Der Gebrauch des Begriffs Kompetenz hat sich in den letzten Jahren inflationär entwickelt. Eine Suche bei Google – wie es viele kompetente Menschen heute als Erstes versuchen – ergibt 17,6 Millionen Treffer auf den deutschen Begriff und 60,2 Millionen Treffer auf den englischen. Der Ursprung des Begriffes Kompetenz liegt im lateinischen Wort «competere», was so viel heisst wie zu etwas fähig sein, ausreichen, zusammentreffen, zustehen. Spezifische Definitionen gibt es so viele, wie es darüber referierende Autoren gibt. Gleiches gilt für die bei verschiedenen Autoren aufgeführte Anzahl von Kompetenzen – Modelle mit 90, 64 und diversen anderen Angaben lassen sich leicht finden.
Managementansätze
Ebenso gibt es unterschiedliche Zusammenfassungen sowie Unterteilungen der Kompetenzen in Gruppen: Management- und Führungskompetenzen, Handlungskompetenzen, Fachkompetenzen, soziale Kompetenzen und andere sind in der Literatur verwendete Begriffe. Unterschieden werden muss zwischen der Kompetenz in einer Organisation (die mit einer bestimmten Stelle oder Person verbundenen Berechtigungen und Pflichten) sowie allgemeinen Fähigkeiten und Fertigkeiten einer Person oder Organisation.
Für eine erfolgreiche Positionierung in den heutzutage stark umkämpften Märkten ist es für ein Unternehmen von ausschlaggebender Bedeutung, sich seine Kernkompetenzen bewusst zu machen. Deren Entwicklung sowie Nutzung zur Umsetzung zukünftiger strategischer Unternehmensziele ist Aufgabe des Kompetenzmanagements, für welches es zwei grundsätzlich zu unterscheidende Ansätze gibt:
- Im ressourcenorientierten Ansatz wird der Organisation ein grundsätzliches Potenzial zugesprochen und es wird versucht, die Überlebensfähigkeit durch die Akkumulation der Ressourcen (also die Einstellung von Personen mit den richtigen Kompetenzen) sicherzustellen.
- Der lernorientierte Ansatz fokussiert auf das Individuum als Kompetenzträger, das durch Aus- sowie Weiterbildung in den Kernkompetenzen entwickelt wird.
Wir halten, speziell in einer KMU-Umgebung, den lernorientierten Ansatz für die geeignetere Methode. Besonders kleine und mittelgrosse Unternehmen sehen sich selten in einer Position, in der sie als Unternehmen Personen-unabhängige Potenziale definieren und ausschliesslich dazu passendes Personal einstellen können.
Im Rahmen einer Studie wurde vor einiger Zeit der Status der in Unternehmen geplanten Entwicklungen im Bereich des Kompetenzmanagements im deutschsprachigen Raum untersucht (siehe dazu Frank M. Scheelen, Hrsg.; Kompetenzmanagement Studie 2013). Einige interessante Ergebnisse aus dieser Studie sind:
- Über zwei Drittel der befragten Unternehmen sehen einen relevanten Zusammenhang zwischen der Umsetzung der Unternehmensstrategie und den erforderlichen Kompetenzen der Führungskräfte und Mitarbeiter.
- Etwa 80 Prozent der Teilnehmenden erwarten, dass die Relevanz des strategischen Kompetenzmanagements in den nächsten fünf Jahren hoch bis sehr hoch sein wird.
- Über zwei Drittel (64 Prozent) der Teilnehmenden erwarten eine deutlich höhere Bedeutung von Kompetenzthemen in ihrem Unternehmen in den nächsten drei Jahren.
- Etwa die Hälfte der Unternehmen arbeitet mit Kompetenzmodellen.
- Zwei Drittel der Unternehmen messen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter. Dies erfolgt jedoch meist auf Basis subjektiver Einschätzungen.
Es ergibt sich die herausragende Wichtigkeit von Kompetenzen für die Zukunft von Unternehmen. Das Management der Kompetenzen im Sinne der Erarbeitung von für das jeweilige Unternehmen relevanten Modellen sowie – noch ausgeprägter – die objektive Messung der Kompetenzen sind dagegen noch sehr deutlich unterentwickelt.



