Strategie & Management

Fallstudie: Ricoh Schweiz AG

Nachhaltigkeit im Flottenmanagement

«Sustainable Fleet» heisst ein Projekt des Technologieunternehmens Ricoh Europe, das die Nachhaltigkeit im Flottenmanagement vorantreiben soll. So wurden neue Richtlinien lanciert, welche nicht nur die Betriebskosten, sondern auch den CO²-Ausstoss reduzieren. Wie das europaweite Projekt umgesetzt wurde, zeigt das Beispiel der Ricoh Schweiz AG.
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Für das Unternehmen Ricoh steht das optimale Zusammenspiel von Mensch, Technologie und Umwelt im Vordergrund. Effizientes, nachhaltiges und umweltfreundliches Handeln sind die Leit­linien in der Beratung ihrer Kunden in Bezug auf den Umgang mit Daten, Informationen und deren Vernetzung in den verschiedenen innerbetrieblichen Arbeitsprozessen.

Diese Arbeitsprinzipien hat Ricoh jetzt auch auf sich selbst angewandt und das interne Projekt «Sustainable Fleet» ins Leben gerufen. Das Firmenfahrzeug ist speziell in den Bereichen Verkauf und Kundendienst ein notwendiges Arbeitsmittel für die Beratung und optimale Betreuung der Kunden. Die Fahrzeugflotte stellt deshalb einen deutlichen, aber unverzichtbaren Aufwandsposten dar.

So benötigt die Ricoh Schweiz AG bei zirka 500 Angestellten einen Wagenpark von über 300 Fahrzeugen. Auf der Suche nach einer Senkung der Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership,TCO), hat Ricoh jedoch nicht nur beim reinen Kostensparpotenzial halt gemacht, sondern auch die Auswirkungen des geänderten Lenkerverhaltens sowie die Möglichkeiten einer schrittweisen Reduktion der CO²-Emis­sionen in das Projekt integriert.

Die drei Säulen des Erfolgs lauten für Ricoh: Mitarbeiter, Prozesse und Technologie. Der Einblick ins Projekt zeigt uns, wie das Dienstleistungsunternehmen mit diesen Prämissen arbeitet.

Gestartet wurde das europaweite Projekt «Sustainable Fleet» im Oktober des letzten Jahres. Hierzu wurden in London durch das Ricoh Headquarter Europe verschiedene Fahrzeughersteller für eine Vor­auswahl nominiert. Es wurde darauf geachtet, dass aus einer breit gefächerten Palette an Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller Modelle ausgewählt werden können, welche vorerst weniger als 140 g CO²/km emittieren.

Diese Emissionsobergrenze wird fortlaufend dem umwelttechnologischen Fortschritt bei Fahrzeugen angepasst. Das Projekt umfasst alle Firmenfahrzeuge – vorwiegend für die Geschäftsbereiche Verkauf, Technik und Management.

Ricoh Europe verfügt über einen Fahrzeugbestand von rund 7000 Fahrzeugen und generiert einen CO²-Ausstoss von über 30 000 Tonnen pro Jahr. Für die Schweiz bedeutete dies Emissionen von 1600 Tonnen im Jahr 2012.

Testphase

Im November 2012 startete ein Team von Ricoh Schweiz-Mitarbeitern die Tests mit verschiedenen ausgewählten Fahrzeugen. Geprüft wurde vor allem ihre Alltagstauglichkeit. Als Testregion entschied man sich für das Engadin, um die Fahrzeuge auch in der Steigung und auf kurvenreichen Strecken zu erproben. Zu den Testkriterien für den Gebrauchswert gehörten:

› Das Be- und Entladen des Fahrzeugs (Technikerausrüstung)

› Der Fahrkomfort und die Sicherheit

› Das Öffnen des Fahrzeugs mit den beidseitigen Schiebetüren.

Hinzu kamen Fahrzeugkriterien wie:

› Eine günstige Kostenbilanz mit langen Wartungsintervallen (bis zu 35 000 km oder einen Service pro Jahr)

› Das Laderaumvolumen ab der zweiten Sitzreihe (nach dem Fahrersitz)

› Eine Fahrzeughöhe unter 190 cm

› Emissionen <140 g CO²/km.

Von den getesteten Fahrzeugen konnten nur wenige die geforderten anspruchsvollen Fahr- oder Nutzungseigenschaften (vor allem für die Schweiz, dem Land der Berge und Kurven) erfüllen. So ergaben sich beispielsweise bei der Vollladung eines Fahrzeugs deutlich schlechtere Fahreigenschaften.

Auch die Wahl der Motorisierung stellte eine Herausforderung dar. Kleinere Motoren sind emissionsärmer, jedoch weniger für Bergregionen – vor allem bei Vollladung – geeignet. Es galt, einen Kompromiss zu finden, welcher im Rahmen der Möglichkeiten zugunsten der Umwelt und zulasten des Fahrkomforts ausfiel.

Das Team führte nicht nur die Testfahrten durch, sondern wurde auch in den resultierenden Fahrzeugentscheid involviert. Die getroffene Auswahl an Fahrzeugen für die Schweiz ging an die Geschäftsleitung in Wallisellen, welche dem Antrag auch in diesem Sinne stattgab.

Zwischenzeitlich konnte die Evaluationsphase zum grössten Teil abgeschlossen werden. Ziel ist es, die CO²-Bilanz bereits im laufenden Jahr 2013 zu verbessern. Hierzu wurden die ersten 26 Technikerfahrzeuge – Opel Combos 1.6 l, 105 PS – beim Importeur geordert. Sobald diese ausgeliefert sind, werden sie noch in den Hausfarben beschriftet und im ersten Halbjahr 2013 an die Lenker übergeben.Für den Verkauf wurde die Wahl des Modells Opel Insignia 2.0 CDTi mit seiner Start/Stopp-Funktion und einem Ausstoss von 119 g CO²/km bestätigt. Dieses Fahrzeugmodell wird bereits vereinzelt eingesetzt und erfüllt damit die geforderten Richtlinien vollumfänglich. Hier läuft ebenfalls rund ein Dutzend Bestellungen, um bisherige Fahrzeuge nach dem Ende ihrer Nutzungsdauer fortlaufend abzulösen. Das Management erhält die Möglichkeit, ein Modell der Marken Audi oder BMW zu wählen, welches ebenfalls weniger als 140 g CO²/km emittiert.

In spätestens drei Jahren wird die ganze Flotte der Ricoh Schweiz AG unter der Zielmarke von 140 g CO²/km liegen.

Das Projekt zeitigte durchaus geteilte Reaktionen bei der Belegschaft. Fahrzeuge rufen immer auch Emotionen hervor, ein Aspekt, welcher nicht zu unterschätzen ist. Deshalb war für eine breitere Abstützung innerhalb der Belegschaft und zur Förderung der Akzeptanz für das Projekt der Einbezug von Mitarbeitern in die Testphase von elementarer Bedeutung.

Umweltschutz bedeutet manchmal auch ein Abschiednehmen von bestehenden Standards oder von bisherigen Gewohnheiten. So wird beispielsweise der bisher eingesetzte Technikerwagen mit der Motorisierung von 2.0 l Diesel mit 136 PS künftig durch einen 1.6 Liter Direkteinspritzer Diesel mit 105 PS abgelöst – ein echtes «Herabstufen», welches in einer ersten Reaktion nicht gerade Freude bei den Lenkern auslöste.

Verkaufsmitarbeiter hingegen schätzen den Fahrkomfort des Opel Insignia sehr, auch wenn sie sich noch an das Auskuppeln für die Start/Stopp-Funktion an der Ampel etwas gewöhnen müssen.

Auch in die Fahrzeugnutzung hat Ricoh Schweiz investiert. Bereits letztes Jahr wurden insgesamt 288 Lenkerinnen und Lenker mit dem eigenen Firmenwagen zu obligatorischen Fahrertrainings geschickt. Absolviert wurden Tageskurse in Zusammenarbeit mit dem TCS. Der Kurs gestaltete sich in zwei Teilen: ein halbtägiges praktisches Fahrertraining zur Erhöhung der Fahrsicherheit sowie einen zweiten Teil, bei dem effizientes und treibstoffsparendes Fahrverhalten vermittelt wurde einschliesslich der Beachtung eines korrekten Reifendrucks.

Obwohl das Jahr 2012 noch nicht ganz gezählt werden kann, ist der Treibstoffverbrauch im Vergleich zum Jahr 2011 über die ganze Flotte gesehen von durchschnittlich 7.1 Liter Diesel auf 100 km bereits auf 6.95 Liter gesunken. Weitere Fahrtrainings zur Repetition und Festigung eines bewussteren Fahrverhaltens sind geplant.

Die positive Entwicklung der Unfallstatistik dürfte bis in ein oder zwei Jahren erkennbar werden. Ein bewussteres Fahrverhalten sollte sich mittelfristig auch positiv auf den Reifenverschleiss auswirken.

Für die kalkulatorischen Gesamtbetriebskosten der neuen Fahrzeugtypen wurde auch der Flottenmanager hinzugezogen. Die Vollservice-Dienstleistungselemente der Auto-Interleasing AG als Flottenprofi beinhalten Service/Unterhalt, Reifen, Vig­nette und Treibstoff, welche in offener und speditiver Kalkulation abgerechnet werden. Auf diese Kostenbausteine kann die Ricoh Schweiz AG mit den beschriebenen Massnahmen direkt Einfluss nehmen, was sich am Ende der Fahrzeugnutzungsdauer positiv auf die effektiven Gesamtbetriebskosten, d.h. den TCO auswirken wird. Das Risiko für die Fahrzeug­a­mortisation und den Restwert liegt bei der Auto-Interleasing AG und ist für die Ricoh Schweiz AG somit abgesichert.

Die effektiven laufenden Betriebskosten werden quartalsweise durch die Auto-Interleasing AG rapportiert. Dieses Reporting beinhaltet neu auch den CO²-Ausstoss mit einem Soll-Ist-Vergleich.

Das Monitoring der Emissionsentwicklung erfolgt zentral bei Ricoh Europe. Auch die Entwicklung der TCO-Werte wird durch die Ricoh Schweiz AG fortlaufend überwacht, um die Entwicklung der Kosteneinsparungen im Auge zu behalten. Als Zielmarke hat man sich eine Optimierung von mindestens 15 Prozent vorgegeben. «

Porträt