Strategie & Management

Führung und Selbstmanagement

Einsamkeit an der Spitze – warum Führung Sparring braucht

Der Alleingang an der Unternehmensspitze ist riskant. Führungskräfte fühlen sich oft einsam. Um sich ein Stück weit aus dieser Isolation zu befreien, kann ein externer Sparringspartner, der frei von eigenen Interessen ist, neue Perspektiven eröffnen und mit ehrlichem Feedback zur Reflexion beitragen.
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Es ist einsam an der Spitze. Nicht nur für Extrembergsteiger, sondern auch für CEOs und Führungskräfte. Mit jedem Höhen­meter wird die Luft dünner und das Umfeld stiller. Das Selbstverständnis vieler Führungskräfte ist geprägt vom Anspruch, alles zu wissen und alles zu können. Schwäche zu zeigen, kommt kaum infrage. Wer Schwäche zeigt, riskiert seine Stellung, und Hilfe zu erbitten würde bedeuten, sich einzugestehen, dass man nicht weiterkommt. Deshalb verharren viele im inneren Modus «Ich schaff das schon». Oft wird die eigene Einsamkeit gar nicht bewusst wahrgenommen oder überdeckt durch das Gefühl, unersetzbar zu sein. Dabei ist diese Distanz riskant, denn die Forschung zeigt, dass ein Grossteil der Entscheidungen im emotionalen Teil unseres Gehirns entsteht. Wer seine eigene Gefühlswelt nicht kennt, trifft Entscheidungen über Entlassungen, Investitionen oder Strategien auf einer unbewussten Grundlage, mit potenziell gravierenden Folgen.

Warum Führung oft isoliert

Bis zu einem gewissen Grad gehört Einsamkeit zwar zum Führungsprofil, weil es auf höchster Ebene viele streng vertrauliche Informationen gibt, die nicht geteilt werden dürfen – etwa Budgetentscheidungen oder Stellenabbau nach einer Fusion. Rollen, Verantwortlichkeiten und Abhängigkeiten begrenzen zudem, mit wem sensible Themen offen besprochen werden können. Gegenüber Mitarbeitenden wollen viele Manager zudem ungern zugeben, dass sie eine Situation nicht vollständig überblicken.

Hinzu kommt eine mitunter lähmende Skepsis: Wer will mich ausnutzen oder manipulieren? Führungskräfte werden ständig mit Interessen konfrontiert, deren Motive sie schwer einschätzen können. Will ein strategischer Lieferant etwa bessere Konditionen oder wechselt er ­bereits zum Wettbewerber? Solche versteckten Agenden erschweren Vertrauen und verstärken die Isolation. 

Wenn Kontakt verloren geht

Führungskräfte sind in ihrer Struktur oft ungeduldig, stark zielorientiert und dominant, und für tiefe Gespräche, die Vertrauen schaffen, bleibt im Arbeitsalltag wenig Raum. Austausch findet vor allem auf der Ebene von Fakten und Logik statt, so wurden sie ausgebildet. Über Sorgen und Gefühle zu sprechen, hat selten Platz – und schon gar nicht im Management-Meeting. 

Fehlt jedoch ehrliches und regelmässiges Feedback, werden kritische Hinweise nicht ausgesprochen und die Ideen der Mitarbeitenden nicht umgesetzt, dann entwickelt sich die Organisation nicht weiter. Der Abgasskandal bei Volkswagen zeigt exemplarisch, welche Folgen das haben kann. Technische Probleme wurden im Mittelmanagement aus Angst vor Konsequenzen nicht offen kommuniziert. Unrealistische Ziele konnten nach oben nicht infrage gestellt werden – auch aufgrund des hohen Qualitätsanspruchs im Premiumsegment. Fehlentwicklungen blieben lange verborgen, und Produktrückrufaktionen zogen massive wirtschaftliche Folgen nach sich. 

In solchen Kulturen des Schweigens und gegenseitigen Misstrauens verliert die Führung den Kontakt zur Organisation. Die betriebswirtschaftlichen Konsequenzen sind spürbar: Die Leistung sinkt, der Krankenstand geht hoch, Mitarbeiter verlassen das Unternehmen, was die Kosten für die Neubesetzung in die Höhe treibt. Hinzu kommt, dass die Kreativität als Bremsklotz für Innovationen verloren geht, weil bei wichtigen Themen kein ehrliches Brainstorming stattfindet. Ideen im Austausch zu generieren, ist aber gerade jetzt in Zeiten der Rezession so wichtig, um das Geschäft am Laufen zu halten oder zu retten.

Führung braucht Feedback

Trotzdem treffen viele Führungskräfte Entscheidungen weiterhin allein, insbesondere bei kritischen Themen wie Organisationsveränderungen, Unternehmensstrategie oder Entlassungen. Sie stecken dabei im Glauben fest, dass das gemäss ihrer Rolle von ihnen erwartet wird. Unter Stress führt diese Haltung allerdings oft zu suboptimalen Entscheidungen. 

Ein Beispiel: Ein langjähriger Mitarbeiter wird aus Loyalität nicht entlassen, obwohl ein neuer, digitalaffiner Kollege den anstehenden Wandel womöglich besser voranbringen könnte. Führungskräfte sind Teil des Systems und damit nie vollständig frei von interner Unternehmenspolitik. Auch vertreten sie genauso wie Mitarbeiter ihre eigenen Interessen und können daher oft keine neutralen Entscheidungen treffen. 

Ein externer und unvoreingenommener Sparringspartner, der selbst als Führungskraft tätig ist oder war, bringt die nötige Distanz zum System mit. Auch kann er das Verhalten spiegeln und ein ehrliches Feedback geben – vorausgesetzt, die Führungskraft ist bereit, es anzunehmen.  

Der Körper als Kompass

Für den Sparringspartner geht es im ersten Schritt darum, zuzuhören und Fragen zu stellen, die es erlauben, Emotionen zuzulassen und Bedürfnisse zu äussern. Führungskräfte erkennen im Dialog, welchen Wert ehrliches Feedback und unterschiedliche Perspektiven ihrer Mitarbeiter für die Entscheidungsfindung haben. Auch hinderliche Glaubenssätze werden sichtbar, etwa «Nur wenn ich Leistung bringe, bin ich wertvoll», die der vertrauensvollen Beziehung zu anderen häufig im Weg stehen. Solche Überzeugungen lassen sich nicht allein kognitiv verändern, weil sie im Körper verankert sind. Der Körper speichert Überzeugungen und mitunter traumatische Erfahrungen oft als Spannungsmuster im Nervensystem. Körperbasiertes Mentoring nutzt diese Verbindung zwischen Geist, Emotionen und Körper, um psychische Erschöpfung und mentale Blockaden über bewusste Wahrnehmung und Regulation des Nervensystems zu lösen. 

Zentral für die Wirksamkeit ist dabei die Integration von Körperarbeit, die sich am gewünschten inneren Zustand orientiert. Ein Beispiel: Möchte eine Führungskraft mehr Nähe zu ihren Mitarbeitenden zulassen, identifiziert sie zunächst, wo sich die innere Blockade körperlich zeigt, etwa als Druck in der Brust oder Anspannung im Bauch. Anschliessend aktiviert sie gezielt einen gewünschten Zustand wie Offenheit oder Vertrautheit und stabilisiert ihn über bewusste Atmung. Durch mentale Anker und Wiederholung verankert das Gehirn dieses neue Reaktionsmuster, sodass sie in ähnlichen Situationen authentischer und souveräner reagieren kann.

Führung braucht Regeneration

Schlechter Schlaf und wenig Energie für das Privatleben prägen den Alltag vieler Führungskräfte. Es gilt herauszufinden, was Energie gibt und was Energie raubt. Aktivitäten, die Kraft spenden, etwa Golf spielen oder ein Tanzkurs mit der Partnerin, werden bewusst in den Alltag integriert. Auch Rituale, die helfen, besser abzuschalten und zu schlafen, werden festgelegt. Das kann für den einen ein digitaler Detox – keine Calls oder E-Mails mehr nach 18 Uhr – und für den anderen ein abendlicher Spaziergang sein. 

Es gilt, die Einsamkeit ein Stück weit zu akzeptieren und zugleich ihren Wert zu erkennen, denn Momente der Stille sind oft Momente der Klarheit und Gestaltungsfreiheit. Hilfreich ist es, das gewohnte Umfeld gelegentlich zu verlassen, etwa durch Wandertouren, einen mehrtägigen Aufenthalt in einem Schweigekloster oder gezielte Regenerationsmethoden wie Indoor-Höhentraining oder Infrarot-Sauna. Solche persönlichen Rückzugsorte schaffen Distanz zum Tages­geschäft und helfen, den Energietank wieder aufzufüllen. 

Führungskräfte, die wieder Zugang zu sich selbst finden, entwickeln positive Energie und Vertrauen in die eigene Kraft, die es zur Umsetzung herausfordernder Projekte braucht. So schaffen sie die Basis, nicht nur gut zu führen, sondern ihr Unternehmen stark und zukunftsfähig zu machen.

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