Der Alltag im KMU-Verwaltungsrat ist von Firma zu Firma unterschiedlich. Jede Firma hat spezifische Fragestellungen und Bedürfnisse, wodurch sich die Arbeit des Verwaltungsrats je nach Unternehmen unterscheidet. Nichtsdestotrotz gibt es einige Gemeinsamkeiten, wie das VR-Gremium in KMU organisiert ist und welche Aufgaben der VR wahrnimmt.
Arbeit des Verwaltungsrats
Der KMU-VR trifft sich meist an vier bis fünf Sitzungen im Jahr à etwa drei Stunden. Neben dem Verwaltungsratspräsidenten (VRP) und den familieninternen und -externen VR-Mitgliedern wird oft auch der CEO eingeladen, denn die Geschäftsleitung (GL) zeigt dabei die Realitäten aus der alltäglichen Praxis und im Markt auf. Zusätzlich wird jährlich oder alle zwei bis drei Jahre ein Strategieworkshop durchgeführt, der ein bis zwei Tage dauert. Empfehlenswert ist, dass der Workshop nicht im Unternehmen stattfindet und dass man sich zum Workshop bereits am Vorabend trifft, um den nächsten Tag schon etwas vorzubereiten oder um das gemütliche Beisammensein zu geniessen, denn auch dies gehört zu einem gut funktionierenden VR dazu. Der VR kann die Schlagkraft erhöhen, wenn alle VR-Mitglieder sich gewissenhaft vorbereiten und ihre Meinungen treffend einbringen können. Die Autoren möchten unterstreichen, dass eine gute Vorbereitung aller Beteiligten unerlässlich für eine effektive und effiziente VR-Sitzung ist. Die VR-Mitglieder erhalten von der Geschäftsleitung Informationen zu den einzelnen Traktanden und Anträgen, die während der VR-Sitzung besprochen werden. Diese Informationen sollen frühzeitig verschickt werden, damit der VR die notwendige Vorbereitungszeit investieren kann.
Digitale Arbeitsmittel
Werden diese Unterlagen auf Papier ausgedruckt und verschickt, per E-Mail versendet oder funktioniert die Ablage anhand eines Online-Dienstes? In grösseren Firmen ist zu beobachten, dass teilweise iPads zur Verfügung gestellt werden, welche die erforderliche IT-Sicherheit aufweisen. In KMU ist dies nach Erfahrung der Autoren jedoch nicht stark ausgeprägt. Papier und Ordner oder das Versenden per Mail dominieren nach wie vor. Gründe dafür liegen darin, dass gewisse elektronische Dokumentenablagen nicht bekannt sind, ein Respekt gegenüber der IT-Sicherheit und Cloud-Diensten vorhanden ist oder die Unternehmen die höheren direkten Kosten scheuen. Die Unterlagen werden durch jeden externen VR gesammelt und die nicht mehr gebrauchten Dokumente nach ein paar Jahren geschreddert. Diese Unterlagen können schnell ein paar Ordner füllen. Wichtig ist, dass das Unternehmen diese Dokumente – insbesondere die VR-Protokolle – archiviert. Die Autoren möchten damit nicht sagen, dass das Ausdrucken der Dokumente der falsche Weg ist, doch möchten sie die Diskussion darüber fördern, welches Ablagesystem für den VR am geeignetsten ist.
Die Themen
Der KMU-VR tagt meist nach den Quartalsabschlüssen und vor der Generalversammlung (GV). An diesen Sitzungen werden neben den Finanzabschlüssen auch weitere Themen behandelt. Der VR sollte sich idealerweise um strategische Themen und somit um die Zukunft der Firma kümmern. In der Praxis ist jedoch zu beobachten, dass es sich auch um operativ-strategische Themen handelt, da sich der Unternehmer zu bestimmten Fragen einen Sparringpartner sucht. Folgende nicht abschliessende Liste zeigt Themen, die im VR besprochen werden:
- Beurteilung Geschäftsabschlüsse und Finanzen (Bilanz/Erfolgsrechnung)
- Liquiditätssituation
- Auftragsbestand/Zukunftserwartung
- Budget
- Strategieworkshop
- Risikobeurteilung
- Personalpolitik und Personalplanung
- Leistungsbeurteilung des VR
- Genehmigung Jahresrechnung und Jahresbericht, Gewinnverwendung
- Vorbereitung GV
- Leistungsbeurteilung und
- Zielvereinbarung Geschäftsleitung
- Mitarbeiterentlohnung
- Investitionsbudget
- Marketingplan
- Beförderungen