Montag, 08.30 Uhr im HR: Eine Mitarbeiterin kopiert Auszüge aus einem Bewerbungsdossier sowie Interview-Notizen in ein kostenloses KI-Tool und promptet: «Formuliere mir eine Absage für diese Bewerbung. Hier ist ein Mustertext aus dem Internet. Begründe professionell, aber klar und beziehe dich auf die Gesprächsnotizen und den Mustertext.»
Ein kurzer Prompt, in dem bereits mehrere rechtliche Themen stecken:
- Datenschutz: Bewerbungsunterlagen und Interview-Notizen sind Personendaten. Je nach Tool werden Daten an Dritte weitergegeben und unter Umständen ins Ausland bekannt gegeben.
- Geheimhaltung und Vertraulichkeit: HR-Notizen sind häufig sensibel. Diese Problematik ist jedoch keineswegs nur auf den HR-Bereich beschränkt. Auch in anderen Bereichen werden KI-Tools oft mit vertraulichen Unternehmensinformationen oder vertraulichen Kundendaten gefüttert.
- Urheber-/Lizenzrechte: «Im Internet gefunden» bedeutet nicht, dass das Gefundene frei verwendet werden darf. Urheberrechtlich geschützte Inhalte (z. B. Texte oder Bilder) können schon bei der Eingabe (Input) problematisch werden, wenn keine entsprechenden Nutzungsrechte bestehen oder der Anbieter Inhalte weiterverwenden darf.
- Haftungsrisiken: Sobald ein KI-Output nach aussen geht, wird daraus eine Erklärung des KMU. Die rechtliche Verantwortung verbleibt beim KMU, auch wenn der Inhalt KI-generiert wurde.
Rechtlicher Rahmen
Diese Konstellation ist für KMU typisch. Fehlen freigegebene Tools, weichen Mitarbeitende auf privat genutzte oder kostenlose KI-Versionen aus, die zur sogenannten «Schatten-IT» gehören und vom Unternehmen weder geprüft noch kontrolliert werden. Das erhöht die Risiken von Datenabfluss, fehlender Nachvollziehbarkeit und intransparenten Vertragsgrundlagen.
Der Einsatz von KI erfolgt jedoch nicht in einem rechtsfreien Raum. Auch ohne eigenständige KI-Gesetzgebung gelten bereits heute Normen, insbesondere aus dem Datenschutz-, Urheber-, Vertrags-, Arbeits- und Haftungsrecht. Je nach Geschäftsmodell, Zielmarkt, Datenbearbeitung und Einsatzkontext können zusätzlich europäische Vorgaben relevant werden, wie etwa die KI-Verordnung der Europäischen Union (EU AI Act) oder die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).
Damit rückt ein risikobasierter Ansatz in den Vordergrund. Je stärker Personen, vertrauliche Informationen, Aussenwirkung oder Entscheidungen über Personen betroffen sind und je weniger das KMU die Datenflüsse und den Output kontrollieren kann, desto vertiefter haben Prüfung, Freigabe und Kontrolle zu erfolgen.
Der Quick-Check für die Praxis
Ein praktikabler Prüfprozess hilft, den Einsatz von KI im Betrieb einzuordnen. Der folgende Quick-Check zeigt, welche Daten eingegeben werden dürfen, wie Ergebnisse zu kontrollieren sind, welche Punkte beim Anbieter abzusichern sind und wie die Nutzung organisatorisch eingebettet werden kann.

