Glaubwürdigkeit und Vertrauen
Hohe Managergehälter und Boni lassen sich nicht durch längeres und härteres Arbeiten rechtfertigen, sondern vielmehr durch besondere Fähigkeiten. Dazu gehören neben einer umfassenden Ausbildung, Branchenerfahrung und Sozialkompetenz vor allem die Fähigkeiten, richtig zu kommunizieren, mit hohem Druck, immer wieder neuen Anforderungen und Rahmenbedingungen sowie mit unangenehmen Entscheidungen umzugehen und nicht zuletzt hohe Verantwortung, auch für andere, zu tragen.
Ein zentrales Thema in diesem Kontext ist die Glaubwürdigkeit. Sie basiert auf Transparenz und entsteht durch die Berechenbarkeit des Handelns sowie die Kongruenz zwischen Reden und Handeln, was die Amerikaner salopp «walk the talk» nennen! Damit wird die Voraussetzung geschaffen, die Richtung vorzugeben und übergeordnete Ziele (Mission, Vision, Werte, Strategien usw.) glaubhaft zu kommunizieren. Die Absicht ist, die Mitarbeitenden für herausragende Leistungen, zum Nutzen
aller Beteiligten, zu gewinnen. Loyalität und Vertrauen kann man nicht kaufen, sie sind das Produkt emotionaler Prozesse. Sie sind so fragil wie der Flügel eines Schmetterlings, gehören aber zu den wichtigsten Assets einer Organisation.
Es ist daher kein Zufall, dass Top-Manager ihre Sessel räumen müssen, wenn systemgefährdende Fehler passieren. Eines der jüngsten Opfer ist Oswald Grübel, der als CEO der UBS zurücktreten musste, weil sich ein Händler um zwei Milliarden Dollar verspekulierte. Wenn in Organisationen Fehlleistungen solcher Tragweite möglich sind, wird die Verantwortung meistens der obersten Führung zugeordnet. Kompetenzen und Verantwortung müssen funktions- und stufengerecht zugeordnet und moralisch vertretbar sein.
Excellence als Kultur
Führungskräfte sind Treiber und Kulturgestalter zugleich. Erfolge und Misserfolge sind Symptome, deren Ursachen in aller Regel in den Bereichen Führungskompetenz und Führungsqualität zu finden sind. Die Aufgaben und Aktivitäten ganzheitlicher Unternehmensführung und -entwicklung können unter dem Begriff «Business Excellence» zusammengefasst werden. Excellence im unternehmerischen Sinn zielt auf das Erreichen herausragender Ergebnisse (Mitarbeiter-, Kunden-, gesellschaftsbezogene sowie Leistungs- und Finanzergebnisse) zur nachhaltigen Verbesserung der Wettbewerbsstärke ab. Und dies alles unter angemessener Berücksichtigung der Interessen der wichtigsten Interessen- bzw. Anspruchsgruppen.
Kultur aktiv gestalten
Dass nachhaltig herausragende Ergebnisse nur im Team, das heisst mit dem Engagement und dem Einsatz aller beteiligten Führungskräfte und Mitarbeitenden erreicht werden können, versteht sich von selbst. Und genau hier liegt der Knackpunkt. Mitarbeitende geben alles, wenn:
- sie als Menschen geachtet, respektiert und in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung unterstützt und gefördert werden;
- sie ihren Fähigkeiten und Neigungen entsprechend eingesetzt werden;
- das, was sie tun, Sinn macht und ihren Werten entspricht;
- die Kompetenzen und Handlungsspielräume in der Balance mit den ihnen übertragenen Aufgaben und Verantwortungen stehen;
- sie in die Problem- und Zieldefinition sowie die Lösungsentwicklung und -umsetzung einbezogen werden;
- ihre Leistungen anerkannt werden und sie angemessen (materiell und emotional) am Erfolg partizipieren.
Menschen führen ist wohl eine der edelsten, aber auch anspruchsvollsten Aufgabe. Führungskräfte, die zu viel mit sich selber zu tun haben, mit ihren Aufgaben überfordert sind, im Tagesgeschäft versinken, selber Teil des Problems, statt Teil der Lösung sind, tun sich mit dieser Aufgabe schwer. Erfolgreiche Führungskräfte sind keine Halbgötter, sondern integre Persönlichkeiten mit Sozial- und Fachkompetenz und nicht selten mit viel Erfahrung und einem starken Charisma.
Führungskräfte gestalten eine Kultur der Excellence, was nach der Forderung ruft, die Mitarbeitenden zu Höchstleistungen zu bringen. Excellence fordert unter anderem eine hohe Systematik in allen Methoden und Vorgehen, die ständige Verbesserung (Plan, Do, Check, Act) sowie eine hohe Leistungs- und Ergeb-nisorientierung. Wie im Sport gelingt dies nur, wenn Teams optimal (effizient und effektiv) zusammenarbeiten. Dies zu erreichen gehört zu den wichtigsten unternehmerischen Aufgaben überhaupt. Die Ringier AG hatte vor Jahren im Rahmen einer Kampagne zur Verbesserung der Führungskompetenz Plakate mit der Aufschrift «Chef sein, nicht Chef spielen!» im Betrieb aufgehängt. In diesem Sinne könnte die tägliche Frage «Wie kann ich meine Mitarbeitenden erfolgreich machen?» der Schlüssel zur Lösung sein!