Der unternehmerische Alltag kann für Führungskräfte schnell frustrierend sein. Sie geben klare, sachliche, und wie sie selbst meinen, unmissverständliche Anweisungen an ihre Mitarbeiter. So lassen sie jegliche Emotion aussen vor – schliesslich soll nichts vom Inhalt ablenken. Werden die Anweisungen dennoch nicht umgesetzt, gibt es womöglich eine wiederholt sachliche Aufforderung, bis schliesslich Druck aufgebaut wird. Zielvereinbarungen und Abgabefristen werden gesetzt und auch diese Konsequenzen führen nicht zum gewünschten Ergebnis. Die Führungskräfte müssen sich schliesslich vor dem eigenen Vorgesetzten rechtfertigen und versuchen ihre Wut den entsprechenden Mitarbeitern gegenüber nicht zum Ausdruck zu bringen. Emotionen haben im Job schliesslich nichts zu suchen.
Mit Emotionen steuern
Diese Auffassung herrscht nach wie vor in vielen Unternehmen, während moderne Führungskräfte das Potenzial von Emotionen für sich entdeckt haben: Sie zeigen ihre eigenen Gefühle, gehen auf die der Mitarbeiter ein und sorgen somit für reibungslose Abläufe. Die Neurowissenschaften haben längst herausgefunden, dass Menschen von nichts so direkt gesteuert und gelenkt werden wie von Emotionen. Es gibt Alltagssprichworte, die das schon immer belegten und ein Gedanke an unsere evolutionäre Entwicklung lässt es völlig logisch erscheinen: Unser Gehirn entscheidet heute, genauso wie vor Hunderttausenden von Jahren, binnen Millisekunden, ob unser Gegenüber Freund oder Feind ist. Früher war dies überlebenswichtig, heute ist es ein rudimentärer Mechanismus, der sich schlichtweg nicht weiterentwickelt hat. Wir entscheiden also immer erst, ob uns etwas gut tut oder eben nicht und reagieren entsprechend – noch bevor unser bewusstes Denken einsetzt.
Die beschriebene Führungskraft kann so sachlich und nüchtern sein, wie es einem Menschen möglich ist, sie schafft damit vermutlich nur eines: Sie wirkt unsympathisch und ist damit nicht der Vertraute, dem man zuhört und folgt.
Regel 1: Je sachlicher und emotionsloser eine Führungskraft Anweisungen gibt, desto grösser ist die Gefahr, dass diese ignoriert werden. Emotionen sind immer mächtiger als Drohungen und Sachlichkeit – nutzen Sie deshalb Emotionen, um für Umsetzung zu sorgen.
Praxistipp:
- Wenn eine übertragene Aufgabe besonders wichtig ist, dann zeigen Sie dies nicht durch Sachlichkeit, sondern durch das passende Gefühl. Zeigen Sie, dass Ihnen diese Aufgabe wichtig ist, viel davon abhängt und Sie nervös, zuversichtlich oder voller Herzblut sind. Dann wird Ihr Mitarbeiter spüren, dass es sich um etwas Wichtiges handelt.
- Sie möchten Höchstleistungen von Ihren Mitarbeitern abrufen? Dann müssen Sie das Feuer zeigen, das Sie in Ihren Mitarbeitern entzündet sehen wollen. Sie müssen Ihre Bereitschaft zur Höchstleistung ausstrahlen und absolut überzeugt sein von Ihrem Anliegen. Dann können Sie Ihre Mitarbeiter mitreissen!
- Ist etwas übersehen worden und muss noch dringend geschrieben werden, obwohl Ihr Mitarbeiter schon Feierabend hat? Wenn Sie Ihre Not, Befürchtungen und Dankbarkeit ehrlich zeigen, werden Sie auf Verständnis stossen und man wird Ihnen bereitwilliger etwas abnehmen.
- Falls Sie über einen Fehler oder eine vergessene Aufgabe verärgert sind, dann zeigen Sie das. Niemand will absichtlich verärgern; weshalb Ihr Mitarbeiter zukünftig nicht mehr verantwortlich sein will für die schlechte Stimmung eines anderen.
- Bereiten Ihnen aktuelle Zahlen Sorgen? Stehen Sie offen dazu und seien Sie greifbar. Nur so können Mitarbeiter adäquat reagieren und Ihnen mit Unterstützung und Angeboten entgegenkommen.