Seit fast 40 Jahren entwickelt die Simatec AG mit Hauptsitz in Wangen an der Aare Produkte für die Montage, Demontage und den Unterhalt von Wälzlagern unter den Markennamen «Simatherm», «Simatool» und «Simalube». Geführt wird Simatec in zweiter Generation seit 2005 von Mischa Wyssmann und bis zum heutigen Zeitpunkt konnten die Niederlassungen Simatec Inc. in Charlotte USA und die Simatec GmbH in Pforzheim, Deutschland, erfolgreich ihren Betrieb aufnehmen. Mit der Lancierung des Simalube-Fett- und Ölspenders erschloss das Unternehmen ein äusserst erfolgreiches Geschäftsfeld und wurde zu einem der führenden Anbieter am Weltmarkt.
Grundprinzipien
Mit der Design-Thinking-Methode will Simatec Innovation noch breiter stützen und das Kundenbedürfnis stärker ins Zentrum aller Überlegungen rücken. Das Unternehmen lernte die Design-Thinking-Methode bereits im Herbst 2021 im Rahmen eines dreitägigen Workshops im Mobiliar-Forum in Thun kennen und entschied sich, die Innovationstechnik zu etablieren.
Design Thinking beruht auf den Grundprinzipien Team, Raum und Prozess. Der englische Industriedesigner Tim Brown definiert dies folgendermassen: «Design Thinking basiert auf der Annahme, dass Probleme besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen in einem die Kreativität fördernden Umfeld zusammenarbeiten, gemeinsam eine Fragestellung entwickeln, die Bedürfnisse und Motivationen von Menschen berücksichtigen und dann Konzepte entwickeln, die mehrfach geprüft werden.»
Dabei gibt es sechs Schritte, um den Vorgang zu beschreiben: Empathie/Verstehen, Beobachten, einen Standpunkt definieren, Ideen finden, Prototypen herstellen, Testen und Feedbacks von möglichen Anwendern einholen. Mittels agiler und iterativer Kreativprozesse sowie zahlreicher Interviews werden die Ideen und Wünsche zukünftiger Kunden gebündelt. «Wir wollen neue, intelligente Lösungen und Produkte exakt auf die Anforderungen unserer Kunden massschneidern und damit neue Geschäftsfelder entwickeln», so Inhaber Mischa Wyssmann.
Die Ausgangslage
In den Fokus der Design-Thinking-Methode stellte Wyssmann die Gasentwicklungszelle. Diese Technik, eingebaut im Schmierstoffspender simalube, ermöglicht eine saubere, sichere und wartungsfreie Langzeitschmierung von Lagerstellen. Diese neuartige Technologie vereinfacht komplexe Abläufe und senkt den Wartungsaufwand an tausenden von Maschinen und Anlagen. Dieser automatische Einzelpunkt-Schmierstoffspender versorgt verschiedenste Schmierstellen bis zu einem Jahr lang mit Schmierstoff. Er kann verschiedene Fette und Öle abgeben und sowohl unter Wasser als auch in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden.
Verwendung findet der «Simalube», welcher von Firmengründer Max Wyssmann erfunden wurde, in unterschiedlichsten Umgebungen wie beispielsweise bei Wälz- und Gleitlagern, Linear-/Gleitführungen, Ketten, Verzahnungen, Gewindespindeln, Pumpen, Elektromotoren, Förderanlagen, Ventilatoren und Lüfteranlagen sowie bei Hubanlagen. Probleme, die eintreten, wenn diese Stellen nicht regelmässig gefettet oder geschmiert werden, sind unter anderem Reibung, Verschleiss, Korrosion, Lagerschäden und damit der vorzeitige Ausfall von Anlagen.
Der Vorteil bei der Verwendung von «Simalube» liegt in der Wiederverwendbarkeit, der exakten Dosierung der Schmierstoffe – durch die geringe Menge, die abgegeben wird, benötigt man weitaus weniger davon – es kommt somit zu keiner Über- oder Unterschmierung der Teile. Schwer zu erreichende Schmierpunkte können mit geringem Aufwand punktgenau versorgt werden.
Warum wurde die Gasentwicklungszelle in den Fokus der Design-Thinking-Methode gestellt? Die Gasentwicklungszelle in der Grösse einer Hörgerätebatterie nutzt elektrochemische Prinzipien aus, um Wasserstoffgas zu erzeugen. Sie ist eine autonome Energiequelle, die darüber hinaus auch als Motor, Uhr und Taktgeber funktioniert – ein agiles Kleinstkraftwerk, dessen Nutzenpotenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist. Und genau hier setzt Design Thinking an.
Die Umsetzung
Zwei Dreierteams haben die Aufgabe, neue Anwendungsfelder für die Technologie der Gasentwicklungszelle – das Herzstück des Leaderprodukts «Simalube» – zu finden. Die zwei Teams, «Da Vinci» und «Einstein», forschen im Bereich Medtech, beziehungsweise im Bereich Schädlingsbekämpfung, Pflanzenschutz und Haustechnik und arbeiten unter Anleitung eines externen Moderators. Mischa Wyssmann: «Für die interdisziplinären Teams haben wir vier Mitarbeitende komplett vom Tagesgeschäft befreit und ihnen die optimale Infrastruktur zur Verfügung gestellt, damit sie autonom arbeiten können. Zusätzlich wurde je eine Person eingestellt, welche die Simatec-externe Sichtweise in die Teams einbringt.»
Die Office-Cubes «Da Vinci» und «Einstein» wurden mit Kollaborationstechnologie und Prototyping-Material für kreative Denkmethoden ausgestattet. Ein weiterer Faktor für den Erfolg ist das methodische Coaching durch den Moderator und das Innovation Board, die den Prozess planen und begleiten. Das Team Medtech wird zusätzlich unterstützt durch externe Fachpersonen in medizinisch komplexen Themen wie Anwendungen, Märkte, Regulatory und Compliance.
Monitoring notwendig
Wie findet man nun die ultimative Lösung und wie werden Fortschritte gemessen? Eins vorneweg: Innovation ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer konsequenten Strategie, deren Zielerreichung kontinuierlich überprüft wird: die Teams planen und arbeiten in 14-tägigen Sprints. Die Ergebnisse teilen sie in einem Review-Meeting mit dem Innovations Board, bestehend aus Mitgliedern der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat.
Diese Erfolgskontrolle ist Grundlage für den nächsten Sprint. «Besonderen Wert legen wir auf den Austausch im ganzen Unternehmen», so Mischa Wyssmann. «Die Innovationsteams teilen ihre Erfahrungen regelmässig im Rahmen einer Infoveranstaltung – beim Fürobebier – mit Arbeitskolleginnen und -kollegen. Mit diesem Innovationsprojekt, gesteuert durch die Design-Thinking-Methode, stehen nicht unsere Businessziele im Fokus, vielmehr soll dieses Projekt als Innovationsmotor für motivierte und begeisterte Mitarbeiter dienen.»