Wir stellen uns vor, wie der Störschreiner oder der Kaminfeger mit ihren Utensilien per Fahrrad oder mit dem ÖV ihre Aufgaben wahrnehmen sollen – geht schlicht nicht. Oder was ist, wenn der Taxifahrer mit der Rikscha vorfährt, der Dachdecker eine ferngesteuerte Drohne für die Dachreparatur einsetzt oder der Liegenschaftsdienst mit Rollschuhen im Treppenhaus unterwegs wäre? Es gäbe noch viele abstruse Möglichkeiten, aber Tatsache ist: Um optimal funktionieren zu können, benötigen Unternehmen unterschiedliche Fahrzeuge.
Unternehmen starten häufig mit bloss einem Mitarbeiter, jenem, der die Idee dazu hatte. Während Handwerksbetriebe meist langsam wachsen, nehmen Start-ups der Internet- oder IT-Branche eher recht schnell Fahrt auf. Handelt es sich dabei nicht um ein Unternehmen, das sich auf Auto-Abonnemente spezialisiert hat, müssen recht zügig Fahrzeuge angeschafft werden, sollen die Mitarbeitenden mobil bleiben. Weil jedoch Banken bei der Vergabe von Krediten entsprechende Anfragen häufig kritisch hinterfragen, beschaffen sich die einen ihre Liquidität durch Crowdfunding. Andere suchen potente Geldgeber in grossen Unternehmen, Versicherungen oder bei Investoren.
Antriebe im Fokus
Bei der Fahrzeugwahl stellt sich heute als Frage Nummer eins: Sollen es eher thermisch betriebene, hybride oder elektrische Fahrzeuge sein? In einer Zeit, in der Klimawandel, CO₂-Problematik und nicht zuletzt auch der Fussabdruck der Unternehmung eine grosse Rolle spielen, kann dieser Entscheid sogar über Erfolg oder Misserfolg wichtige Impulse setzen. Benzin- und Dieselautos kennen alle, sie begleiten uns seit «ewigen» Zeiten. Die Hybridmodelle (HEV) haben den Vorteil, dass der thermische Antrieb durch einen Elektromotor unterstützt wird und so eine fast «unbegrenzte» Reichweite erzielt wird. Nachladbare Hybride bringen allerdings nur Vorteile, wenn sie regelmässig an den Strom angeschlossen werden können, denn ihre elektrische Reichweite liegt bei durchschnittlich bloss 40 km. Auf langen Reisen ohne neuen Strom werden sie rasch zu normalen Fahrzeugen, allerdings mit erhöhtem Verbrauch und geringerer Leistung.
Bereits heute gibt es in allen Fahrzeugsegmenten inklusive der leichten Nutzfahrzeuge Angebote mit rein elektrischem Antrieb. Sie sind in Innenstädten sowie in Agglomerationen sehr sinnvoll, weil ein dichtes Netz an Ladestationen in der Schweiz sicherstellt, dass sie heute immer wieder geladen werden können.
Reichweiten gut managen
Die Verbrauchsnorm, nach denen sie gemessen werden, heisst WLTP (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure). Es ist die gleiche wie für alle anderen Autos auch und wurde 2018 eingeführt. Während sie für Verbrennerfahrzeuge realistischere Werte bringt, entscheiden bei den Elektroautos auch die Topografie, die Aussentemperatur und die Beladung neben dem Fahrerfuss, wie hoch der Stromverbrauch ausfällt.
Nach unseren Erfahrungen klaffen die WLTP-Werte bei Elektroautos und die real erzielbaren Reichweiten weiter auseinander. Dies weil die Fahrzeuge von den Herstellern natürlich unter idealen Voraussetzungen gemessen werden: 20 Grad Aussentemperatur, nur nötigste Zuladung, schmalste zugelassene Reifen. Allein die Temperatur von nur 0 Grad Celsius bewirkt einen markanten Rückgang der Reichweite. Zudem sind im Winter meist die Scheinwerfer, die Heckscheibenheizung und die Innenraumheizung eingeschaltet.
Als Faustregel können darum bloss zwischen 60 und 70 Prozent des WLTP-Wertes auch unter realistischen Bedingungen herausgefahren werden. Das heisst, aus einer Reichweite von 560 km WLTP werden dann bloss noch etwa 340 km. Mit anderen Worten: WLTP-Werte können nur untereinander verglichen, dürfen aber nicht auf die Strasse übertragen werden.
Längere Reisen mit Elektrofahrzeugen verlangen zudem eine gute Planung. So kann etwa ein Essenshalt vorverlegt oder nach hinten geschoben werden. Schnelllader mit hohen Stromflüssen existieren praktisch nur auf den Autobahnen. Allerdings ist hier der Strom markant teurer als an anderen Ladepunkten. Zudem können nicht überall die hierzulande gängigen Aktivierungskarten oder -badges eingesetzt werden. So werden bei Fastned beim Parkplatz Suhr die Abrechnungssysteme Move und We Charge nicht anerkannt.
Der Wasserstoffantrieb
Bleibt noch eine zukunftsträchtige Energie zu erwähnen: der Wasserstoff H₂. Das im Universum und auch auf der Welt häufigste chemische Element muss allerdings aufwändig aus dem Wasser, in dem es meist gebunden ist, gewonnen werden. Wegen seiner Explosivität muss gasförmiger Wasserstoff für den Tankvorgang in Brennstoffzellen-Fahrzeugen jedoch gekühlt werden.
Trotzdem dauert der Tankvorgang nicht länger als mit flüssigem Treibstoff. In der Brennstoffzelle wird der Wasserstoff in Strom und Wasser umgewandelt. Gefahren wird elektrisch, aus dem Auspuff tritt bloss Wasser aus.
Zurzeit sind in der Schweiz neun Wasserstofftankstellen in Betrieb und eine in Planung. In Hunzenschwil (AG), St. Gallen, Zofingen (AG), Rümlang (ZH), Rothenburg (LU), Crissier (VD), Geuensee (LU), Bern und Müntschemier (BE) sowie bald auch in Frenkendorf (BL) kann der Hydrospider-Wasserstoff getankt werden.
Bewirtschaftungsangebote
Nehmen wir einmal an, dass das Handling von bis zu zehn Fahrzeugen noch «inhouse» bewerkstelligt werden kann, sieht die Sache bei 20 oder mehr Fahrzeugen schon ganz anders aus. Darum bieten die Leasingfirmen von Importeuren – etwa Multileasing der Emil Frey AG mit rund 25 Marken –, aber auch markenunabhängige Gesellschaften in der Regel unterschiedliche Pakete an.
Diese gipfeln in Rundum-Sorglos-Angeboten, die auch von den Auto-Abonnementen wie Carvolution her bekannt sind. Entsprechend den heutigen sehr tiefen Zinssätzen ist es nicht verwunderlich, dass diese auch auf die Investitionssumme für Autos angewendet werden.
Darum ist auch zu prüfen, ob ein Bankdarlehen eventuell sinnvoll sein könnte. Die Flotte kann dann durch eine der vielen Apps, die es inzwischen gibt, im Überblick behalten werden. Ford beispielweise bietet seinen Flottenkunden eine ganze Reihe telematischer Lösungen, um den Geschäftsbetrieb und den Fahrzeugeinsatz zu optimieren, ohne die Mitarbeiter allzu eng an die Leine zu nehmen.
Dazu gehört unter anderem «Autosense». Das Schweizer Unternehmen arbeitet mit Migrol, Amag, Swisscom und Zurich Versicherungen zusammen, doch lässt sich das System in praktisch alle Fahrzeuge mit OBD-Stecker implementieren. Das verspricht Autosense: «Wir bauen das Flottenmanagement der Zukunft schon heute. In einem modularen Portal stehen die Fahrzeugdaten für eine wirtschaftliche Flottenbewirtschaftung zur Verfügung – digital, sicher und datenschutzkonform. Unsere Lösungen lassen sich einfach und schnell an jede Flottengrösse und Nutzungsart anpassen.»
Mit der Autosense-App können etwa die Tankvorgänge komplett digital abgewickelt werden. Der Vorgang ist ganz einfach: App herunterladen, registrieren, Kreditkarte oder Migrol Card hinterlegen und schon kann es losgehen. Im Fahrzeug wird ein Adapter installiert, der je nach den gewünschten Funktionen zwischen 69 und 119 Franken kostet.
Auch für Elektrofahrzeugflotten gibt es Lösungen wie die Marke «Volton». Sie ist ebenfalls unter den Fittichen der Amag und bietet Geschäfts- und Flottenkunden umfassende Beratung hinsichtlich Fahrzeugen (VW, Audi, Seat und Škoda), Ladeinfrastruktur, Finanzierung oder Fleet Management, inklusive Lade- und Abrechnungslösungen. Das Geschäftsmodell wird derzeit in Pilotprojekten für die Markteinführung vorbereitet.

















