Damit die Arbeit an den Prozessen eines Unternehmens strukturiert erfolgen kann, sind zwei Unterscheidungen zwingend erforderlich:
Der erste Unterschied bezieht sich auf den Beitrag zur Kernleistung: Bei einem Prozess handelt es sich um einen Kernprozess, wenn er wesentlich zur Kernwertschöpfung beiträgt. Klassische Kernprozesse sind zum Beispiel, je nach Branche, Vertrieb (inkl. Kundenservice), Sortimentsdefinition (im Handel), Einkauf, Forschung und Entwicklung (in Produktionsunternehmen), Produktion (im Handel entspricht dies der Kommissionierung). Die Aufgabe der Supportprozesse ist es, die Kernprozesse leistungsfähig zu unterstützen. Marketing, Human Resources, Logistik, IT, Buchhaltung, Controlling, dies sind klassische Supportprozesse, um nur einige zu nennen.
Es ist wichtig, zu verdeutlichen, dass es sehr wohl eine Hierarchie in der Wichtigkeit der Prozesse gibt: Die Kernprozesse sind wichtiger als die Supportprozesse. Auch wenn dies in der Regel zu Unmut führt, spricht man es erst einmal aus, ist die Unterscheidung erfolgsentscheidend, macht sie doch deutlich, dass Supportprozesse keineswegs zum Selbstzweck im Unternehmen betrieben werden, sondern dass ihre einzige Existenzberechtigung darin besteht, den Kernprozessen den bestmöglichen Rückhalt zu geben.
Ein Identifikationskriterium, ob es sich bei einem Prozess um einen Kern- oder einen Supportprozess handelt, ist, ob man den betreffenden Prozess an Externe auslagern könnte, unabhängig davon, ob man dies wollte, ohne seine Kernkompetenzen aufzugeben. Klassischerweise verstehen sich einige Prozesse bereits als Supportprozesse, hier sind vor allem die Verwaltungsabläufe zu verstehen, manche Supportprozess-Eigner erheben aber nicht selten den Anspruch, dass es sich bei dem von ihnen verantworteten Prozess um einen Kernprozess handelt. Hier schafft ein Gespräch Klarheit.
Die zweite Unterscheidung betrifft die Prozesshierarchie innerhalb eines Kern- oder Supportprozesses: Handelt es sich bei einem betrachteten Prozess um einen Haupt- oder einen Teilprozess? An dieser Stelle gibt es keine feste Regel, wie hoch aggregiert ein Prozess sein muss, um einen Hauptprozess darzustellen, ist es wichtig, darauf zu achten, dass man innerhalb eines Unternehmens stets auf derselben Ebene bleibt, wenn man sich über Prozesse unterhält. Eine Prozesshierarchie, beginnend bei recht groben Hauptprozessen über Teilprozesse bis hinunter zu Prozessschritten, muss stets kongruent bleiben.
Hauptprozesse können zum Beispiel folgende sein: Marktanalyse, Abverkaufsauswertung, Wareneingangsabwicklung, Lieferantenreklamationen, Disposition, Auslieferung, Akquisition. Es handelt sich also um noch weiter zu detaillierende Prozesse, will man diese tatsächlich verstehen und verändern.