Schon Goethe stellte fest, dass der Mensch, wenn er über sich selbst oder über für ihn persönlich wichtige Themen spricht, dazu neigt, zu verschleiern, zu beschönigen und dazuzudichten. Dichtung und Wahrheit gehen dann gerne mal Hand in Hand. Hier lassen sich durchaus Parallelen ziehen zu der gängigen Unternehmenspraxis, in der unpopuläre Entscheidungen und gravierende Veränderungen möglichst optimistisch präsentiert werden, ihre Ursachen und denkbare negative Konsequenzen nur rudimentär
vermittelt werden und die Unternehmenskommunikation nach aussen ganz selbstverständlich beschnitten wird. Doch Mitarbeiter reagieren darauf zunehmend misstrauisch und skeptisch gegenüber dem Unternehmen und seiner Führungslinie, und oft geht damit sinkende Motivation einher.
Dass Vertrauen motiviert und die Bindung ans Unternehmen stärkt, ist messbar, denn Leistungsvermögen lässt sich in Zahlen ausdrücken: Zwei Wissenschaftlerinnen der kanadischen York Universität untersuchten anhand von 88 Filialen eines Handelsunternehmens neben den Verkaufszahlen und Umsätzen auch den Einfluss von Vertrauen auf das Arbeitsklima. Dabei fanden sie heraus, dass, wer Vertrauen spürt, sowohl härter und länger arbeitet, als auch motivierter und produktiver ist – und freundlicher mit Kunden umgeht.
Den eigenen Mitarbeitern Vertrauen entgegenzubringen, gilt inzwischen als Basis-Herausforderung; Vertrauen aber als Führungskraft zu gewinnen, wird hingegen noch häufig vernachlässigt. Dabei ist es ebenso entscheidend für den Unternehmenserfolg und schlimmstenfalls kann entstehendes Misstrauen sogar drastisch den Unternehmenszielen schaden.