Im «Normalzustand» wird ein Unternehmen von der Geschäftsleitung geführt, im Krisenfall wird grundsätzlich ein von der Geschäftsleitung unabhängiger Krisenstab eingesetzt, der sich ausschliesslich um die Krisenbewältigung kümmert. Doch kommt dieser erst zum Einsatz, wenn ein Problem nicht mehr durch spezielle Einsatzteams an Ort gelöst werden kann und so eine Situation zu eskalieren droht. Sind kritische Prozesse betroffen, drohen grosse finanzielle Verluste oder sind gar Verletzte oder Tote zu beklagen, wird der Krisenstab meist sofort einberufen. Dabei spielt es keine Rolle, um welches konkrete Ereignis es sich handelt.
Schnelles Handeln ermöglichen
Es ist zweckmässig, dass der Krisenstab weitreichende Entscheidungsbefugnis hat, denn vor allem bei Sofortmassnahmen muss schnell gehandelt werden. Bezüglich Finanzkompetenzen sollten daher Beträge definiert werden, über die frei verfügt werden kann. Bei weittragenden Entscheidungen ist aber oft ein Antrag an die Geschäftsleitung nötig. Daher kann es nützlich sein, von Anfang an ein Mitglied aus der Geschäftsleitung im Krisenstab dabeizuhaben.
Die Zusammensetzung
«Leiter Stab», «Stabschef», «Support» und ein Vertreter der Kommunikation sind die zentralen Rollen im Krisenstab. Ergänzt werden sie durch Vertreter der Businessprozesse, Human Resources, Informatik, Infrastruktur und Technik und – je nach Ereignis – Spezialisten, etwa ein Betriebsarzt im Pandemiefall. Stellvertreter zu all diesen Funktionen sind notwendigerweise zu definieren. Alle Stabsmitglieder sollten stressresistent, konflikt- und kommunikationsfähig sein. Oft ergibt sich die Zusammensetzung des Krisenstabs aus der Standard-Organisation des Unternehmens. Beispielsweise wird der Leiter der Abteilung Kommunikation in einer Krise zum Vertreter Kommunikation des Krisenstabs.
Abläufe verinnerlichen
Damit eine Krisenorganisation im Notfall funktioniert, gibt es nur eine Lösung: Üben, um die notwendigen Denk- und Handlungsabläufe zu verinnerlichen. Die «Königin» der Übungen ist die sogenannte Stabsübung. Hier wird der Krisenstab mittels eines Ereignisszenarios in speziell dafür ausgewählten und eingerichteten Krisenräumen theoretisch beübt. Denkbar ist es auch, die Stabsübung mit einer Alarmübung zu kombinieren, um zusätzlich den stabsinternen Alarmierungsprozess sowie die Alarmtechnik, beispielsweise einen Alarmserver, zu prüfen. Neben der Stabsübung gibt es weitere Übungen, die je nach Bedürfnis und Ausbildungsstand geeignet sind, bestimmte Zielgruppen (strategisch, taktisch, operativ) oder aber bestimmte Abläufe zu trainieren (siehe Tabelle). Die (Krisen-)Stabsübung gilt auch deshalb als Königin unter der Vielzahl von Übungsarten, weil einerseits ihr Aufwand nur niedrig bis mittel ist und anderseits sowohl die strategische als auch die taktische Ebene im Krisenstab trainiert werden können.


