Der Schweizerische Verband für Weiterbildung SVEB hat Anfang des Jahres den Einfluss der Corona-Krise auf die Weiterbildung in KMU untersucht. Gemäss der am 10. Mai 2021 vom SVEB publizierten Studie, die bei 123 KMU durchgeführt wurde, halten viele Führungskräfte die Weiterbildung für wichtig, um die Auswirkungen der Pandemie auszugleichen. Die Umfrage wurde in Kooperation mit dem Schweizerischen Gewerbeverband, Digitalswitzerland und KMU Next durchgeführt.
Neue Kompetenzen benötigt
Bei vielen befragten KMU stellt die Corona-Situation insgesamt hohe Anforderungen an die Fähigkeiten der Angestellten. Ein Drittel der Befragten gibt an, die Belegschaft benötige neue oder andere Kompetenzen. Bei rund 60 Prozent der Unternehmen hat die Pandemie Auswirkungen auf die sozialen und kommunikativen Kompetenzen, 43 Prozent stellen zudem einen starken bis sehr starken Effekt bei den digitalen Kompetenzen fest, ob die Folgen negativ oder sogar positiv sind, gibt die Studie nicht an.
Hingegen ist der Weiterbildungsbedarf bei 33 Prozent der KMU in den Zeiten von Corona gestiegen. Viele KMU sparen aber trotzdem bei der Weiterbildung. Die Studie zeigt, dass fast ein Drittel der KMU trotz einem erhöhten Weiterbildungsbedarf ihre Weiterbildungsaktivität nicht verändert oder sogar gesenkt haben. Man ist vorsichtig bei der Finanzierung, besonders bei Ausgaben für externe Weiterbildungsangebote wird gespart. Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass viele KMU infolge der Krise Unterstützung bei der Finanzierung oder der IT-Infrastruktur benötigen. Die Zurückhaltung könnte auch in Zusammenhang damit stehen, dass es der Hälfte der befragten Unternehmen gemäss eigenen Angaben an Wissen zu den Kompetenzen der Zukunft fehlt.
Heimbüro und Lehre
Der Kaufmännische Verband befragt seit mehr als vierzehn Jahren die KV-Abgänger in der Schweiz. Die Umfrage 2020 legte den Fokus auf die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich die Ausbildenden stark engagiert haben. Es ist auch ihnen zu verdanken, dass die Lernenden Homeoffice als positive Erfahrung erlebten. So gaben knapp drei Viertel der Lehrabgänger an, dass sie ihre Aufgaben auch während dieser Zeit als sinnvoll empfanden. Hinzu kommt, dass 76,4 Prozent der Befragten zufrieden mit der Betreuung im Unternehmen sind. Der Verband empfiehlt für Homeoffice sorgfältige Planung und feste Regeln sowie Tages- und Wochenziele. Dazu ist eine Kommunikation auf Augenhöhe mit den Lernenden beziehungsweise auch den anderen Angestellten notwendig.
Die Ergebnisse der Lehrabgängerumfrage zeigen, dass der Berufseinstieg der meisten Lehrabgänger als gelungen bezeichnet werden darf. Viele von ihnen konnten sich eine erwünschte Stelle ergattern. Rund 9,1 Prozent der Befragten befanden sich im November 2020 noch auf Stellensuche. Dies entspricht einem Anstieg von drei Prozent zum Vorjahr – im Vergleich mit früheren Umfragen ist das ein besonders hoher Wert.
Weiterbildung und Demografie
Der Arbeitgeberverband der Banken in der Schweiz «Arbeitgeber Banken» untersuchte schon vor der Coronazeit die demografische Entwicklung in der Branche. Die Alterung der Belegschaft und die anstehende Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation werden – neben der Überlastung der Sozialwerke – auch den Fachkräftemangel in der Bankbranche deutlich verschärfen, so der Verband. Die Branche muss künftig ihre hohe Attraktivität für Lernende behalten, die neusten Bildungstrends aufnehmen und entsprechende Arbeits- und Lerninhalte bieten, um auf einem sich stetig verändernden Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu bleiben.
«Arbeitgeber Banken» postuliert aber auch, dass die Frauenförderung in den Banken weiter ausgebaut und das vorhandene Potenzial von weiblichen Mitarbeitenden auch für Führungspositionen vermehrt genutzt wird. Dafür braucht es keine Quoten, sondern familienfreundliche Arbeitsbedingungen, flexible Arbeitsmodelle sowie gezielte Karriereförderungsprogramme und die Bereitschaft der Frauen, diese Chancen zu nutzen.
Das Potenzial von älteren Mitarbeitenden muss vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung besser ausgeschöpft werden. Wenn ältere Mitarbeitende auch in den Banken länger arbeiten sollen, müssen ihnen die entsprechenden Arbeitsmodelle, zum Beispiel Altersteilzeit, angeboten werden. Schliesslich müssen die Folgen der Demografie auch in den Sozialwerken nachvollzogen werden. «Arbeitgeber Banken» fordert deshalb endlich echte und verdaubare Reformen, welche die unumgängliche Erhöhung des Rentenalters nicht mehr tabuisieren und nicht einseitig auf die Einnahmeseite ausgelegt sind.
In Zusammenarbeit mit dem Bildungsanbieter CYP – Challenge Your Potential (früher: Centre for Young Professionals) bietet der Verband für die Bankbranche bereits seit 2016 das Kompetenzentwicklungsprogramm «Skills 4.0» an. Dieses richtet sich gezielt an erfahrene Bankmitarbeitende, die sich für die neue Arbeitswelt rüsten wollen.