Diese Phase des Markteintritts ist die spannendste Phase, da man den Ertrag der Arbeit praktisch miterleben kann. Bevor man jedoch in diese letzte Etappe einsteigt, ist es ganz wichtig, einen dauerhaften Qualitätsentscheid zu treffen, denn als wichtigstes Erfolgskriterium in der Umsetzungsphase gilt die Ausdauer. Die Umsetzungsphase ist in einem gewissen Sinne vergleichbar mit einem Hürdenläufer. Je besser dieser die Hürden kennt und analysiert hat, je weniger Fehltritte und Verletzungen sind generell zu erwarten.
Langen Atem beweisen
Je gründlicher die Vorbereitung, je müheloser sollte der Lauf vonstatten gehen. Das Erscheinen am Start setzt einen vorgängigen Entscheid fest, diese Herausforderung auch wirklich annehmen zu wollen. Was nach dem Startschuss abgeht, ist primär eine Frage der Beharrlichkeit; die Ziellinie wird früher oder später erreicht werden.
In unserer Tätigkeit in «International Business Development» können wir diesen Sachverhalt anhand vieler konkreten Ereignissen untermauern. Ein Schweizer Unternehmer hatte sich zum Beispiel verhältnismässig gut vorbereitet. Die Auslandstrategie machte für ihn und seine Firma geschäftlich sehr viel Sinn. Er entschied sich jedoch, gleich zu Anfang die Expansion unter Hochdruck voranzutreiben, statt sein vorhandenes Kapital und Energie über eine längere Zeitdauer zu verplanen. Als nach einem Jahr noch keine schwarzen Zahlen vorlagen, begann er an sich und seiner Firma zu zweifeln. Als dann auch noch die flüssigen Mittel knapp wurden, entschied er sich, das Handtuch verfrüht zu verwerfen. Selbst Jahre danach kommen immer noch Kundenanfragen, doch leider gibt es die ursprüngliche Tochterfirma nicht mehr, welche zur Abwicklung dieser Aufträge notwendig gewesen wäre.
Im gegenteiligen Fall wollte ein Schweizer KMU ihr Produkt in der lukrativen kanadischen Öl- und Gasindustrie verkaufen. Trotz anfänglich vielen Widerständen im Zielmarkt und gleichzeitig firmeninternen Schwierigkeiten gab dieser Unternehmer nie auf. Die kontinuierlichen Inputs aus dem Zielmarkt führten letztendlich dazu, dass nicht nur sein Produkt marktgerecht weiterentwickelt werden konnte, sondern sogar eine gesamte Produktlinie daraus hervorging. Das dabei eröffnete Marktpotenzial, in einem der kapitalstärksten Industrien überhaupt, steht in keinem Verhältnis zu den vorangegangenen Jahren der Beharrlichkeit. Es ist immer ein Balanceakt zwischen vorwärtspressen und beibehalten einer gewissen Sensitivität gegenüber reellen Widerständen. Doch einmal überwundene Widerstände stellen wichtige Etappenziele dar, wo mögliche Konkurrenten vorgängig aufgegeben haben.