Strategie & Management

Aus- und Weiterbildung IV

Gesellschaftlicher Wandel in Richtung Nachhaltigkeit

Kompetenzen für eine nachhaltige Entwicklung sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt wie noch nie. Das entsprechende Stellenangebot ist am Wachsen. Es bietet Karriere, gekoppelt mit Sinnstiftung und entspricht damit der Y-Generation. Ein wachsendes Bildungsangebot erlaubt den Erwerb der notwendigen Kompetenzen. Gute Orientierungshilfen erleichtern die Wahl.
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Wohl nie mehr werden wir in einer Situation leben wie während der 60 Jahre nach nach dem Zweiten Weltkrieg, als das geopolitische und weltwirtschaftliche Umfeld über Jahrzehnte hinweg stabil war, Unternehmensstrategien mehrheitlich die Fortsetzung des Bestehenden beinhalteten und Berufskarrieren ohne Brüche verliefen. Heute kann quasi über Nacht ein neues Unternehmen auftauchen, welches ganze Branchen umwälzt, bedroht oder gar hinwegfegt. Beispiele hierfür sind die Internet-Vermittlungsdienste Air­bnb oder Uber. Mit einer Marktkapitalisierung von über 50 Milliarden Franken ist Uber nur wenige Jahre nach seiner Firmengründung bereits höher bewertet als die Credit Suisse oder die ABB. Airbnb ist bereits höher bewertet als die drei grössten internationalen Hotelketten.

Neue Kompetenzen gefordert

Damit hätte vor zehn Jahren kaum jemand gerechnet. Die Arbeitswelt wird durch die Digitalisierung, Globalisierung und Technologiewandel weiter an Dynamik gewinnen. Berufsleute müssen sich derart ausbilden, dass sie grosse Veränderungen im Umfeld antizipieren können und damit klarkommen. Zusätzlich zur nach wie vor zentralen Fachkompetenz werden künftig verstärkt Gestaltungskompetenzen gefragt sein. Führungskräfte von morgen müssen in Szenarien denken, Strategien entwickeln, mit Dilemmata umgehen und Businesspläne in verantwortungsvoller Weise umsetzen können.

Wissen, Menschen, Kultur und Zusammenarbeit bilden heute nicht nur die mächtigen Kräfte des globalen Business, sondern auch jedes KMU. Wissen und Kompetenz sind wichtiger als Geld, Materie und Energie. Denn Wissen, Erfindungsgeist und Innovationskraft können Engpässe beim Geld, bei der Materie und der Energie überwinden. Der wirklich bedeutende Engpass der Zukunft ist das Unvermögen, Wissen und Kompetenz zu generieren. Angesichts der endlichen Vorkommen bei Öl, bei zahlreichen Rohstoffen, dem Wasser, vielen Grundnahrungsmitteln und der Energie gewinnt diese Aussage an Brisanz.

Wachstumsmärkte

Entwicklungen auf den weltweiten Cleantech-Märkten sind eindrücklich. Costa Rica beispielsweise setzt bei der Stromversorgung auf 100 Prozent erneuerbare Energie, Marokko plant das grösste Solarkraftwerk der Welt, das eine Million Menschen mit Strom versorgen soll und Skandinavien will sich von den Ölheizungen verabschieden.

Entsprechend sind auch bei uns neue Berufe wie der nachhaltige Anlageberater, der Solarinstallateur, der Recyclist oder der Mobilitätsmanager entstanden oder im Begriff, zu entstehen. Das künftige Potenzial von umweltbezogenen Arbeitsplätzen wird von den Vereinten Nationen weltweit auf fünf bis zehn Millionen Jobs im nachhaltigen Bau, dem Energie- und Mobili­tätssektor, der Industrie, Forst- und Landwirtschaft und dem Ernährungsbereich geschätzt. Bereits jetzt sind in der Schweiz im erweiterten Umweltmarkt rund 160 000 Menschen beschäftigt. Der WWF Schweiz ortet für die Schweiz ein Potenzial von nochmals zigtausend neuen Stellen.

Der grösste Zuwachs wird in der Baubranche und der Energiewirtschaft erwartet, aber auch die Nahrungsmittelindustrie und die Mobilität sowie umweltspezifische Dienstleister sind zunehmend auf Fachkräfte mit Nachhaltigkeitsrelevanten Kompetenzprofilen angewiesen. Veränderte Konsumbedürfnisse, Klimawandel, Urbanisierung und die Entwicklung in Schwellenländern sind Treiber dieser Entwicklungen. Die entsprechenden Kompetenzen werden bereits kräftig honoriert. Die Zeiten sind passé, als es galt, sich zu entscheiden, an der beruflichen Karriere zu arbeiten und Geld zu verdienen oder einer sinnstiftenden Arbeit mit philanthropischem Touch nachzugehen. Arbeitsplätze mit Bezug zu nachhaltiger Entwicklung bieten heute beides.

Karriere und Sinnstiftung

Viele Menschen verbringen mehr Zeit am Arbeitsplatz als in ihrem sozialen Umfeld und bei ihren Freizeitaktivitäten. Der
Arbeitsplatz ist für sie deshalb nebst Erwerbsquelle auch Ort, wo sie Spuren hinterlassen, Wirkung erzeugen, Zukunft mitgestalten wollen, wo sie Sinnhaftigkeit in ihrem Wirken finden und wo ihnen Anerkennung dafür zuteil wird. Karriere bedeutet heute für immer mehr vor allem junge Menschen nicht bloss hierarchische Sprossen erklimmen, sondern Kompetenzen erwerben, sich als Persönlichkeit entwickeln und eigene Fähigkeiten bestmöglich zur Wirkung bringen. Klug ist, wer sich heute künftig gefragte nachaltigkeitsrelevante Kompetenzen aneignet. Und klug ist, wer als Arbeitgeber jungen Menschen die Möglichkeit gibt, diese Kompetenzen zu erwerben.

Umwelt und Nachhaltigkeit werden heute in Unternehmen in übergeordnete Managementsysteme integriert. Nachhal­tigkeit, einst eine Charge, welche ein
Par­tikulärinteresse vertrat, welche als Kostenfaktor und als verhindernde, polarisierende Kraft angesehen wurde, welche man am besten an eine technische Fachstelle delegierte, hat im Unternehmen evoluiert hin zur im Extremfall strategischen Kraft des Topmanagements.

Entsprechend hat sich das Profil gesuchter Arbeitskräfte radikal gewandelt, vom einst oft verbreiteten ideologischen, dogmatischen und belehrenden Angehörigen der Heilsarmee des Artenschutzes hin zur visionären, innovativen, professionellen und kommunikativen Person mit fundierten Fach-, Methoden- und Sozialkompetenzen im ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereich. Planung Aufbau, Unterhalt und Auditierung von Umweltmanagementsystemen zum Beispiel erfordern Kompetenzen in Umweltrecht, Umweltmanagement, ein fundiertes Umweltwissen sowie eine grosse betriebliche Umwelterfahrung. Kompetenzen im Bereich General Management und Unternehmensführung gehören ebenso dazu wie Schlüsselqualifikationen im methodischen und kommunikativen Bereich.

Es versteht sich, dass solche Profile nicht einfach im Rahmen einer Weiterbildung entstehen, sondern Produkte einer soliden Grundausbildung mit reicher Branchenpraxis, gezielt ergänzender Weiterbildung und Lernen am Arbeitsplatz darstellen.

Unübersichtliches Angebot

Die heutige Bildungslandschaft bietet ein reiches, rund 300 Bildungsgänge umfassendes Angebot für den Erwerb der genannten Kompetenzen. Zig neue Aus- und Weiterbildungsgänge sind in den vergangenen Jahren auf den Markt gekommen. Es ist ein Wandel von Weiter­bildung in Spezialthemen zu Nachhaltigkeitsbildungen für ganze Handlungs-
felder, zum Beispiel beim Bauen, Energiemanagement, Sozialmanagement, in der Mobilität, auszumachen. Mehr Ausbildungen ermöglichen Bachelor- oder Masterabschlüsse. Diese werden ergänzt mit vielen CAS, MAS, Kurzlehrgängen zu nachhaltigem Bauen, Urbanismus, Mobilität, Sozialmanagement, Tourismus, Finanzwirtschaft. Deren Zulassungsbedingungen werden durchlässiger. Und mehr Bildungsangebote richten sich auch an Interessierte mit nicht akademischer Vorbildung. Damit reagiert die Bildungslandschaft schnell auf veränderte Bedürfnisse unter anderem auch der KMU-Welt.

Investition von Geld und Zeit

Bei der Wahl der geeigneten Weiterbildung ist Sorgfalt angebracht. Weiterbildungen erfordern grosse Investitionen an Geld und – was häufig zu wenig beachtet wird – an Zeit. Falsch investiertes Geld schmerzt, kann aber wieder ersetzt werden. Die in Bildung investierte Zeit kann nie mehr rückgewonnen werden. Kriterien der Wahl sind deshalb nebst der inhaltlichen Ausrichtung die Methodik und die Qualität, die geforderte Vorbildung, die Dauer, die Kosten, der Ort und anderes mehr. Die sorgfältige Auswahl beinhaltet insbesondere die Frage: «Wozu will ich oder soll mein Mitarbeiter nachhaltigkeitsrelevante Kompetenzen erwerben, was will ich damit erreichen und wie gut bereitet eine Aus- oder Weiterbildung auf diese Praxisanforderungen vor – nicht nur bezüglich Wissen, sondern insbesondere bezüglich Umsetzung?».

Der persönliche Kontakt zu den Bildungsinstitutionen und zu ehemaligen Absolventen oder der Besuch einzelner Lehrveranstaltungen erlaubt zusätzliche Schlüsse. Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit Fragen des persönlichen Ziels, den Möglichkeiten des Arbeitsmarktes und geeigneten Bildungsgängen bietet sich eine persönliche Bildungsberatung an.

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