Die Welt befindet sich in einem technologischen und gesellschaftlichen Wandel, der mit seiner Dynamik und Geschwindigkeit ein historisches Novum darstellt. Wirtschaft und Finanzindustrie sind zurzeit stark gefordert, sich diesem Wandel zu stellen. Unternehmen jeder Grösse konzipieren und entwickeln Strategien und Geschäftsmodelle, um ihr Bestehen zu sichern oder um sich neu ergebende Chancen zu nutzen.
Mit dem Begriff der «digitalen Transformation» wird versucht, diese laufenden Anpassungsbestrebungen anhand der technologischen Entwicklung als einen ihrer treibenden Kernfaktoren zusammenzufassen. Die Digitalisierung ist allerdings nur einer von vielen Aspekten, denen sich neue Strategien widmen müssen. So auch beim Schweizer Traditionsunternehmen WIR Bank Genossenschaft, welches diese Herausforderungen angepackt und sich nach rund dreijähriger Vorbereitungszeit per 1. November 2016 quasi neu erfunden und dem Markt präsentiert hat.
Historie und Wandel
Im Jahr 1934 wurde die WIR Bank Genossenschaft unter dem Namen WIR Wirtschaftsring gegründet. Sie versteht sich seit ihren Anfängen als Mittelstandsbank, die sich per Unternehmenszweck der gesamtschweizerischen KMU-Wirtschaftsförderung verschrieben hat. Zentrale Komponenten dabei sind die eigene Schweizer WIR-Währung und das darauf aufbauende WIR-System.
Die Komplementärwährung mit dem internationalen Währungskürzel CHW ist paritätisch zum Schweizer Franken und stellt für die WIR Bank ein einzigartiges Differenzierungsmerkmal dar. 2016 waren rund 45 000 Schweizer KMU dem WIR-System angeschlossen, nebst diesen nutzten etwa 15 000 Personen mit WIR-Konto aus deren direktem Umfeld sowie weitere rund 41 000 Privatkunden das Angebotsportfolio der WIR Bank in Schweizer Franken. Das Unternehmen weist eine Bilanzsumme von über 5,3 Milliarden Franken aus.
In Zeiten massiver gesellschaftlicher Veränderungen sind Kontinuität und Beständigkeit als Bausteine von Vertrauen und Verlässlichkeit von grosser Bedeutung. Gerade für Finanzdienstleister sind dies unverzichtbare Werte, um in diesen turbulenten Zeiten zu bestehen. Für die WIR Bank stand sehr schnell schon fest, dass dies entsprechend zentral in die neu zu definierende Strategie einzufliessen hatte.
Der Fokus auf Wirtschafts- sowie Unternehmensförderung im Umfeld kleiner und mittelgrosser Unternehmen, die WIR-Währung mit dem WIR-System und das genossenschaftliche Gedankengut wurden zu Kernaspekten erklärt. Unter Berücksichtigung der Ursprungswerte und aufbauend auf diesen Eckpunkten sollte die unternehmerische und strategische Revolution entwickelt werden. Aus der Markt- und Kundenperspektive heraus und mit grossem Gewicht auf relevanten Nutzen und Mehrwert.
Auslöser der Veränderung
Die technologische Entwicklung zur Digitalisierung war einer der Treiber für Wandel und für erforderliche unternehmerische Anpassungen. Für die WIR Bank stand eine Reihe weiterer Faktoren als Ursprung und Beweggrund für ihre Unternehmenstransformation im Raum. Die Krisen und Turbulenzen der globalen Finanzmärkte hatten deren Wahrnehmung aus Kundensicht erschüttert und grundlegend verändert. Als Konsequenz erfolgte eine ungebremste Zunahme der Regulatorien.
Zugleich führten die Fragmentierung der Finanzindustrie und die damit einhergehende Komplexität zu steigender Intransparenz und entsprechender Verunsicherung. Die relativ robuste Binnenwirtschaft in Kombination mit der lang anhaltenden Tiefzinsphase in der Schweiz stellten zudem keine attraktiven Rahmenbedingungen für das WIR-System dar. Die Folge: eine abnehmende Relevanz und sinkende Attraktivität.



