Im Privatleben und in Unternehmen scheint es auf den ersten Blick einfacher zu sein, Geld auszugeben als Geld zu verdienen. Einkauf in Unternehmen ist aber weit mehr, als «gut und günstig» einzukaufen. Da in KMU weniger Möglichkeiten zur Spezialisierung bestehen, sind gerade dort die Einkäufer gefordert, die gesamte Bandbreite eines modernen Beschaffungsmanagements zu beherrschen. Im Vordergrund steht häufig, die Versorgung sicherzustellen sowie Kostenreduzierungen im Unternehmen (zum Beispiel durch Verbesserung der Bedarfsplanung), in der Zusammenarbeit mit den Lieferanten (zum Beispiel durch Änderung von Spezifikationen) und entlang der gesamten Supply Chain (zum Beispiel durch Verbesserung der Logistik) zu identifizieren und umzusetzen. Hierzu bedarf es einer Beschaffungsstrategie, verschiedener Kostenanalyse-Methoden, einer cross-funktionalen Zusammenarbeit mit anderen Bereichen im Unternehmen, eines integrierten Lieferantenmanagements, eines Risikomanagements und vielem mehr – am allermeisten gut ausgebildete Einkäufer mit den entsprechenden Fach-, Methoden- und Sozialkompetenzen, sowie ausreichende Ressourcen und Zeit, um diese Aufgaben professionell erfüllen zu können.
Stand in der Unternehmenspraxis
Die Studie, an der sich 1266 im Einkauf tätige Personen (davon 39,9 % aus KMU, 60,1% aus grösseren Unternehmen; 90,0 % aus der Deutschschweiz, 10,0 % aus der Westschweiz; 79,5 % Männer, 20,5 % Frauen) beteiligten, zeigt, dass sich Einkäufer häufig nicht ausschliesslich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Vielmehr nehmen sie zusätzlich Funktionen in der Logistik (17,8 % aller Befragten), in der Projektleitung (16,5 %), im Produkt Management (5,1 %), in der Produktentwicklung (4,8%) oder im Bereich Infrastruktur /Facility Management (4,7 %) wahr. Der Vergleich von KMU mit weniger als 250 Mitarbeitern und grösseren Unternehmen mit 250 und mehr Mitarbeitern (siehe Abbildung 1) zeigt, dass Einkäufer in KMU viel häufiger andere Funktionen übernehmen müssen. So ist fast jeder vierte Einkäufer in einem KMU für logistische Tätigkeiten zuständig. Mehrere Funktionen auszuüben, kann die cross-funktionale Zusammenarbeit fördern, allerdings bleibt häufig nicht ausreichend Zeit, sich um strategische Aufgaben im Einkauf zu kümmern.


