Viele Schweizer Industrieunternehmen sind in ihrem Marktsegment Technologie- und Qualitätsführer. Durch das zunehmende Outsourcing von Wertschöpfungsaktivitäten sind die Hersteller jedoch auf kompetente Lieferanten angewiesen, um immer wieder höhere Qualitätsstandards zu setzen und Produktinnovationen voranzutreiben. Leider gelingt es dem Einkauf aber nicht immer, das Potenzial der Lieferkette optimal zu nutzen. Dies beginnt bereits bei der Auswahl geeigneter Zulieferer. Die vom Lieferanten erbrachte Leistung muss für das einkaufende Unternehmen insgesamt wertschaffend sein und dessen Kernkompetenzen komplementieren. Daher ist insbesondere ein zu starker Fokus auf die Beschaffungskosten häufig kontraproduktiv, wenn eigentlich innovative Lieferanten mit hohem Qualitätsstandard benötigt werden.
Eine Studie des Lehrstuhls für Logistikmanagement der ETH Zürich in Kooperation mit dem Fachverband für Einkauf und Supply Management, «procure.ch», hat hierzu das Einkaufsverhalten von Schweizer Unternehmen genauer untersucht. Im Kern der Studie ging es darum, inwieweit das operative Einkaufsverhalten mit einer qualitäts- und innovationsorientierten Unternehmensstrategie in Einklang steht. Über 200 Entscheidungsträger von Unternehmen in der Schweiz konnten als Teilnehmer für die Studie gewonnen werden. Davon war die Mehrheit in den Bereichen Einkauf und Supply Chain Management tätig (76 %) und besetzten Führungspositionen (85 %) in ihren Abteilungen oder Firmen. Am stärksten vertreten waren Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau (28 %) sowie der Elektronik- und Medizintechnikbranche (13 %).
Ausrichtung und Marktumfeld
Die strategische Grundausrichtung der Unternehmen wurde anhand dreier Dimensionen ermittelt: Innovationsorientierung, Risikofreudigkeit und Proaktivität. Diese Faktoren gelten als wichtige Indikatoren zur Beurteilung der Innovationskraft von Unternehmen, und folglich kann erwartet werden, dass sie auch die Lieferantenauswahl beeinflussen. 56 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass ihr Unternehmen eher oder stark innovationsorientiert ist. Für lediglich 19 Prozent der Unternehmen sind Innovationen von nachrangiger Bedeutung.

