Wenn man von den vielen kleinen Details in der Geschichte erfolgreicher Unternehmen absieht, so haben diese zumindest drei Dinge halbwegs richtig gemacht und zwei Fallen vermieden. Der wichtigste Erfolgsfaktor ist und bleibt eine gelebte Unternehmensstrategie. Gemeint sind aber keineswegs die strategischen Ziele. Diese haben die meisten Unternehmen, auch bei den KMU, und können trotzdem scheitern. Eine fundierte Unternehmensstrategie liefert viel grundlegendere Antworten als Ziele, die im Jahrestakt ändern. Im Zentrum stehen hier die beiden nachfolgenden Fragestellungen.
Erstens, für welche Werte steht das Unternehmen? Erfolgreiche KMU scheuen hier nicht eine bewusste Abgrenzung und damit eine konsequente Positionierung im Markt. Sie erkennen, wie wichtig es ist, einen klaren Wert in den Köpfen der Kunden zu besitzen. Dies ist deswegen so entscheidend, damit die Kunden den Kauf ihrer Produkte und Dienstleistungen auf Basis eines wertorientierten Entscheids treffen und nicht aus reinem Zufall. Letzteres hat zur Folge, dass Produkte und Leistungen austauschbar sind gegenüber den Mitbewerbern und nur noch der Preis eine Rolle spielt.
Wir alle kennen das aus dem Alltag. Wir vertrauen Firmen und Marken und bleiben diesen treu, wenn sie unser Wertebedürfnis befriedigen. Ob dies Werte sind wie Qualität, Innovation, Preis oder Individualität, entscheidet aber jeder für sich selbst. Unternehmen, welche sich in ihren Werten unklar positionieren, verlieren früher oder später unser Vertrauen.
Die zweite Frage der Unternehmensstrategie lautet: Welchen differenzierenden Kundennutzen stiftet das KMU mit seinen Produkten und Leistungen? Dies hat einen direkten Zusammenhang mit den Werten in der Positionierung, stellt aber die Bedürfnisse aus Sicht der Kunden in den Mittelpunkt. Wichtig ist, die allgemeinen Werte aus der Positionierung zu präzisieren. Worin liegt der konkrete Nutzen bei einer hohen Qualität, ein tiefer Preis oder sehr individuell zugeschnittene Produkte? Erst da, wo man die tieferliegenden Bedürfnisse der Kunden versteht oder vielleicht sogar noch unbekannte Bedürfnisse entdeckt, wie dies Apple gemacht hat, kann ein differenzierender Kundennutzen entstehen. Unternehmen, die lediglich die allgemein gehaltenen Werte aus der Positionierung auf die Spitze treiben, operieren am Kunden vorbei. Es wird eine so hohe Qualität produziert, die niemand braucht, oder ein preisgünstiges Produkt hergestellt, das den Anforderungen der Kunden nicht mehr entspricht, oder eine Individualität angeboten, die nicht mehr bezahlbar ist.
Strategische Umorientierung
Auch hier braucht es Mut und eine Konsequenz von der Unternehmensführung, welche die Produkte und Leistungen des Unternehmens auf einen klar erkennbaren sowie möglichst differenzierbaren Kundennutzen ausrichtet. Wer sich das nicht traut, entwickelt und produziert Produkte, die letztendlich in keinem der potenziellen Kundensegmente dauerhaft überzeugen können.
Der zweite Erfolgsfaktor für den dauerhaften Unternehmenserfolg ist eine logische Folge aus dem ersten. Eine gut definierte Unternehmensstrategie muss im operativen Alltag umgesetzt werden. Hier wird häufig wieder auf die Definition strategischer Ziele verwiesen. Sicherlich richtig und wichtig, aber aufgrund der jährlichen Anpassungen sind die Ziele auch in diesem Fall zu wenig nachhaltig prägend.
Einen wesentlich grösseren Einfluss auf die Umsetzung der Unternehmensstrategie hat deren Implementierung in die Geschäftsprozesse. Dabei geht es bei Weitem nicht nur um eine kontinuierliche Optimierung der Prozesse, sondern um eine sehr bewusste, strategieorientierte Gestaltung. Im Mittelpunkt stehen wieder die Werte der Positionierung und der Kundennutzen zur Differenzierung. Entscheidend ist, wie es dem Unternehmen gelingt, Aktivitäten, Regeln, Wissen, Informationen und Strukturen innerhalb der Geschäftsprozesse so zu vernetzen und zu nutzen, dass diese eine möglichst wirksame, aber gleichzeitig auch wirtschaftliche Umsetzung der Strategie mit Ausrichtung auf den Kunden ermöglichen.
Beispiele dazu findet man in der Praxis überall. Sei es zum Beispiel Unternehmen wie McDonald’s, Swatch (Uhren) oder Aldi, welche aufgrund hochstandardisierter und optimierter Prozesse preisgünstige Produkte und Leistungen anbieten können. Die Firma Hilti in Liechtenstein, welche auf Basis ausgeprägter Kundenbeziehungsprozesse wichtige Informationen für die Produktentwicklung erhält, um gezielt und rasch neue Kundenbedürfnisse zu befriedigen beziehungsweise Qualität und Funktionalität ihrer Produkte zu verbessern. Die Firma Stadler Rail, die ihre Prozesse zur Entwicklung und Auftragsabwicklung so gestaltet, dass ihre Kunden möglichst individuelle und innovative Lösungen erhalten. Vergleichbares findet man ebenfalls bei anderen erfolgreichen KMU, auch wenn dort die strategische Prozessgestaltung weniger bewusst als viel mehr intuitiv erfolgt.
