Viele Führungspersonen meinen, sie müssten ungeachtet der realen Lage einseitig positive Nachrichten verbreiten, um ihre Mitarbeitenden bei der Stange zu halten. Sie wundern sich, wenn sich dadurch weder der gewünschte Erfolg einstellt noch die Motivation der Mitarbeitenden steigt. Es gilt die Grundhaltung: In einer erfolgsorientierten Welt gibt es keine Krisen, nur Chancen und Herausforderungen. Dies hilft uns, schwierige Zeiten zu überstehen.
Keine Schönfärberei
Doch es darf nicht dazu verführen, alles schönzureden, wie das Beispiel eines KMU zeigt. Die Firma hatte mit ihrem verkaufsstarken Produkt Absatzschwierigkeiten. Als ehemals begeisternder Verkäufer strich der Bereichsleiter immer wieder die Vorteile des Produkts heraus. Als die Verkäufe weiter zurückgingen, begannen die Mitarbeitenden nicht nur am Produkt zu zweifeln, sondern vor allem auch an ihrem Chef, der sich krampfhaft an seine realitätsferne Vision klammerte. Er verlor allmählich durch seine permanente Schönfärberei das Vertrauen und den Rückhalt seiner Mitarbeitenden.
Winston Churchill tat genau das Gegenteil: 1940, mitten im 2. Weltkrieg, wandte er sich als neuer englischer Premierminister mit seiner berühmten Rede ans britische Unterhaus: «Ich habe nichts anzubieten ausser Blut, Schweiss und Tränen.» Diese Rede war in die Geschichte eingegangen, weil Churchill erkannte, dass falsche Hoffnungen nicht nur völlig unpassend gewesen wären, sondern auch Unmut und Widerstand hervorgerufen hätten. Mit dieser Offenheit konnte er auf die Bereitschaft der Menschen zählen, mit ihm die Krise zu überwinden.
Anforderungen an die Führung
Führungspersonen sind nicht nur Gestaltende, sie sehen sich auch verschiedenen Einflüssen und Erwartungen ausgesetzt: Sie müssen Veränderungen vorantreiben, sind aber auch mit äusseren Bedingungen wie zunehmender Konkurrenz oder veränderter Rahmenbedingungen konfrontiert, die sie nicht beeinflussen können. Und zuletzt tragen sie die Hauptverantwortung für Erfolg oder Misserfolg. Wie gelingt es, Vertrauen zu schaffen, wenn sie selbst am Prozess und am Ergebnis zweifeln?
Nicht nur der stetige Wandel bringt Führungspersonen in Bedrängnis. Das Bedürfnis nach mehr Transparenz und die gesteigerte Verantwortung haben zu einer Erweiterung der Anspruchsgruppen von Führungspersonen geführt. Heutzutage zählen auch Mitarbeitende, Geschäftspartner, die Gesellschaft und die Umwelt zu den relevanten Stakeholdern. Diese zu managen, die unterschiedlichen Interessen zusammenzuführen und auszutarieren und gleichzeitig das Ziel im Auge zu behalten, erfordert Durchsetzungsfähigkeit und Fingerspitzengefühl.