Ein Sprichwort besagt: «Wenn man es messen kann, kann man es auch managen.» Die Profitabilität eines Unternehmens ist da keine Ausnahme. Aber was bedeutet Profitabilität eines Unternehmens? Und wozu dient sie? Oder allgemeiner formuliert, was ist der Zweck eines Unternehmens? Der gesunde Menschenverstand sagt, dass der Zweck eines Unternehmens darin besteht, Geld zu verdienen. Milton Friedman formulierte diesen Gedankengang in seiner Shareholder-Theorie, wonach das Ziel eines Unternehmens ist, die Rendite des investierten Kapitals zu maximieren.
Diese Theorie ist seit geraumer Zeit in Mode, vor allem, weil sie mit den Vorstellungen der Wall Street von Wirtschaftswachstum übereinstimmt. Sie hat sogar Eingang in die Managementpraktiken von KMU gefunden, manchmal in leicht abgewandelter Form, wie zum Beispiel mittels Fokussierung auf Umsatzwachstum oder Nettogewinn. Leider wird diese Definition des Unternehmenszwecks der eigentlichen Herausforderung nicht gerecht. Sie hat zu einer Reihe von nicht angemessenen Verhaltensweisen zahlreicher Akteure geführt, mit verheerenden Folgen, wie zum Beispiel der jüngste Niedergang von General Electric (Geiles, 2022) zeigt.
Die Herausforderung
Was ist also falsch daran, sich auf die Maximierung des Shareholder-Value zu konzentrieren? Und noch wichtiger: Was ist die richtige Definition des Unternehmenszwecks? Und wie kann und sollte dieser Zweck gemessen werden? Der eindimensionale Shareholder-Value-Ansatz leidet unter Kurzsichtigkeit. Er lässt sich leicht überlisten, zum Beispiel durch Financial Engineering oder den Zukauf von Wachstum mittels Fusionen und Übernahmen. Eine weitere Schwäche ist, dass er die Mitarbeiter als Kosten und nicht als Mehrwert betrachtet. Sein grösster Schwachpunkt ist jedoch, dass der Kunde ausser Acht gelassen wird. Ohne Kunden gibt es keinen Unternehmenszweck, und ohne Unternehmenszweck gibt es keine Profitabilität.
Ausrichtung am Kunden
Peter F. Drucker plädierte dafür, den Kunden in den Mittelpunkt des Unternehmenszwecks zu stellen. Ihm zufolge hängt die Unternehmensleistung weder von irgendjemandem innerhalb des Unternehmens noch von irgendetwas ab, das in der Kontrolle des Unternehmens liegt. Sie hängt von jemandem ausserhalb ab – dem Kunden (Drucker, 2020).
Der Zweck eines jeden Unternehmens
ist es, Kunden zu gewinnen, und nicht, Gewinne zu erzielen. Gewinne sind die Folge der Gewinnung von Kunden. Die Kunden und ihre zu erledigenden Aufgaben bestimmen, worum es in einem Unternehmen geht. Ob ein Kunde gewonnen wird, lässt sich an seiner Bereitschaft messen, für Waren oder Dienstleistungen zu zahlen. Um die Profitabilität eines Unternehmens zu messen, muss daher die Gewinnung von Kunden quantifiziert werden. Führungskräfte tun sich jedoch schwer, diesen Ansatz über Marketing-Schlagworte hinaus in die Tat umzusetzen.
Ein erster Schritt in die richtige Richtung
Unternehmen stellen ihre spezifischen Fertigkeiten und Ressourcen, sowie ihre Wettbewerbsposition, in den Vordergrund. Die kundenzentrierte Denkweise erhält erst seit der Einführung des Net Promoter Score (NPS) von Fred Reichheld (2021) Eintritt in die Unternehmenswelt. Der NPS misst den Prozentsatz der zufriedenen Kunden, die bereit sind, für ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Marke zu werben (siehe Abbildung 1). Die Theorie hinter dem NPS besagt, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Kundenzufriedenheit und Geschäftserfolg, und damit Unternehmensleistung, besteht.
Als eindimensionale Leistungsmessung berücksichtigt der NPS nicht die Komplexität, welche hinter dem Kundenentscheidungsprozess steht. Die Messung einer potenziellen Empfehlung, der NPS, ist nicht mit den tatsächlichen Kaufentscheidungen der Kunden verknüpft. Ob ein solcher kausaler Zusammenhang überhaupt besteht, ist nicht geklärt. Darüber hinaus berücksichtigt die Messung der Kundenzufriedenheit nicht, inwieweit ein Produkt oder eine Dienstleistung dem Kunden hilft, seine Bedürfnisse zu befriedigen.


