Strategie & Management

Umweltmanagement II

Die UN-Nachhaltigkeitsziele und ihre Folgen für Schweizer KMU

Rund um das Thema Nachhaltigkeit herrscht Bewegung. Seit Anfang 2016 gelten die Sustainable Development Goals (SDG) der UN-Agenda 2030. Der Beitrag zeigt, was die 17 Nachhaltigkeitsziele für Unternehmen und ihre Berichterstattung bedeuten.
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Das ambitionierte Rahmenwerk global verhandelter und akzeptierter Entwicklungsziele könnte sich als Quelle einer doppelten Dividende für die privaten Akteure erweisen: Einerseits sind die Unternehmen angehalten, einen substanziellen Beitrag zur Lösung der globalen Herausforderungen zu leisten und andererseits kann die weltweite Umsetzung der SDG und die mit ihr einhergehenden Investitionen als Innovationstreiber begriffen werden und potente neue Geschäftsfelder eröffnen. Was bedeuten die SDG für die Unternehmen? Wie können Unternehmen ihren Beitrag leisten und ihre Chancen identifizieren und für sich nutzen? Und was bedeuten die SDG für die Berichterstattung der Unternehmen?

Die Ziele und ihr Kontext

Am 25. September 2015 verabschiedeten die 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung. Sie baut auf dem Beschluss der UNO-Konferenz über nachhaltige Entwicklung vom Juni 2012 auf, neue bis 2030 zu realisierende Ziele für die globale Entwicklung nach dem Vorbild der Millenniumsziele zu formulieren und diese mit der Erarbeitung von Zielen für die nachhaltige Entwicklung zusammenzuführen.

Zudem identifiziert die Agenda die wichtigsten globalen Herausforderungen und etabliert damit den Anspruch, ambitioniert und transformativ für die internationale Gemeinschaft zu sein. Deren Kernstück sind die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (SDG) und die dazugehörenden 169 konkreten Zielvorgaben (Targets).

Im Gegensatz zu den Millenniums-Entwicklungszielen, die insbesondere für die Entwicklungsländer galten, haben die neuen Ziele universellen Charakter, das heisst, sie gelten explizit für alle Länder. Und sie sollen mithilfe von Indikatoren gemessen und überprüft werden. Somit stellen die SDG den Referenzrahmen dar für die Nachhaltigkeits-Strategien aller Länder und deren Umsetzung auf nationaler Ebene. Die Ziele nachhaltiger Entwicklung sind am 1. Januar 2016 in Kraft getreten und haben, wie ihre Vorgänger-Version, eine Laufzeit von 15 Jahren.

Jedes der Ziele hat konkrete und ausformulierte Zielvorgaben – insgesamt deren 169 –, die Mittel zur Umsetzung, der Ausgestaltung der globalen Partnerschaft und einen Weiterverfolgungs- und Überprüfungsmechanismus definieren. Das Abkommen, das im Juli 2015 in Addis Abeba verabschiedet wurde, ist zudem integraler Bestandteil der Agenda 2030 zur Entwicklungsfinanzierung.

Darin wird das Bekenntnis der Geberländer bekräftigt, 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens in die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit fliessen zu lassen. In der Schweiz liegt dieser Prozentsatz derzeit bei 0,5 Prozent. In Addis Abeba wurde unter dem Diskussionspunkt der besseren Erschliessung inländischer Ressourcen auch das besonders umstrittene Thema der internationalen Zusammenarbeit in Steuerfragen diskutiert, denn der Geldabfluss durch Steueroptimierung und Steuerflucht der multinationalen Unternehmen übersteigt die gesamte öffentliche Entwicklungshilfe.

Agenda 2030 und die Schweiz

Welchen Beitrag leistet die Schweiz zur Erreichung der globalen Agenda für nachhaltige Entwicklung und wie tut sie das? Der Bundesrat beruft sich zur Umsetzung nachhaltiger Entwicklung auf den Verfassungsauftrag des übergeordneten Zwecks der Eidgenossenschaft, namentlich die Förderung der gemeinsamen Wohlfahrt, der nachhaltigen Entwicklung, des inneren Zusammenhalts und der kulturellen Vielfalt (Artikel 2, Absatz 2) wie auch den Einsatz für die dauerhafte Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und für eine friedliche und gerechte internationale Ordnung (Absatz 4).

Des Weiteren nehmen die aussenpolitischen Ziele (Artikel 54) wichtige Elemente der nachhaltigen Entwicklung auf, so zum Beispiel die Förderung der Wohlfahrt, die Linderung von Not und Armut in der Welt, die Achtung der Menschenrechte, die Förderung von Demokratie und dem friedlichen Zusammenleben der Völker sowie den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen.

Zudem fordert das Parlamentsgesetz vom Bundesrat, in jeder Botschaft zu neuen Gesetzen «die Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Gesellschaft, die Umwelt und auf die künftigen Generationen» zu erläutern (Artikel 141.2.g). Dies kann als gesetzliche Grundlage für eine Art SDG-Verträglichkeitsprüfung ausgelegt werden.

Im Januar 2016 hat der Bundesrat die Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016 bis 2019 verabschiedet mit dem Anspruch, aufzuzeigen, «welchen Beitrag die Schweiz zur Erreichung der globalen Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (Agenda 2030) der Vereinten Nationen in der Legislaturperiode leistet».

Es ist das Ziel dieser Strategie, eine kohärente Politik für die nachhaltige Entwicklung der Schweiz auf Bundesebene zu gewährleisten. Mit einem Aktionsplan stellt die Strategie die neun prioritären thematischen Handlungsfelder der Eidgenossenschaft dar, beschreibt die wichtigsten mittelfristigen Herausforderungen, nennt Massnahmen, die bis 2019 zu erreichen sind, und entwickelt daraus eine langfristige Vision.

Einbindung der Wirtschaft

Die Sustainable Development Goals zeichnen sich dadurch aus, dass sie zum einen universell sind und zum anderen viele Querbezüge zwischen den einzelnen Zielen herstellen. Diese Vernetzung wird dem Umstand gerecht, dass eine zukunftsfähige, verantwortungs- und wirkungsvolle Entwicklungspolitik nicht unabhängig von den Politikfeldern Klima, Wirtschaft, Migration, Gesundheit und weiteren betrachtet werden kann. Die Agenda fordert eine weltweite Partnerschaft, in der alle Länder und sämtliche Interessengruppen konzertiert handeln. Dazu gehört explizit auch der private Sektor.

Ohne die Einbindung der wirtschaftlichen Akteure in die Agenda 2030 können die Ziele nicht erreicht werden. Der vormalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-Moon, hat die Unternehmen dazu aufgerufen, durch ihre Kern-Geschäftstätigkeit zum Erreichen der nachhaltigen Entwicklungsziele beizutragen, und fordert von ihnen, ihren Einfluss zu bewerten, ambitionierte Ziele zu setzen und transparent über die Resultate zu berichten.

Umsetzung in Unternehmen

Der Global Compact der Vereinten Nationen – die UN-Initiative für verantwortungsvolle Unternehmensführung – hat in Zusammenarbeit mit dem World Business Council For Sustainable Development (WBCSD) und der Global Reporting Initiative (GRI) einen Leitfaden für die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele durch die Unternehmen entwickelt. Dieser sogenannte «SDG Compass – The guide for business action on the SDGs» ist ein Unterstützungsinstrument für die Unternehmen und leitet sie an, ihre Strategien mit den Entwicklungszielen in Übereinstimmung zu bringen sowie ihren Beitrag zu messen und zu lenken.

Dazu wurde ein fünfstufiges Räderwerk geschaffen. Als Erstes müssen die Ziele in ihrer Tragweite, Komplexität und Vernetzung verstanden werden, dann sollen Prioritäten definiert und in konkrete, individuelle Ziele übersetzt werden. Diese wiederum sollen in die Kerngeschäftstätigkeit integriert werden. Schliesslich sollen die Unternehmen kontinuierlich über ihre Fortschritte Bericht erstatten und eine Rückwirkung auf die Überarbeitung der Priorisierung sicherstellen.

Herausforderungen / Chancen

Diese Prozesse zu konkretisieren, ist für die meisten Unternehmen eine grosse Herausforderung. Es kann und soll das Ziel der Unternehmen sein, die SDG zum Anlass zu nehmen, das Nachhaltigkeitsmanagement im Unternehmen zu stärken und damit einen positiven Beitrag zur Bewältigung der globalen Probleme zu leisten.

Dazu müssen die SDG in konkrete Instrumente zum Nutzen der Organisation übersetzt werden. Zudem birgt die Umsetzung der SDG für die Unternehmen auch ungeahnte Chancen und Möglichkeiten. Es gilt, die in der Umsetzung der SDG liegenden Quellen für Innovation zu erschliessen und die sich dadurch ergebenden Potenziale zu ergreifen.

Der diesjährige «Inclusive Growth and Development Report» des WEF identifiziert einen starken Anstoss für Wachstum in der durch öffentlich-private Partnerschaften finanzierten, weltweiten Umsetzung des Pariser Klima-Abkommens. Die Investitionstätigkeiten, zu denen die privaten und öffentlichen Investoren aufgefordert sind, um die Ziele der Agenda 2030 zu erreichen, bergen viele Chancen für innovative neue Geschäftsfelder genauso wie für die Entwicklung von Technologien und den Aufbau von Infrastruktur für die nachhaltige Entwicklung weltweit.

Porträt