Restrukturierung? Was hat das Thema in einer Wachstumskolumne zu suchen? Ganz einfach: Eine Restrukturierung muss dazu führen, dass entweder bereits Wachstum eintritt oder dass zumindest die Voraussetzungen für Wachstum wieder geschaffen sind, abhängig von der Restrukturierungsnot und der Restrukturierungstiefe. Ansonsten ist eine Restrukturierung vollkommen sinnlos.
Wann sind Restrukturierungen überhaupt erforderlich? Natürlich dann, wenn das wirtschaftliche Ergebnis nicht mehr stimmt, Umsatz und Marktanteile abbrechen, das Ebitda oder ein Derivat davon drastisch einbricht, Kunden nicht mehr treu sind, ja, wenn möglicherweise sogar die Insolvenz droht oder (faktisch) bereits eingetreten ist. Es bedarf einer veränderten Struktur, um das Geschäft wieder auf tragfähigen Boden zu stellen. Hier liegen erste potenzielle Fehler verborgen, denn bei «veränderter Struktur» denken Menschen oftmals zuallererst an eine veränderte Organisationsstruktur. Restrukturierung wird mit Entlassungen – euphemistischer formuliert, aber nichts am Ergebnis ändernd, mit «Freistellungen» – gleichgesetzt. Denn wenn restrukturiert wird, rollen als Erstes Köpfe, üblicherweise nur unterhalb der Führungsebene. Es geht darum, massiv Kosten zu sparen.
Eine Restrukturierungsregel: erst der Inhalt, dann die Organisation
Mag es auch geboten sein, die Kostenstruktur anpassen zu müssen, um für die Zukunft wieder gerüstet zu sein, darf dies doch nicht der alleinige Fokus sein. Eine Restrukturierung bedarf nicht nur einer veränderten Organisationsstruktur, sondern jene darf nur eine Konsequenz der Antworten auf Fragen sein wie «Welches Geschäft wollen wir in Zukunft betreiben?», «Wofür wollen wir künftig stehen?», «Welchen Wert wollen wir künftig repräsentieren?», «Wer soll für diesen Wert was bezahlen?». Erst muss klar sein, womit das Unternehmen künftig seine Existenz rechtfertigen will, dann dürfen Kästchen am Flipchart gemalt werden, nicht andersherum. Einer der grössten Fehler bei einer Restrukturierung ist, dass – mitunter in Panik – Kosten gesenkt werden, ohne zu wissen, wohin das Ganze führen soll. Fatal.
Die Antworten auf die obigen Fragen sind elementar, will man Restrukturierung als etwas auf eine erfolgreiche Zukunft Gerichtetes verstehen. Die Antworten sind natürlich auf Ebene der Unternehmensführung zu geben, eine neue Strategie ist zu erarbeiten und dann sind die Mitarbeiter mitzunehmen. Was regelhaft nicht funktioniert, ist, einen basisdemokratischen Prozess zu starten. Ein solcher funktioniert schon bei wachsenden oder stagnierenden Unternehmen nicht. Im Falle eines erforderlichen Umschwungs ist Basisdemokratie völlig fehl am Platze.
Fragen soll man die Mitarbeiter schon, auch in einer Restrukturierungsphase: «Was ist in der Vergangenheit gut gelaufen, was nicht?», «Auf welche Kunden können wir auch in der Krise setzen, auf welche nicht?», «Wer sind hier die Leistungsträger, wer nicht?» Mit den Antworten kristallisiert sich ein Bild heraus. Es gilt, zuzuhören, um das Beobachtete und Gehörte dann zu würdigen und in die strategischen Entscheidungen einfliessen zu lassen. Das ist ein wesentlicher Aspekt der Partizipation und ein wesentlicher Unterschied zu Basisdemokratie und langen Diskussionen, die man sich in einer Krise sparen muss.
Eine Feuerwehr, die zu einem Brand kommt, diskutiert vor Ort auch nur kurz den konkreten Fall und dann handelt jeder seiner vorgesehenen Verantwortung gemäss, um den Brand schnellstmöglich zu löschen. Nun kann man einwenden, dass die Feuerwehr auch trainiert hat, was die Unternehmensführung vor einer Krisensituation eines Unternehmens meist nicht getan hat. Aber etwas anderes ist hier wichtig: Es gibt klare Rollen und Kompetenzen im «Brandfall». Dies können wir unmittelbar auf eine Unternehmenskrise und die Restrukturierung übertragen: Klare Rollen, Verantwortlichkeiten, Kommunikationswege und -inhalte müssen abgestimmt werden, um möglichst schnell zu handeln. Denn häufig geht es zwar nicht wie im Falle des Brandes um Minuten, aber um Tage, was im Leben eines Unternehmens schon schnell genug erscheint.