teammitglied akzeptiert. «Eine Herausforderung war für mich eher die Umstellung von einer Führungsposition bei Cruise & Ferry zur Rolle der neuen Mitarbeiterin bei der Flühmann AG. Ich musste lernen, mich zurückzunehmen. Diese Entschleunigung war am Anfang schwierig», gibt Ruckli zu. Im Tagesgeschäft sei sie in der Zwischenzeit sattelfest. Einzig die physischen Ressourcen machen ihr noch zu schaffen: «Am fremdesten sind mir noch die vielen Gebäude mit Anlagen und Installationen. Davor schrecke ich am meisten zurück. Und vor der Mehrwertsteuerabrechnung», ergänzt Ruckli lachend. Dabei gäbe es Dinge, auf die sie niemand vorbereiten kann. Diese lerne sie im Verlauf der Zeit. Darum versucht sie in der Übergangsphase noch so viel wie möglich von ihrem Vater abzuschauen respektive zu reflektieren.
Umgekehrt profitiert auch der erfahrene CEO-Lehrmeister vom Wissensdurst seiner Tochter. «Durch die Zusammenarbeit mit Simone wurde mir konstant ein grosser Spiegel hingehalten. In den letzten drei Jahren konnten wir enorm viel von der Generation iPad lernen, zu der Simone gehört», erklärt Flühmann. «Du meinst Digital Natives», ergänzt Ruckli. Als «Digital Immigrants» hätten Flühmann und der langjährige Leiter für Marketing und Verkauf Daniel Montani zu grosse Berührungsängste vor den sozialen Netzwerken gehabt. «Ein Manko, das Simone hervorragend abdeckt.» Ruckli behob «die kosmetischen Schwachstellen», indem sie die Website umkrempelte. «Das Unternehmen hatte die Prioritäten anders gewichtet. Der Onlinebereich entwickelt sich extrem schnell. Es ist wichtig, dort am Ball zu bleiben.» Dabei gehe es nicht darum, über soziale Netzwerke wie Facebook neue Kunden zu generieren. Dafür sei ihr Produkt nicht geeignet. «Da wir Online-Shop-Lösungen anbieten, ist es aber wichtig, dass wir diese Entwicklung mitverfolgen und präsent sind, damit wir nicht am Social-Media-Trend vorbeikonzipieren. Zusätzlich wollen wir die Hemmschwelle gegenüber Logistik- und Outsourcingthemen abbauen, indem wir Facebook als informative Plattform nutzen.»