Die Unternehmen lebten von Effizienz und Effektivität, wird gesagt. Dies gilt auch für Sitzungen. Weswegen sind denn trotzdem nur wenige Sitzungen effizient und noch weniger effektiv? Weswegen reden immer die Gleichen und werden die Leisen nicht gehört? Weswegen rennt die Zeit Mal für Mal davon? Die Unternehmen seien heute durchorganisiert, lautet der Tenor. In Bezug auf Sitzungen trifft das nur dann zu, wenn das Besprochene mit dem Geschehen im Betriebsalltag danach verzahnt wird. Als zweites Beispiel der «technische Service» und ein Erlebnisbericht. Der Laptop wird zur Reparatur eingesandt und bald zeigen sich dieselben Fehler wieder. Aus Kulanz kommt diesmal der Servicetechniker ins Büro und die Geschichte wiederholt sich. Der dritte Servicetechniker behebt den Schaden, den schon der erste vermutete, die richtigen Teile aber nicht dabeihatte. Das Erstaunliche an dieser Geschichte ist der Umstand, dass keiner der Servicetechniker über das Tun des anderen Bescheid wusste – trotz Arbeitsreport. – Natürlich gibt es auch Sitzungen, an denen vor allem entschieden wird, und dies in Kenntnis des Machbaren später in der Umsetzung. Und es gibt auch die Kundenberaterinnen, die Anrufer nicht unnötigerweise weiterreichen und nicht aufgeben, bis deren Probleme behoben sind.
Communityship
Die beiden Beispiele entstammen dem Betriebsalltag. Haben sie daher mit der Arbeit der Unternehmensspitze zu tun? Ja, wie der hier angebrachte Vergleich zum Schwarmverhalten gewisser Tierarten zeigt. Die Tiere richten ihr Verhalten nach einem ersten aus, wie in den Unternehmen. Ameisen verhalten sich jedoch anders als Menschen, indem es auf ihren Strassen trotz grösster Hindernisse nie zu Staus kommt, während Menschen immer irgendeinen Vorteil für sich selbst ergattern wollen, was unweigerlich zum Stau führt. Dieses Verhalten ist menschlich, nur trägt es dem Unternehmen keine Sorge. Dabei wissen wir es alle: In der Gemeinschaft sind wir stärker.
Das Ziel heisst «Communityship»; ein feines Zusammenspiel von Führung und Gefolgschaft. Gute Communityship bedingt gute Führung und gute Gefolgschaft, was das Beziehungsmanagement in den Mittelpunkt guter Führungsarbeit stellt. Selten wurzelt unternehmerisches Scheitern an Sachlichem und Fachlichem.
Unsere Beziehungswelt
Wie sind Beziehungen zu schaffen und zu pflegen, welche die Unternehmensangehörigen weiterbringen, effektiver machen und sich wohler fühlen lassen? Als Basis und Arbeitsinstrument dient die nebenstehende Grafik unserer Beziehungswelt. Darin befinden sich das Ich, Du und Wir im Wechselspiel. Das Ich steht für die eigene Persönlichkeit. Als Person gehört das Ich vielen Wir an. Ein Wir setzt sich wiederum aus einem Ich und mehreren Du zusammen. Unsere Beziehungswelt kann in vier Umfelder gegliedert werden:
- Das private Umfeld: Familie, Lebenspartner, Freunde, Hausarzt
- Das berufliche Umfeld: die Menschen am Arbeitsplatz, Kunden, Geschäftspartner
- Das weitere Umfeld: die Lehrer der Kinder, Vereinsmitglieder, Nachbarn
- Das gesellschaftliche Umfeld: gesellschaftliche und kulturelle Zugehörigkeit beispielsweise zur Wohngemeinde, zu einer politischen Partei oder Religion
Das Ich steht für das sogenannte zentrale Ich meiner Person. Dieses enthält mein Gefühlsleben und meine Gedankenwelt. Es steht in Beziehung zu allem, was mich umgibt an Personen, Geräuschen, Gerüchen, Farben und weiteren äusseren Einflüssen. Das Du steht für das direkte Verhältnis zwischen mir und einer Person. Eine «Person» können Anwesende, Abwesende bis hin zu erdachten Personen sein – zum Beispiel der imaginäre Freund eines Kindes beim Indianerspiel, von dem es durch den Garten verfolgt wird. Das Wir steht für eine Gruppe von Personen, der ich angehöre. Ich gehöre mehreren Gruppen an, in denen mein Ich jeweils von mehreren Du umgeben ist. Die Anforderungen meiner Ich in den verschiedenen Wir auf die Reihe zu bringen, ist die Aufgabe des zentralen Ich.