Genügte früher noch ein Händedruck, um einen Vertragsabschluss zu besiegeln, so ist dies heute viel komplizierter geworden. «Es gibt praktisch kein wirtschaftliches Problem von Relevanz, das nicht auch eine rechtliche Knacknuss in sich birgt, und kein rechtliches Problem, das nicht auch einen ökonomischen Aspekt hat.» Dieses Zitat von Professor Peter Nobel bringt die Verrechtlichung der Wirtschaft auf den Punkt. Reines Ermessen genügt heute längst nicht mehr, um wirtschaftliche Tätigkeiten erfolgreich auszuüben. Im Gegenteil, ein Unternehmen – sei dies eine Bäckerei, Schreinerei oder Industriebetrieb – muss sich mit Rechtsthemen und Gesetzen auskennen.
Teil des Kerngeschäfts
Rechtliche Herausforderungen, Probleme und damit auch Risiken lauern in der Unternehmenswelt fast überall. Der Abschluss und die Umsetzung von Verträgen sind Teil des Kerngeschäfts eines fast jeden Unternehmens geworden. Doch sind die eigenen Interessen im Vertrag ausreichend vertreten? Sind Abmachungen zeitnah realisierbar? Sind Haftungsrisiken geprüft und abgesichert? Dies sind einige Fragen, für welche die Unternehmen gerüstet sein müssen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Klein-, Mittel- oder Grossunternehmen handelt und ob es weltweit oder lediglich regional tätig ist.
«Inhouse-Lösung» sinnvoll?
Juristen können Unternehmen beraten, Rechtsanwälte können sie auch vor Gericht vertreten. Unternehmensjuristen dürfen bis auf wenige Ausnahmen ihr Unternehmen in der Schweiz nicht vor Gericht vertreten. Für gerichtliche Auseinandersetzungen müssen deshalb unabhängige Anwälte hinzugezogen werden. Die Verantwortung für die Mandatierung von Anwälten soll den Unternehmensjuristen obliegen und nicht der vom Rechtsfall betroffenen Unternehmenseinheit, welche oft emotional in die streitigen Fälle involviert ist. Dadurch wird die notwendige Objektivität betreffend Prozessrisiken und -chancen gewahrt, das Fachwissen und die Interessen für das gesamte Unternehmen sind besser vertreten.
Die Anstellung von Unternehmensjuristen (Legal Counsels/Corporate Counsels) können sich meist nur Grossunternehmen leisten, da sie sich täglich mit Rechtsfragen auseinandersetzen müssen. In kleinen und mittelgrossen Unternehmen gestalten sich die personellen Ressourcen ein wenig anders. Viele KMU verfügen aus betriebswirtschaftlichen Gründen über keine Unternehmensjuristen. Doch auch für KMU ergeben sich oft Situationen, in denen der Rat eines Rechtsbeistands nötig ist. Sei dies, um Sicherheit zu gewinnen oder um die erforderlichen Rechtsgrundlagen zu schaffen, um operativ tätig werden zu können.
Unumgänglich aber wird der Gang zum Rechtsanwalt, wenn das Unternehmen in einen Streitfall verwickelt ist und vor Gericht erscheinen muss. Liegt ein komplexer und langwieriger Fall vor oder ist spezialisiertes Expertenwissen gefordert, sind eigene Unternehmensjuristen klar von Vorteil. Doch lohnt es sich, in Voraussicht auf das Eintreffen eines solchen Vorkommnisses extra eine Stelle zu besetzen? Ob Unternehmensjuristen als Mitarbeitende angestellt sind oder je nach Bedarf hinzugezogen werden, hängt von zahlreichen Faktoren ab und ist bei jedem Unternehmen unterschiedlich zu beurteilen.