Wohl nie mehr werden wir in einer Situation leben wie während der 60 Jahre nach nach dem Zweiten Weltkrieg, als das geopolitische und weltwirtschaftliche Umfeld über Jahrzehnte hinweg stabil war, Unternehmensstrategien mehrheitlich die Fortsetzung des Bestehenden beinhalteten und Berufskarrieren ohne Brüche verliefen. Heute kann quasi über Nacht ein neues Unternehmen auftauchen, welches ganze Branchen umwälzt, bedroht oder gar hinwegfegt. Beispiele hierfür sind die Internet-Vermittlungsdienste Airbnb oder Uber. Mit einer Marktkapitalisierung von über 50 Milliarden Franken ist Uber nur wenige Jahre nach seiner Firmengründung bereits höher bewertet als die Credit Suisse oder die ABB. Airbnb ist bereits höher bewertet als die drei grössten internationalen Hotelketten.
Neue Kompetenzen gefordert
Damit hätte vor zehn Jahren kaum jemand gerechnet. Die Arbeitswelt wird durch die Digitalisierung, Globalisierung und Technologiewandel weiter an Dynamik gewinnen. Berufsleute müssen sich derart ausbilden, dass sie grosse Veränderungen im Umfeld antizipieren können und damit klarkommen. Zusätzlich zur nach wie vor zentralen Fachkompetenz werden künftig verstärkt Gestaltungskompetenzen gefragt sein. Führungskräfte von morgen müssen in Szenarien denken, Strategien entwickeln, mit Dilemmata umgehen und Businesspläne in verantwortungsvoller Weise umsetzen können.
Wissen, Menschen, Kultur und Zusammenarbeit bilden heute nicht nur die mächtigen Kräfte des globalen Business, sondern auch jedes KMU. Wissen und Kompetenz sind wichtiger als Geld, Materie und Energie. Denn Wissen, Erfindungsgeist und Innovationskraft können Engpässe beim Geld, bei der Materie und der Energie überwinden. Der wirklich bedeutende Engpass der Zukunft ist das Unvermögen, Wissen und Kompetenz zu generieren. Angesichts der endlichen Vorkommen bei Öl, bei zahlreichen Rohstoffen, dem Wasser, vielen Grundnahrungsmitteln und der Energie gewinnt diese Aussage an Brisanz.
Wachstumsmärkte
Entwicklungen auf den weltweiten Cleantech-Märkten sind eindrücklich. Costa Rica beispielsweise setzt bei der Stromversorgung auf 100 Prozent erneuerbare Energie, Marokko plant das grösste Solarkraftwerk der Welt, das eine Million Menschen mit Strom versorgen soll und Skandinavien will sich von den Ölheizungen verabschieden.
Entsprechend sind auch bei uns neue Berufe wie der nachhaltige Anlageberater, der Solarinstallateur, der Recyclist oder der Mobilitätsmanager entstanden oder im Begriff, zu entstehen. Das künftige Potenzial von umweltbezogenen Arbeitsplätzen wird von den Vereinten Nationen weltweit auf fünf bis zehn Millionen Jobs im nachhaltigen Bau, dem Energie- und Mobilitätssektor, der Industrie, Forst- und Landwirtschaft und dem Ernährungsbereich geschätzt. Bereits jetzt sind in der Schweiz im erweiterten Umweltmarkt rund 160 000 Menschen beschäftigt. Der WWF Schweiz ortet für die Schweiz ein Potenzial von nochmals zigtausend neuen Stellen.
Der grösste Zuwachs wird in der Baubranche und der Energiewirtschaft erwartet, aber auch die Nahrungsmittelindustrie und die Mobilität sowie umweltspezifische Dienstleister sind zunehmend auf Fachkräfte mit Nachhaltigkeitsrelevanten Kompetenzprofilen angewiesen. Veränderte Konsumbedürfnisse, Klimawandel, Urbanisierung und die Entwicklung in Schwellenländern sind Treiber dieser Entwicklungen. Die entsprechenden Kompetenzen werden bereits kräftig honoriert. Die Zeiten sind passé, als es galt, sich zu entscheiden, an der beruflichen Karriere zu arbeiten und Geld zu verdienen oder einer sinnstiftenden Arbeit mit philanthropischem Touch nachzugehen. Arbeitsplätze mit Bezug zu nachhaltiger Entwicklung bieten heute beides.