Strategie & Management

Nachhaltigkeit (Teil 2 von 3)

Neun Bausteine für nachhaltige Unternehmensführung

«Plan-Do-Check-Act» sind die wohlbekannten Phasen eines erfolgreichen Managementsystems. Rasch gesagt, doch nicht so einfach gemacht, denn dahinter stecken verschiedene Knackpunkte, die alleine mit «just do it» noch nicht erfolgreich gemeistert werden können. Neun Bausteine braucht es als gute Basis für die nachhaltige Unternehmensführung.
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Ein wirkungsvolles Nachhaltigkeitsmanagement – wer möchte das nicht. Doch sollte es auch einfach sein, nicht zu viel Aufwand bedeuten, keine grossen Veränderungen auslösen und finanzielle Vorteile bringen. Ein hoher Anspruch, der aber mit richtiger Planung und dem Legen eines soliden Fundaments auch erreichbar ist.

Die Bausteine

Die ersten beiden Bausteine helfen der Unternehmensführung zu wissen, was sie eigentlich will, bevor sie beginnt, etwas zu machen.

1. Überzeugung

Die Geschäftsleitung des Unternehmens muss überzeugt davon sein, dass Nachhaltigkeit bzw. die Berücksichtigung von finanziellen, ökologischen und sozialen Zielen in der Unternehmensführung nicht nur für Markt und Kunden, sondern auch für das Unternehmen wichtig ist. Die Fokussierung auf Nachhaltigkeit, nur um ein Zertifikat zu erreichen oder einen Nachhaltigkeitsbericht zu publizieren, reicht nicht. Genauso wie Sie vom Nutzen eines Finanzmanagements, eines Personalmanagements oder eines Assetmanagements überzeugt sind, sollten Sie vom Nutzen des Themas Nachhaltigkeit überzeugt sein.

  • Formulieren Sie diese Überzeugung glaubwürdig in Ihrer Vision, Ihrem Leitbild oder Ihrer Unternehmenspolitik.
  • Zeigen Sie in Ihrem täglichen Tun, dass Nachhaltigkeit für Sie wichtig ist.

2. Ziele der Nachhaltigkeit

Zu Beginn braucht es Klarheit, was Sie mit einem Nachhaltigkeitsmanagement er-reichen wollen und wo Sie die Schwerpunkte sehen. Es gibt verschiedene Beweggründe:

  • Einhaltung gesetzlicher Vorgaben
  • Kostenreduktion
  • Risikomanagement
  • Reduktion von Umweltbelastungen oder sozialen Problemen
  • Imageförderung
  • Förderung des ökologischen und sozialen Bewusstseins intern und extern

Jede dieser Zielsetzungen hat Konsequenzen auf Umfang, Schwerpunkt und Wirkung des Managementsystems.

  • Schaffen Sie Klarheit über den Fokus Ihrer Aktivitäten.

3. Ökologische / soziale Auswirkungen unter Lebenszyklus-Brille

Sie müssen wissen, wo, in welcher Form, in welcher Produktionsstufe und in welchem Umfang Ihre Tätigkeiten ökologische und soziale Auswirkungen haben. Dabei spielen nicht nur die eigenen Prozesse eine Rolle, sondern je länger, desto mehr werden auch Überlegungen zum Lebenszyklus notwendig. Wie werden meine Rohstoffe produziert? Was passiert, wenn mein Produkt das Haus verlässt? Wie lange ist es brauchbar? Wie kann es wiederverwertet werden?

  • Definieren Sie den Lebenszyklus Ihrer Produkte von der Herstellung der Rohstoffe bis zur Entsorgung oder der Wiederverwertung.
  • Bestimmen Sie die ökologischen und sozialen Auswirkungen in jeder Phase des Lebenszyklus.
  • Definieren Sie Kriterien, die sicherstellen, dass negative Auswirkungen reduziert oder vermieden werden.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihre Lieferanten Ihre Kriterien auch berücksichtigen.

4. Gesetzeskonformität

Die Einhaltung der Gesetze ist eigentlich für jedes Unternehmen eine Selbstverständlichkeit, ist jedoch nicht immer einfach zu bewerkstelligen. Es entstehen neue Gesetze und Verordnungen auf der Ebene des Bundes, der Kantone und Gemeinden. Und diese werden laufend angepasst, erweitert, verändert. Hier den Überblick zu behalten, ist eine aufwendige Arbeit. News-Services, zum Beispiel zu den Gesetzen im Bereich Umwelt und Arbeitssicherheit, können Sie dabei wirkungsvoll unterstützen.

  • Verschaffen Sie sich einen Überblick, welche Gesetze und Verordnungen für Sie relevant sind.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie die Anforderungen erfüllen oder dass Sie sich konsequent darum bemühen.

5. Stakeholder-Erwartungen

Neben den gesetzlichen Vorgaben, die erfüllt werden müssen, gibt es weitere Erwartungen an ein Unternehmen, die erfüllt werden sollten, z. B. von Stakeholdern. Dazu gehören sämtliche Organisationen oder Personen, die von Entscheidungen Ihres Unternehmens betroffen sind oder die mit ihrem Handeln selbst die Aktionen einer Unternehmung beeinflussen können. Kurz: alle, die an Ihr Unternehmen in irgendeiner Form Ansprüche stellen (deshalb «Anspruchsgruppen»). Diese Erwartungen zu kennen, ist eine wichtige Voraussetzung, um sie auch erfüllen zu können. Das bedingt einen Austausch, eine Diskussion oder Kommunikation mit ihren wichtigsten Stakeholder-Gruppen.

  • Definieren Sie Ihre wichtigsten Anspruchsgruppen.
  • Fragen Sie diese, welche Erwartungen sie an Ihr Unternehmen haben.

6. Massnahmen

Auf der Basis der ersten fünf Bausteine lassen sich nun konkrete Massnahmen ableiten. Es braucht strukturelle wie auch kulturelle Massnahmen (siehe Teil 1 dieser Serie, «Nachhaltigkeit: Die Chancen nutzen statt Risiken bekämpfen» in der Ausgabe 4 / 15 des «KMU-Magazin»). Da es unter Umständen sehr viele sind, ist es zentral, sich auf die wichtigsten zu fokussieren und sie auch mittelfristig zu planen. Es muss nicht alles im ersten Jahr umgesetzt werden. Es braucht klare Kriterien, damit Ihre Entscheidungen nachvollziehbar werden. Um die Verständlichkeit der Umsetzung zu erleichtern, braucht es für jede Massnahme konkrete Ziele, die überprüft werden können. Auch qualitative Ziele können überprüft bzw. «gemessen» werden. Die Frage «Woran merke ich, dass ich mein Ziel erreicht habe?» hilft auch, qualitative Ziele überprüfbar zu machen.

  • Formulieren Sie zu jeder Massnahme ein «smartes» Ziel.
  • Planen Sie nicht zu viele Massnahmen auf einmal.

7. Führung

Damit diese Massnahmen umgesetzt werden und die gewünschte Wirkung erzielt wird, braucht es Führung. Das ist kein spezifisches Nachhaltigkeits-Thema, aber eine wichtige Voraussetzung für Wirkung. Die Erwartungen der Mitarbeitenden an die Führungkräfte sind:

  • Richtung geben: Ich weiss, was wir erreichen wollen.
  • Motivation: Ich bin überzeugt davon, dass dies richtig und wichtig ist für das Unternehmen, aber auch für Mitarbeiter und andere Anspruchsgruppen.
  • Unterstützung: Ich erhalte Hilfe bei der Umsetzung der Massnahmen.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie im gesamten Unternehmen die richtigen Führungskräfte am richtigen Ort haben.
  • Lösen Sie Führungsprobleme rasch und konsequent, aber nachvollziehbar.

8. Messung

Nur bei messbaren Zielen kann der Fortschritt bzw. die Zielerreichung gemessen werden. Regelmässige Messung stellt sicher, dass die Arbeiten in die richtige Richtung laufen und erlauben, frühzeitig zu unterstützen oder allenfalls zu korrigieren.

  • Messen Sie, aber nur das Wichtige und nicht alles, was messbar ist.

9. Kommunikation

Es gilt verschiedenste Zielgruppen anzusprechen und zu erreichen, von den Mitarbeitern über Führungskräfte hin zu Kunden und Lieferanten, NGO oder Aktionären. Das lässt sich nicht mit einer Form und mit einer Massnahme erledigen. Kommunikation ist eine Daueraufgabe, bei der die Geschäftsleitung den wichtigsten Teil der Arbeiten zu erledigen hat, nämlich die Inhalte sicherzustellen. Wenn die kommunizierten Informationen nicht stimmen und nicht glaubwürdig sind, ist der Schaden vielfach grösser als der erhoffte Nutzen. Es lohnt sich, ehrlich und lieber weniger zu kommunizieren, als grosse Erwartungen zu wecken und diese dann nicht zu erfüllen.

  • An Ihren kommunizierten Massnahmen und deren Wirkungen werden Sie von Ihren Anspruchsgruppen gemessen.
  • Behandeln Sie Kommunikation als Führungsaufgabe.
  • Orientieren Sie sich an den Kriterien einer wirkungsvollen Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Die nachhaltige Unternehmensführung ist kein einmaliger «grosser Wurf», sondern ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess, der Klarheit, Fokus, Konsequenz und Ausdauer erfordert.

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