Strategie & Management

Digitalisierung l

In kleinen Schritten zum digitalen Unternehmen

Von der Digitalisierung kann auch der Mittelstand erheblich profitieren. Gezieltere und erfolgreichere Verkaufsförderungsaktivitäten sind dafür nur ein Beispiel. Allerdings sind Digitalisierungsprojekte mit Kosten- und Zeitaufwand verbunden und erfordern entsprechendes Know-how. Es empfiehlt sich, Massnahmen in kleinen Schritten umzusetzen.
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Die Digitalisierung durchdringt so gut wie alle Bereiche der Unternehmenswelt. «Digital Companies» wie Uber oder Airbnb zeigen, was mit den neuen IT-Technologien alles möglich ist. Diese Unternehmen sind aber neu gegründet worden und haben daher andere Voraussetzungen als die bestehenden.

Analyse und Bewertung

Es gibt nicht das eine Rezept, das für alle passt. Jedes Unternehmen bringt andere Voraussetzungen mit und hat spezifische Erwartungen. Das eine ist spezialisiert auf Prozessoptimierung, ein anderes verfolgt eine Omni-Channel-Strategie, ein drittes will den Kontakt zu den Kunden intensivieren. Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind nahezu un­begrenzt. Wie und mit welchen Technologien ein Unternehmen seine Geschäftsprozesse am besten digitalisiert, hängt von der Branche und von seinem digitalen Reifegrad ab. Zusammen bestimmen beide Faktoren, wie komplex und kostenintensiv die Digitalisierung sein kann.

Den Wandel anzugehen, ist aber keine einfache Sache. Viele Unternehmen stehen der Herkules-Aufgabe der Digitalisierung hilflos gegenüber, weil sie nicht wissen, wie und wo sie überhaupt starten sollen. Um Fehler zu vermeiden, muss die aktuelle Situation realistisch bewertet werden, und dafür ist Know-how nötig, das dem Mittelstand oft fehlt. Viele kleine und mittelgrosse Unternehmen sind in integrierte sowie unternehmensübergreifende Wertschöpfungsketten eingebettet, die sich durch enge Verbindungen mit Kunden und Lieferanten auszeichnen.

Am Anfang steht daher eine umfassende Analyse der Produktion, der administrativen Bereiche, der Lieferanten- und Kundenbeziehungen, die detailliert aufschlüsselt, welche Potenziale sich durch den Einsatz digitaler Lösungen heben lassen. So benötigt der Handwerksbetrieb zur Steuerung seiner Angestellten beim Kunden ganz andere IT-Technologien als der Einzelhändler, der eine Omni-Channel-Strategie verfolgt. Und eine Steuerkanzlei setzt aufgrund ihrer Kundenanforderungen andere Schwerpunkte als das mittelständische Transportunternehmen, bei dem es vorrangig auf einen hohen Integrationsgrad und die Aktualität von Informationen ankommt.

In zwei Geschwindigkeiten

Das Wissen um die zahlreichen Potenziale darf aber nicht dazu verleiten, zu viel auf einmal zu wollen. Es besteht die Gefahr, durch eine umfassende Neugestaltung das Tagesgeschäft negativ zu beeinflussen. Das Unternehmen muss vielmehr eine IT der zwei Geschwindigkeiten realisieren. Das heisst, einerseits die Systeme für das Tagesgeschäft am Laufen zu halten und auf der anderen Seite durch die Umgestaltung von Prozessen Innovationen voranzutreiben.

Um das zu erreichen, sollte es in kleinen gezielten Schritten vorgehen. Daraus ergeben sich drei Vorteile: Erstens ist die gezielte Digitalisierung einzelner Geschäftsprozesse relativ einfach zu implementieren und lässt sich im Zweifelsfall schnell wieder rückgängig machen; zweitens wirkt sich das schrittweise Vorgehen positiv auf die Akzeptanz der Mitarbeiter aus, da sie die technologische Entwicklung im Unternehmen nicht überfordert; drittens sind die vielen kleinen Schritte besser planbar und schonen obendrein das Budget.

Damit die Digitalisierung nicht scheitert, ist es wichtig, die Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Digitalisierungs-Etappen zu beachten. Es ist beispielsweise Zeit- sowie Ressourcenverschwendung, eine Lösung zur Datenanalyse zu implementieren, wenn die dafür erforderlichen Daten noch nicht integriert sind. Eine Roadmap mit einem konkreten Zeitrahmen, die alle geplanten Digitalisierungs-Schritte enthält, verschafft den nötigen Überblick. Sie zu erstellen, ist aber keine einfache Aufgabe für den Mittelstand. Oft fehlt den Unternehmen das nötige Know-how, um die einzelnen Schritte richtig zu bewerten und in praktikable Lösungen umzusetzen. Es sollte im Zweifel erwägen, einen strategischen Partner in Form eines IT-Dienstleisters zu suchen, der ihm mit seiner Expertise unter die Arme greift.

Einsatz von Cloud-Diensten

Die Digitalisierung der Geschäftsprozesse: Das riecht geradezu nach umfangreichen Investitionen in neue Hard- und Software. Das muss aber nicht sein. Mittlerweile gibt es eine grosse Auswahl an Tools, die aus der Cloud verfügbar sind – Stichwort SaaS (Software as a Service). Beim Einsatz von Cloud-Diensten vermeidet das Unternehmen langfristige Investitionen und zahlt nur für die Nutzung der Applikationen. Das führt zu einer Änderung der Strukturen von kapitalintensiven zu mehr variablen Betriebskosten. Das freigesetzte Kapital kann das Unternehmen dann wieder in den digitalen Geschäftsumbau investieren.

Flexibles Arbeiten zum Start

Besonders in der Startphase ist der Einsatz von Cloud-Diensten vorteilhaft, denn es ist schwer vorherzusehen, wie intensiv die Nutzung der Anwendungen ausfällt und ob sich auch der erwartete Erfolg einstellt. Im Unterschied zu tra­ditionellen IT-Architekturen lassen sich die Cloud-Dienste nach dem Baukastenprinzip nahezu beliebig kombinieren, erweitern und wieder entfernen.

Diese Flexi­bilität und Skalierbarkeit benötigt ein Unternehmen, um sich an neue Bedingungen kostengünstig sowie ohne Zeitverlust anzupassen. Das entlastet den Mittelstand und er kann sich auf die effiziente Neugestaltung von Geschäftsprozessen und -modellen konzentrieren. Das Unternehmen ist damit auch in der Lage, etablierte Geschäftsmodelle zu moder­nisieren sowie schnell neue, digitale Geschäftsmodelle einzuführen. Doch die Einführung neuer IT-Technologien ist nur ein Teil auf dem Weg der Digitalisierung.

Umdenken notwendig

Damit die Umsetzung nicht doch noch scheitert, muss das Unternehmen seine Mitarbeiter für diese Sache begeistern. Die Mitarbeiter müssen den Wandel tagtäglich leben und dazu befähigt werden, ihn umzusetzen, ohne sich verbiegen zu müssen. Neues Verhalten entsteht aber nicht einfach durch die Einführung neuer Strategien, Strukturen und IT-Technologien: Es ist auch eine Veränderung der Unternehmenskultur nötig. Sie gelingt nur, wenn der sogenannte «cultural change» von der obersten Führungsebene mitgetragen wird. Das Unternehmen muss für den Wandel die Grenzen zwischen den Abteilungen kappen, die Organisation anpassen und interdisziplinär vorgehen.

Diese umfangreichen Aufgaben kann es aber wegen der meist knappen Ressourcen kaum leisten. Hilfe erhält es von Digitalisierungs-Spezialisten, die den Veränderungsprozess anstossen und begleiten. Sie führen unter anderem spezielle Workshops durch, bei denen sie zusammen mit Mitarbeitern aus unterschiedlichen Abteilungen Digitalisierungsstrategien entwickeln, lernen, alte Denkweisen über Bord zu werfen und den Kunden in das Zentrum ihrer Bestrebungen zu stellen.

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