Umgang mit Komplexität und Unsicherheit: Eine hohe Veränderungs- und Anpassungsbereitschaft hat positive Auswirkungen auf den Umgang mit Komplexität und Unsicherheit. Eine Führungskraft etwa, die der Meinung ist, eine Veränderung sei dringend vonnöten, zweckmässig und sinnvoll, baut eine nach vorn gerichtete Umsetzungsenergie auf. Sie will den Veränderungsprozess aktiv gestalten und ist darauf fokussiert, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Sie nimmt zwar respektvoll die Komplexität der Aufgabe wahr, lässt sich dadurch jedoch nicht verunsichern. Führungskräfte hingegen, deren Veränderungsbereitschaft weniger ausgeprägt ist, tendieren dazu, sich auf mögliche Stolperfallen zu konzentrieren und sich von der Grösse der Herausforderung verunsichern zu lassen.
Darum stehen Management und Geschäftsleitung vor der Aufgabe, die Veränderungs- und Anpassungsbereitschaft zu fördern. Dies gelingt, indem die Notwendigkeit des Change und dessen Nutzen für die einzelnen Abteilungen und Menschen betont und kommuniziert werden. Zudem ist die Stärkung der Selbstwirksamkeit erforderlich. Dazu wird den Führungskräften und Mitarbeitenden verdeutlicht, dass sie als verantwortliche Träger der Veränderung einen konkreten Einfluss auf das Gelingen der Transformation nehmen können.
Lernagilität und Selbstreflexion: Transformation benötigt Lernprozesse. Alle Beteiligten sollten bereit und willens sein, sich regelmässig zu hinterfragen und das eigene Denken und Handeln auf den Prüfstand zu stellen. Zudem müssen Fehler als unvermeidliche Entwicklungsschritte auf dem Weg zur Zielerreichung akzeptiert werden.
Mithilfe des Reflexionsvermögens lässt sich eine Lernkultur etablieren, die einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess in Gang setzt. Letztendlich ist es die Selbstreflexion, die eine Lernkultur ermöglicht, ohne die die Transformationsprozesse nicht denkbar sind.
Lernagile Führungskräfte und Mitarbeitende sind sich der Unabschliessbarkeit des Lernens bewusst, das Lernen hört für sie nie auf. Darum sind sie von sich aus bereit, sich in die Selbstreflexion zu begeben und die Ergebnisse der Reflexion zum Ausgangspunkt des nächsten Lernprozesses zu machen. Umgekehrt verlangen sie von dem Unternehmen die individuelle Begleitung der Lernprozesse jedes einzelnen Menschen. Der Aufbau von Lernagilität setzt mithin ein Geben und Nehmen voraus, und damit Strukturen, die ein agiles Lernen ermöglichen, und Menschen, die bereit sind, die lernagilen Chancen zu ergreifen.
Individuelle und organisationale Resilienz: Zu den weiteren unerlässlichen Skills zählt die Resilienzfähigkeit, und zwar auf der individuellen und der organisationalen Ebene. Denn Resilienz ist mehr als nur die Entwicklung personaler Widerstandskräfte. Sie ist vielmehr ein strategisches Ziel, das auf die Stärkung des Unternehmensganzen abzielt.
Dabei gilt so gut wie immer der Zusammenhang: je resilienter die Menschen, desto widerstandskräftiger die Organisation. Wichtige Kraftquelle für Menschen und Unternehmen ist ein stabiles Wertefundament. Gemeinsame Werte ermöglichen es den Beteiligten, an einem Strang zu ziehen.
Schritt 3: Agile Weiterbildungs- und Recruitingmassnahmen
Das Zielbild liegt vor, das Future Skillset, mit dem sich das Zielbild verwirklichen lässt, ist beschrieben. Es fehlt schliesslich noch die zukunftsentscheidende Beantwortung der Frage, wie es gelingt, dass die bereits vorhandenen Führungskräfte und Mitarbeitenden über genau jenes Skillset verfügen und das Unternehmen entsprechend qualifizierte Menschen einstellt.
Gefragt sind agile Weiterbildungs- und Recruitingaktivitäten, die in den Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels den Menschen in den Fokus rücken, mithin ein Talentmanagement etablieren, das die Passgenauigkeit zwischen Position und Stelle auf der einen und den Menschen auf der anderen Seite gewährleistet.
Dabei gilt: Human Relations statt Human Resources. Führungskräfte und auch Mitarbeitende haben ein Anrecht darauf, als Menschen wahr- und ernst genommen zu werden. So ist es zum Beispiel erforderlich, dass Anforderungs- und Qualifikationsprofil zueinander passen, die Menschen ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Weiterbildungsinhalte haben und die Weiterbildungsveranstaltungen konsequent auf die Bedürfnisse der Menschen und die Anforderungen des Unternehmens abgestimmt werden. Das ist mit agiler Weiterbildung gemeint.
Agiles Recruiting bedeutet eine Ausweitung des Recruitingprozesses, der sicherstellt, dass der richtige Mitarbeitende am richtigen Arbeitsplatz tätig ist. Im Mittelpunkt des Einstellungsprozederes stehen ausführliche Interviews, um die erwähnte Passung zu garantieren. Und durch die Professionalisierung der Onboardingphase ist die rasche Anpassung zwischen den Kompetenzen und Potenzialen eines Bewerbers sowie den Anforderungen des Arbeitsplatzes gegeben.
Schritt 4: Kontinuierliche Evaluierung
Agile Vorgehensweisen erfordern eine permanente Überprüfung und Bewertung des eingeschlagenen Weges. Das gilt für das agile Arbeiten ebenso wie für agile Lernprozesse und agile Weiterbildungs- und Recruitingmassnahmen.
Das realistische Zielbild (siehe Schritt 1) sollte nur wenn unbedingt nötig verändert oder angepasst werden. Das Skillset und die Weiterbildungs- und Recruitingprozesse in den Schritten 2 und 3 hingegen bedürfen der ständigen Neujustierung.